Die Sache mit den Wünschen … The thing with the wishes…

Vor kurzem las ich einen Satz, der wunderbar auf die Entwicklung eines Charakters zutreffen kann:
„Um ihre Wünsche zu erfüllen, müssen sie oft das Gegenteil dessen erfahren, was sie haben wollen.“

Nimm deinen Charakter, an dem du gerade arbeitest und bastelst, den du am Entwickeln bist. Was ist mit dieser Figur?
Du wirst ihm/ihr/es Wünsche mitgegeben haben oder er/sie/es hat dir welche verraten.
Wie wir aber alle aus den Geschichten kennen, ist ein Roman langweilig, wenn der Charakter seinen Wunsch ganz leicht erfüllt bekommt. Dabei fehlt nämlich etwas – die Weiterentwicklung.
Natürlich kannst du ihm den Wunsch sofort erfüllen, aber kennst du die Geschichte vom „Wishmaster“? Ein Wunsch hat bei ihm IMMER einen Haken.
Das ist die eine Seite der Medaille.

Kennst du den Wunsch, kannst du dem Charakter viele Steine in den Weg legen. An Schwierigkeiten wird diese Figur richtig wachsen können. Aber weit mehr noch ist die Frage – wie bekommt der Charakter Profil, Ecken und Kanten, wenn er/sie/es erst etwas tun muss, das exakt dem Gegenteil seines Wunsches entspricht?
Nehmen wir hier wieder ein Beispiel, diesmal aus den Geschichten um den Wüstenplaneten Dune. Darin gibt es eine Figur, die unbedingt Schwertmeister werden will. Doch noch bevor das Training beginnt, heißt es erst einmal „Muscheln sammeln“. Im Grunde ist es auch eine Art Training, wenn auch in Geduld üben.

Leider klappt das nicht bei allen Wünschen, denn manches ist einfach zeitlich begrenzt. Wer beispielsweise Fluglotse werden will, der kann das in Österreich halt auch nur bis er 21 ist, dann ist er/sie zu alt. Ausnahmen gibt es also durchaus.

Doch nimm einmal an, dein Charakter wünscht sich eine Farm irgendwo im ländlichen Amerika. Wie so viele vor ihm, muss er dafür aber erst in die große Stadt um das nötige Kleingeld dafür zu verdienen, oder in den Krieg um für sein Land sein Leben zu riskieren.
Dann wiederum gibt es vielleicht den kleinen Jungen, der ein starker Ritter werden will, aber erst durch die Mühsal einer Bettlerbande reifen muss.

Merkst du, was der Satz bedeutet?
Wünsche, die der Charakter leichtfertig erfüllt bekommt, sind selten das Ergebnis wert. Aber, wenn er erst einmal etwas tun muss, das er gar nicht tun will, wie gut ist das Ergebnis dann?
Natürlich hat diese Sache auch einen kleinen Haken – was, wenn der Charakter dann auf seinen Wunsch pfeift und lieber darauf verzichtet, als sich weiter dem Gegenteil auszusetzen? Ist er dann zu schwach oder der Wunsch es nicht wert?

Wie siehst du das?

*****

Recently I read a sentence that can apply wonderfully to the development of a character:
„To fulfill their desires, they often have to experience the opposite of what they want.“

Take your character, the one you’re working on, the one you’re tinkering with, the one you’re developing. What about this character?
You will have given him/her wishes or he/she will have told you some.
But as we all know from the stories, a novel is boring if the character gets his wish easily fulfilled. Something is missing – the further development.
Of course, you can fulfill his wish immediately, but do you know the story of the „Wishmaster“? A wish ALWAYS has a catch with him.
That’s one side of the coin.

If you know the wish, you can put many stones in the way of the character. Difficulties will make this character grow. But even more is the question – how does the character get a profile, corners, and edges, if he/she has to do something first, which corresponds exactly to the opposite of his/her wish?
Let’s take another example here, this time from the stories around the desert planet Dune. There’s a character in it who wants to become a swordmaster at all costs. But even before the training begins, it’s time to „collect shells“. Basically, it is also a kind of training, even if it is patience training.

Unfortunately, this doesn’t work with all wishes, because some things are simply limited in time. If, for example, you want to become an air traffic controller, you can only do that in Austria until you are 21, then you are too old. So there are exceptions.

But suppose your character wants a farm somewhere in rural America. Like so many before him, he first has to go to the big city to earn the necessary change, or to the war to risk his life for his country.
Then again there may be the little boy who wants to become a strong knight but first has to mature through the hardships of a gang of beggars.

Do you notice what the sentence means?
Wishes that the character gets carelessly fulfilled are seldom worth the result. But if he has to do something he doesn’t want to do, how good is the result?
Of course, this thing has a little catch – what if the character then whistles at his wish and prefers to forego it rather than continue to expose himself to the opposite? Is he then too weak or the wish not worth it?

How do you see that?

