Karma … wie gehst du mit schlechten Kritiken um?

Als Schreiberling wirst du früher oder später an den Punkt kommen, wo jemand deinen Text verreißt.
Wer schreibt, vor allem unter seinem echten Namen, statt ein Pseudonym zu wählen, tritt damit an die Öffentlichkeit und gibt sich Kritik jeglicher Art preis.

Wo bereits konstruktive Kritik manchen »Schreiberkollegen« schwer fällt, wie gehen sie dann erst mit böse gemeinten Worten um?

Konstruktive Kritik ist eine feine Sache, wenn sie zugelassen wird. Nicht immer mögen die Anregungen angenehm sein, weil sie einem sagen »das oder jenes kannst du besser machen«. Sind die Worte schärfer gewählt, dann können diese brutaler ankommen, als sie gemeint sind.
Für konstruktive Kritik (und hier danke ich allen, die das bei mir tun) sollte jeder Schreibende offen sein – vor allem, wenn er oder sie erst am Anfang steht. Kein Meister fiel bislang vom Himmel und selbst Autoren wie Stephen King lernten ihre Lektionen auf die harte Weise.
Daran ist nichts Verwerfliches, sondern sollte im Gegenteil eher willkommen sein. Wer sich nicht verbessern will, bei dem ist es eher fraglich, ob nicht ein anderes Hobby für denjenigen besser geeignet wäre – oder sollte nur noch für seine Familie und Freunde schreiben, da dort die Chance höher ist „freundliche – aber mitunter wenig hilfreiche – Worte“ zu erlangen.

Wie sieht die Sache mit Kritik aus, die beleidigen soll, um des Aktes der Beleidigung selber willen?
Ein mir besonders nahestehender Autor (den ich seit mehr als 12 Jahren kenne), erhielt auf sein Buch hin bei Amazon einen Kommentar, der nicht das Werk, sondern ihn als Person angriff. Da er zu diesem Zeitpunkt selbständig ein eigenes Geschäft hatte, hätte dies unter Umständen seinen finanziellen Ruin bedeuten können. Daraufhin ließ er bei Amazon diese Kritik löschen.
Hier liegt der Fall klar – denn diese Art Kritik hat mit dem Buch nichts zu tun!

Anders sieht es aus, wenn die Kritik das Buch selber betrifft. Ich lese manchmal Kritiken bei Büchern, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, nicht immer sind diese Kritiken berechtigt – manchmal leider schon.
Jeder von uns hängt sein Herzblut in sein Werk und gibt vieles von sich um es später der Öffentlichkeit zu präsentieren. Miese Kritik fühlt sich für viele dann wie ein persönlicher Angriff an, anstatt zu hinterfragen, was der Kritisierende damit wirklich sagen will und ob sich für das nächste Werk nicht etwas daraus lernen ließe.

Ein paar Schreiberlinge ignorieren die miesesten Kommentare aus Prinzip heraus. Ich glaube, selbst aus derartigen Kritiken lässt sich lernen.

Manchmal ist die Frage, warum derjenige negativ kritisiert. Nicht immer ist das Buch per se schuld dran, manchmal ist derjenige in einer eigenen Sinnkrise.
Daher ist eine gute Möglichkeit mit diesen Dingen umzugehen, ihm alles Gute zu wünschen. Vielleicht hat er selber seine Träume längst verloren und lässt seine Wut und Frust an anderen damit aus.

Ich glaube, wer sich diese negativsten Kritiken übertrieben stark zu Herzen nimmt, tut sich selber nichts Gutes. Hier macht es mehr Sinn, demjenigen Schönes zu wünschen – beispielsweise, indem man ihm wünscht, er möge seine Träume zurückbekommen.

Wie gehst du mit einer derartigen Situation um?

23 Antworten auf „Karma … wie gehst du mit schlechten Kritiken um?

  1. Kritik ist immer irgendwo hart, denn man steckt viel Mühe in so ein Werk und wenn wir ehrlich sind auch unsere Persönlichkeit. Es hilft aber, über Kritik mal eine Nacht zu schlafen. Dann lässt sich einfach beurteilen: Ist die Kritik berechtigt? Will ich sie annehmen?

