Wenn die Krähe erzählt …

Hier geht es weiter:
Nun interessiert mich deine Meinung. Ich werde den geplanten Roman auszugsweise hier auf dem Blog posten. Du bist willkommen für jegliche Art konstruktiver Kritik, schließlich soll die Geschichte auch gut werden 🙂

Also, lass mal lesen, was du zu sagen hast, ich bin neugierig auf deine Meinung.

*****

Part 2:

den ursprünglichen Text findest du: hier

Langsam krochen morgendliche Sonnenstrahlen herauf, wärmten den hartgefrorenen Erdboden, vertrieben die bitterste Nachtkälte. Binnen weniger Stunden würden die zarten Schneekristalle schmelzen. An den Efeuranken hatte sich längst der Nachtfrost geklammert, die letzten Gräser mit klammem Weiß umhüllt.

Inmitten einer starken Baumkrone erbaut, hockte Noah in seinem Nest. Einsam. Es fühlte sich leerer an, seit seine Jungen flügge geworden waren und ihn und seine Liebste verlassen hatten.
Eisig pfiff schneidender Wind durch sein Gefieder, plusterte es mehr noch auf, als er selbst dies bereits getan hatte. Kälte und Wind trotzend, hockte er mit aufgeplustertem Federkleid im Nest, ließ sich doch die Körperwärme damit besser halten.

Lose ineinander aufgestellt sorgten die Federn für wärmende Luftpolster, halfen ihm, eisige Nächte und kalte Tage heil zu überstehen.
Vernehmliches Magenknurren vertrieb ihn aus seinen Träumen. Hunger machte sich überdeutlich bemerkbar, war es doch längst an der Zeit, wie jeden Morgen, die Futterstelle aufzusuchen. Wenige, windstille Momente ausnutzend, hüpfte Noah aus seinem Nest. Wohlweislich Eichhörnchen und Meisen zugedachte Brotkrumen, teilweise auf dem nächtlichen Boden angefroren, bediente sich Noah ohne Rücksicht, war ihm doch sein eigener Magen näher als die anderen Geschöpfe des Augartens.

Der nahe gelegene Flakturm, dessen alte Aufgabe als Hochbunker im Kriege längst zu einer verfallenden Ruine mutierte und stattdessen nun ungezählten Generationen an Tauben als Unterkunft diente, warf seinen Schatten in Richtung der Futterstelle.
Einen Blick in dessen Richtung werfend, von seinem Platz aus die Futterstelle gut einsehend, hüpfte Noah von seinem Hauptast weg, über andere Äste hinüber, bis er sich auf den nahe gelegenen Baum zu schwingen vermochte.
Dabei stets auf andere Vögel achtend, schwebte Noah beinahe zu Boden und hüpfte dabei vorsichtig näher an die Futterquelle. Einzelne Brotkrumen schnappend, sich diese in den Schnabel stopfend, dachte er das erste Mal seit Tagen nicht mehr an Soar.

Sich aufs Sammeln konzentrierend, fand er es gar nicht so einfach, möglichst viel des guten Futters, aufzusammeln, mangelte es doch an ausreichend Platz im Schnabel.
So pfiff der Wind durch die halbgeöffnete Futterluke. Doch auch nur einen einzigen Brocken davon abzugeben kam ihm nicht in den Sinn. Schließlich war es sein Magen, der knurrte und sich erneut bemerkbar machte. Überdies erbeutete er sich die Nahrung ehrlich. Wenn die Meisen zu lange Zeit benötigten, war es ja nicht sein, sondern deren Problem.
Wie viele Augen ihn beobachteten, wie viele Seelen wünschten, er möge doch verschwinden, es interessierte Noah nicht im Geringsten. Erst, als er keine weiteren Brocken mehr aufzunehmen in der Lage war, begann er damit, beiseite zu hüpfen, einen Flecken suchend zum Verzehr.

Beständig die Futterquelle im Auge behaltend, kehrte er mehrmals zurück, immer wieder Brotkrumen und Erdnüsse aufsammelnd, bis nichts mehr zu sehen war. Wütende Blicke von Eichhörnchen und Meisen gekonnt ignorierend, kehrte er zurück in sein windgeschütztes Nest, hoch über dem nach wie vor gefrorenen Erdboden.

*****

Part 1:

Es würde ein Frosttag werden.

Über dem Wiener Augarten lag angenehme Ruhe. An heißen Tagen überrannt, voller Erholungssuchender, schlief nun das Leben, schien die Zeit stillzustehen.
Der neue Tag brach an, eingetaucht in Violett und Orange, bis sich zartes Blau den Weg über das Firmament brach.
Nicht mehr als eine Handvoll Menschen mit ihren Vierbeinern hatten sich bereits in diesen frühen Morgenstunden hierher verirrt. Dick eingemummelt, zumeist gestrickte Hauben tief hinab gezogen, wären die meisten von ihnen lieber im warmen Bett geblieben.
Nur zwei Welpen nutzten die Gunst der Stunde und tobten über die hauchdünne Schneeschicht, die Nebelschwaden aus ihrem Maul ignorierend. Wirbelten im Spiel Schneeflocken auf, spürten in ihrem Überschwang nicht, wie diese sachte auf ihre schwarzen, felligen Körper herab rieselten.