12 Antworten auf „Die Sache mit den Wünschen … The thing with the wishes…

  1. Ich weiß nicht ob man einen Charakter formen kann. Oder besser umformen kann. Wird ein A…. loch von alleine ein solches oder muss er sich darum bemühen? Ich denke der Grund Charakter (Gene) ist vorgegeben. Man kann ihn nur mildern oder ausleben. So meine Ansicht.

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    1. Kein schlechter Ansatz … und guter Gedanke …

      Manches mag sicher in den Genen stecken, aber vieles wird auch allein durch die Umstände verursacht. Nimm allein die real existierenden Serials und deren Vergangenheit. Bei einigen war „das Böse“ bereits im Kleinkindalter vorhanden, bei anderen wiederum hat es sich erst entwickelt.

      Jene, die es als Grundcharakter haben mögen vielleicht nur ganz wenige sein – aber die haben es in sich. Frage ist nur, ob man/frau wirklich so einen Charakter (be)schreiben will …

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      1. Um Böse zu werden muss man Böses in sich tragen. Warum sonst gibt es Menschen die können Buchstäblich keiner Fliege etwas zu Leid tun und andere töten ohne mit der Wimper zu zucken. Das ist eine genetische Veranlagung aus der auch unser Charakter entsteht. Man kann keinem beibringen zu töten, der es nicht schon in sich trägt. Es ist wohl in Anlehnung unseres Ur-Instinkte und des Selbsterhaltungtriebes. Etwas zu viel und du kannst ein Mörder werden, etwas zu wenig und du kannst dich nirgends durchsetzen. Darum herrscht auch ständig Krieg zwischen den Menschen. Gewalt als Lebensinhalt Gesellschaftsfähig gemacht. Würde das nicht in den Genen liegen würde es nicht seit dem ersten Menschen so sein. Durch seine ganze Geschichte. Gewalt, Krieg, Hass und keinerlei Einsicht.

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      2. Jein.
        Grundsätzlich könnte jeder töten – und sei es auch „nur“ unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. Manche brauchen einen Grund, andere nicht …
        vielfach sind es die Umstände, die jemanden derart verändern …
        Lebensumstände, Gesellschaft und vieles mehr fördern natürlich den Keim, den wir von Anfang an in uns tragen. Es ist wohl eher eine Frage der Philosophie (und die Religionen nehmen sich dieser Frage auch ganz gern an), wie kommt jemand zu so einem Keim, von dem du sprichst? Ist es nun etwas, das dieses Wesen im letzten Leben falsch gemacht hat oder hat eine höhere Macht mit rein gespielt?

        Gedankenspielereien wie diese bringen einen Autor jedenfalls auf die interessantesten Ideen 😉

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  2. Als Autor habe ich doch alles in der Hand. Ich kann die Entwicklung meiner Figuren aktiv steuern. Viel wichtiger ist, dass man der Figur treu bleibt und daher sich von Anfang an Gedanken macht, was die Figur ausmacht, wie sie denkt und handelt. Alles andere ist nur ein Spiel….

    Gefällt 3 Personen

    1. Wie machst du das dann mit der Weiterentwicklung? Es gibt so viele Charaktere, die am Ende der Geschichte fast das Gegenteil ihres Anfangs sind. Besonders gut sichtbar ist es in der Serie Babylon 5 bei Londo und G´Kar.

      Welche Regeln nutzt du für dieses Spiel?

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  3. Ich glaube, gute Autoren haben von Anfang an eine gute Vorstellung davon , welche Entwicklung die Figuren nehmen sollen. Ich empfehle dabei vom Protagonisten und Antagonisten auszugehen und alles drum zu bauen. Natürlich gibt es diese Autorengenies, die das alles im Kopf vorbereiten, bevor sie mit dem Schreiben anfangen. Ich persönlich mache mir immer einen genauen Plan und schreibe mehrere Exposé, bis ich das Gefühl habe, es ist alles stimmig und ich werde den Hauptfiguren gerecht. Auch während des Schreibens überprüfe ich laufend, ob ich mich an meinen Plan halte. Man sollte auch den Mut haben, wieder an der falschen Abzweigung neu zu beginnen oder wenn man merkt, der Plan geht nicht auf, den Plan abzuändern. Oft schreibe ich sogenannte Apokryphen: Text, die mir helfen, die Figuren zu verstehen . Es entsteht dabei eine Mehrdimensionalität in der Abbildung, weil ich dann für mich den Hintergrund des Romantextes ausleuchten kann, ohne den Leser mit zusätzlichen Handlungssträngen zu langweilen. Aber das sind nur die wichtigsten Punkte.Es ist wie beim Film: man bekommt als Zuschauer nur das Endprodukt zu sehen, aber dahinter stecken viele kreative Prozesse, die zum Endergebnis beitragen.

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    1. Du fasst einen Weg sehr schön zusammen – das muss ich dir echt lassen 🙂

      Ja, hinter einer guten Geschichte steckt sehr viel mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Viel Arbeit und Herzblut fließt hinein.

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      1. Bei mir ist halt der „Haken“, dass ich jetzt am ersten Roman arbeite – und von daher noch viel dazu lerne. Die schreiben sich anders, als Sachbücher.

        Gut formuliert jedenfalls.

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