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  2. So, wie ein erhaltenes ehrliches Lob beinahe unvergessen bleibt, so wird es sicher auch mit der Sorte Kritik sein, die einfach nur böse ist. Ich vermute, dass so mancher Verfasser solche bösen Kritiken oder Verrisse nicht von sich geben würde, wenn er sie beim Adressaten persönlich mündlich anbringen müsste.

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    1. Das stimmt. Hinter der Tastatur fühlt sich manch einer stark, wo er direkt von Angesicht zu Angesicht eher zurückhaltend ist oder lieber gänzlich schweigt.

      Schade eigentlich, denn es gehört schon Mut dazu, jemanden direkt zu „kritisieren“ und das noch dazu mit hilfreichen Ideen und Tipps anstatt einfach nur drauflos zu schimpfen.

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  3. Das ist schon sehr relativ.
    Wenn ich merke, dass die Kritik konstruktiv ist, dann gehe ich gerne darauf ein. Ich finde solche Kritik so wichtig, weil es ja heute nur noch um sog. `likes´ geht. Und das ist so hohl wie langweilig!!!
    LG
    Jürgen aus Loy (PJP)

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    1. Ja natürlich ist es Frage der Relation.
      Steckt Konstruktives selbst in der negativsten Kritik ist es wert darüber nachzudenken.

      Besagt sie aber nur du als Autor oder dein Werk sind sch…e, das hilft nichts.

      Likes sind fürs Ego nicht zu unterschätzen, aber nicht alles, wenn am Werk gearbeitet wird.

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  4. Das hast du wirklich sehr gut in Worte gefasst.

    Als ich meine erste Kurzgeschichte Fertig hatte und sie meiner Frau und meinem Bruder zum lesen gegeben hatte, hat die Kritik, die ich von beiden erhalten hatte, in ein Loch getrieben. Ich habe mich so stark zurück gezogen und vollständig aufgehört Geschichten zu schreiben. Erst nach über einem Jahr (und einigen erfolgreichen Beiträgen) traute ich mich überhaupt wieder an eigenständigen Werken zu arbeiten.
    Kritik ist immer hart und da spielt es gar keine Rolle ob diese lieb gemeint ist, oder eben nicht.
    Das eigene Werk kritisiert zu kriegen, ist wie als Elternteil hören zu müssen wie unfähig und schlecht das eigene Kind sei.

    Ich bringe diesen Vergleich mit Absicht, da ich selbst Vater bin und mir daher oft durch Elternabende, Entwicklungsgesprächen usw. sagen lassen muss was und was nicht mit meinem Kind ist.
    Nach solchen Gesprächen, hat man durchaus das Bedürfnis dem gegenüber den Hals um zu drehen. Doch merkt man recht schnell das dieser Rat … diese Kritik, nur dem Wohle des Kindes dienen soll.

    Aus diesem Grund versuche ich auch Kritik an meinen Werken wie ein Entwicklungsgespräch zu sehen. Jeder Kommentar dient nur zur besseren Entwicklung des Werkes. Und sollte mal eine Kritik kommen die absolut bar jeden Inhalts ist und einzig und alleine gegen mich und nicht mein Werk gerichtet ist, so freue ich mich darüber, da der Verfasser dieser Kritik scheinbar nichts Kritik würdiges an meinem Werk gefunden hatte.

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    1. Großartig, dass du jetzt soweit bist 🙂

      Ja, solange Kritik „konstruktiv“ ist, steckt Hilfe drin. Hilfe, die einen selber weiterbringen kann, auch wenn es anfangs vielleicht nicht so aussieht.

      Egal wie miserabel die ersten Werke waren, alles hat seinen Zweck und sein Ziel dich vowärts zu bringen.

      Das mit dem Entwicklungsgespräch finde ich eine exzellente Beschreibung und treffende Wortwahl – genau DAS meinte ich.

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  5. Schlechte / kontraproduktive Kritik wird von mir sofort von meinen Blogs entfernt. Gute hingegen bleibt stehen und wird beantwortet. Produktive Kritik nutze ich für mich, denn es hilft, um besser zu werden oder bestimmt Dinge einfach aus einer anderen Sichtweise wahrnehmen zu können.