Klirrende Kälte hatte den alten, barocken Park, der sich über mehr als einen halben Quadratkilometer erstreckte, in ein Schneemärchen verwandelt. Morgenfrost hielt die letzten, dünnen Grashalme fest im Griff, wo sich einzelne Schneekristalle in ihrer Schönheit zeigten.

12 Antworten auf „Wenn die Krähe erzählt …

  1. Hallo! Ich finde Part 1 bisher recht gelungen. Bei Part 2 hatte ich das Gefühl, dass es ein bisschen holpert, was glaube ich vor allem an der Satzstruktur liegen könnte. Bei Beschreibungen der Umgebung wie Part 1 passt es ganz gut, dass die Sätze einige Nebensätze beinhalten und viel mit Partizipien gearbeitet wird, aber bei einer Reihe von Vorgängen wie bei Noahs Futtersuche finde ich es ein wenig störend. Das kann aber natürlich auch nur mein subjektives Empfinden sein. 🙂 Interessant finde ich auch, dass du beim überarbeiteten Part 2 weniger von Noahs Innenleben schilderst, mich würde durchaus der Grund dafür interessieren! Ich fand es nämlich eigentlich ganz spannend, dass du bei der ursprünglichen Version immer wieder seine Gedanken über seine Familie eingewebt hast. Hoffe, es hilft dir ein bisschen weiter, generell find ich, dass dir die Vogelperspektive (pun intended) gut gelingt!

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    1. Genau das meinte ich mit konstruktiver Kritik 🙂
      danke 🙂

      Noahs Innenleben wird einen wesentlichen Stellenwert bekommen, ebenso, wie es Soar (be)trifft – eine kurze Sequenz schreiben, habe ich bei mir jetzt gesehen, bedeutet auch, anders zu schreiben.

      wg. Nebensätzen und Partizipien – da kommt wohl meine Vorliebe für „Schachtelsätze“ beim Lesen durch, bin ziemlich geprägt von ellenlangen Sätzen älterer Literaturgattungen.
      Für deinen Hinweis bedanke ich mich und werde es für die letzte Überarbeitung (sprich vor Veröffentlichung) auch berücksichtigen.

      für deine lieben Wort – ein „Luftküsschen“ 🙂

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  2. Dein Text gefällt mir sehr gut, aber hast du keine Angst, dass dir jemand den Text abschaut. Das ist mir leider mal passiert, als ich anfing meine Buchkapitel online zu stellen. Lg

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    1. Natürlich hatte ich anfangs Bedenken deswegen. Alles Zugängliche kann jemanden locken, der kopiert oder die Dinge für seines ausgibt.
      Ganz frei von diesem Risiko ist leider niemand.

      Welchen Weg hast du gewählt?
      Ich speichere jeden Tag ab und kann somit jederzeit belegen, wessen Text als erstes war – praktisch wie eine Art Sicherheitskopie.
      Ist zwar nicht der Weisheit letzter Schluss, aber ein Anfang.

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      1. Ich fing an die Kapitel bei einer Website für Hobbyschreiberlinge zu posten. Ich habe zwar Kopien meiner Arbeit gemacht, aber keine Screenshots von der Seite, oder ähnliches. Als ich die Kopie entdeckte, gab es die Website nicht mehr. War eine recht junge Website, konnte sich aber irgendwie nicht lange halten.
        Seitdem poste ich nichts mehr öffentlich. Natürlich ist alles irgendwie irgendwo schon mal geschrieben worden, aber in dem Fall war es ziemlich dreist kopiert.

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      2. Dreistes Kopieren lässt sich leider kaum verhindern. Aber ich nehme mir eure Worte zu Herzen und werde schlichtweg auf Auszüge zurückfahren.

        Ein letztes Überarbeiten wird es ohnehin noch geben, ein Feinschliff sozusagen.

        Ich bin jedenfalls froh über eure Rückmeldungen, denn so (glaube ich), lässt sich eine gute Geschichte auch schreiben – ohne gleich jedem das Ende zu verraten 🙂

        Klingt bei dir aber, als wäre alles gut ausgegangen. Freut mich – ehrlich 🙂

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  3. Hallo. Mir gefällt es ganz gut, vor allem, dass du aus Sicht des Tieres schreibst. Die Partizipien im ersten Teil sind mir aufgefallen, das wiederholt sich zu oft. Die Stimmung ist wunderschön beschrieben.
    Die Sorge, dass sich jemand etwas kopieren könnte, hätte ich aber auch.
    LG, Susanne

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    1. dann hilft nur, dass ich nicht alles hier einschreibe – sondern bei „Auszügen“ bleibe …

      Geht klar, die Partizipien werden im Endeffekt bei der letzten Überarbeitung ausgedünnt 🙂

      Danke 🙂

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      1. Das würde ich auch so machen. Ich werde bei mir auch nur kurze Geschichten veröffentlichen.
        Die Partizipien an sich sind ja ok, nur halt zu viel hintereinander.
        LG und weiter viel Schreibspaß, Susanne

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      2. Mir ist konstruktive Kritik sehr wichtig – und genau das macht ihr 🙂

        Eine gute Geschichte sollte sich flüssig und schön lesen, nicht zu oft wiederholende Textpassagen beinhalten (außer es ist im Stil geplant).

        Eure Anregungen nehme ich definitiv ernst – sonst macht das Lesen doch keinen Spaß mehr.

        danke, dir auch 🙂

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