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  6. Kritik ist wichtiger als reine Zustimmung oder gar Beweihräucherung und wird von mir grundsätzlich begrüßt. Berechtigte Kritik hilft, als unberechtigt betrachtete wird zurückgewiesen und führt dabei manchmal zu spannenden, erhellenden Debatten. Gelöscht werden bei mir nur absurde Beleidigungen. Grundsätzlich wird jeder Kommentar auf meiner Seite selbstverständlich erst mal ohne Prüfung freigeschaltet.

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    1. Oh, das ist jetzt mal interessant. Die meisten denken in der ein oder anderen Weise über Kommentare nach.
      Welche Weg hast du gewählt um besser zu werden?

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      1. In wie fern besser? Meinst Du die Qualität des Schreibens? Da ist es mal besser, mal schlechter; so jedenfalls bewerte ich es. Bewerten es andere, so sieht es er eine so und der andere so; daher kann man sich nicht danach richten. Oder man schaut eben auf die facebook-likes und resultiert daraus, man sei gut und bei weiteren 10Likes dann besser geworden, ebenso verhält es sich mit den Besucherclickzahlen bei blogs.
        Oder meinst Du die Besserung an sich/Sich selbst? Da könnte man durchaus mal Kritikpunkte anderer annehmen. Diesbezügliche Besserungsvorschläge können gleichwohl auch Versuche Anderer, sein, sich den Kritisierten zurechtzubiegen oder andere unrechtmäßige Einmischungen. Aber das sind nun weite Offtopic-Felder.
        Was das Schreiben jedenfalls betrifft, will ich außer in der Grammatik gar nicht besser werden, sondern soll es möglichst mit dem stimmig sein, wie es in währender Betrachtung auf den erschriebenen Gegenstand in mir zugeht. Bei manchen klingt es stimmig wider, bei anderen nicht, aber darauf sollt man nicht allzu sehr achten, finde ich, weil dann ist es in einem selbst nicht mehr unbedingt stimmig.

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      2. Verstehe 🙂

        Bei meiner Antwort ging es vorrangig darum, zu erkennen, wo liegt Verbesserungspotential. Beispielsweise darauf zu achten, eine Passage mehr auszuschmücken oder mal Synonyme zu wählen statt der xten Wiederholung.

        Eine Kritik einfach nur ohne nachdenken hinzunehmen halte ich wohl auch für bedenklich, aber es spricht nichts dagegen einmal darüber nachzudenken. Ob sie dann übernommen wird oder nicht, liegt im Ermessen des Einzelnen selber.

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  7. „eine Passage mehr auszuschmücken oder mal Synonyme zu wählen“
    Ja, das stimmt. Du meinst also einzelne Schritte auf dem Weg während des Schreibens. Ja da stosse ich doch auch oft genug auf einiges, von dem ich finde, daß es zu verbessern wäre, doch wird dies oft nicht besser, zumindest selten lebendiger, sondern konstruierter. Aber das ist nicht schlimm, wenn nicht der ganze Text daraus besteht. Man arbeitet sich ja eigentlich durch unbewußte Aspekte im noch Ungeschriebenen vor. Aus diesem ergeben sich meist die „besten“ (stimmigsten, s.o.) Passagen – sie passieren wie von selbst, kennst Du sicherlich auch. Alle anderen Passagen sind für mich eigentlich nur Brücken oder (nötige) Umwege genau dahin.
    Danke übrigens, ist schön, mal ein wenig übers Schreiben zu schreiben.

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    1. Ja, genau die Schritte waren gemeint.
      Ich sehe selber beim Schreiben, wo ich noch nicht so gut bin, dass alles rund läuft. Gerade als „Anfänger beim Romaneschreiben“, ist Hilfe in dieser Version wertvoll und bringt zum Nachdenken.
      Manchmal entwickeln sich allein aus einzelnen Sätzen fast schon neue Figuren.

      ***Aus diesem ergeben sich meist die „besten“ (stimmigsten, s.o.) Passagen – sie passieren wie von selbst, kennst Du sicherlich auch. ***

      Oh ja, das kenne ich sogar sehr gut 🙂

      Hm – du bringst mich jetzt auf eine Idee in punkto des Blogs hier – muss ich aber noch in Ruhe ausarbeiten.

      Freut mich, wenn ich damit einen „kleinen“ Nerv getroffen habe.

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