Sind Worte immer so wie sie sind?

Nach meinem Beitrag von gestern erhielt ich einen Kommentar einer früheren Bekannten mit dem Vermerk „Du fandest uns also Sünde?

Auch eine mir sehr liebe Bloggerin brachte das Thema in anderer Version schon mal auf den Tisch, als sie meinte, dass Worte manchmal nicht verständlich sind, weil sie mal so, mal so aufgefasst werden. Manchmal fehlt uns schlichtweg der Zugang dazu, weil wir vielleicht an anderen Orten aufgewachsen sind und daher manche Dinge gar nicht kennen. So hatte ich das bis vor der Unterhaltung mit ihr nicht wirklich aufgefasst, aber sie brachte mich dadurch zum Nachdenken. Besuch sie doch mal, ihren Blog findest du hier.

Wo ich mit „Jugendsünde“ einfach nur eine frühere Zeit meinte, die einen prägte, verband sie das Wort Sünde mit etwas Schlechtem, weil wir das Wort so gewöhnt sind. Als „Sünde“ betrachte ich jene Tage nicht, hätte es diesen Club nicht gegeben, hätte ich so manche Erfahrung nie gemacht und so manchen Menschen niemals kennengelernt , darunter einen mir ganz besonderen Freund, dessen Kontakt ich nicht missen möchte, aber auch meinen Mann.

Alles hat zwei (oder mehr Seiten), nehmen wir eine Münze als Beispiel – hat sie zwei oder mehr Seiten?

Mit Worten ist es ebenso, du kannst ein Wort sehen, wie du es gewohnt bist oder du siehst dahinter und überlegst dir, was könnte noch damit gemeint sein? Ist es wirklich „nur“ gut oder schlecht oder vielleicht doch grau?

Nehmen wir einfach schlichtweg ein paar Beispiele, sind die Worte per se gut oder schlecht? Was verbinden wir damit? Wie sehen wir diese Worte?
Nehmen wir ein altmodisches Wörterbuch zur Hand und schlagen es an x-beliebiger Seite auf. Greifen wir wahllos in die Bücher und tippen blind:

Rose, Mann, Schliff, zugrunde, rundum, möglichst, trocken, Satz, … und so kannst du weitermachen …

In den bisherigen Bänden der „Skaldenschule“ ermunterte ich dazu, die Begriffe kreativ zu nutzen, heute betrachten wir die Worte per se.
Sie sieh dir an und überlege, ob sie noch andere Bedeutungen haben könnten.

Wie meine ich das?
Betrachte das Wort „versuchen“. Was bedeutet es gemeinhin?
Heißt es für dich, mach es einfach so gut du kannst? Bedeutet es, tu einfach, es wird schon klappen?

Meine Muse fand vor langer Zeit sehr gute Worte dafür:
Vielleicht beinhaltet immer die Möglichkeit zu scheitern.
Er hat Recht, denn so hatte ich es bis dahin nicht gesehen.

Verrate mir doch deine Gedanken dazu.

12 Gedanken zu “Sind Worte immer so wie sie sind?

  1. Sie hat Recht. Worte können immer anders erklärt werden. Es kann auch zu Missverständnisse führen. Es kommt immer darauf an, wie man es sagt und wie der andere es versteht. Jugendsünde sieht jeder anders. Ich kann mich nicht an krasse Sachen erinnern. Einmal hat mich ein jüngeres Mädchen gebeten, ihr bei einen Typen zu helfen, der in meinen Alter war. Ich sprach mit ihn und er dachte ich wollte was von ihn. Er war nur ein Kumpel mehr nicht. Ist das eine Jugendsünde, wenn man jemanden helfen will. Welchen Zeitraum bezeichnet man es als Jugendsünde? Welches Alter? Jeder macht Fehler und Erfahrungen. Mit welchen Alter fängt es an und mit welchen Alter hört es auf, von Jugendsünde zu sprechen? Klare Richtlinie gibt es nicht und manche sagen es einfach nur so, ohne darüber nach zu denken.

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    1. Rhiannon

      das wäre jetzt fast schon ein eigenes Thema für sich …

      je älter wir werden umso eher sind die Dinge wohl fließender, mehr Erfahrungen und mehr Erkenntnisse, die sich zum jetzigen Ich summieren …

      Genau genommen war es gut, dass sie mir das so sagte. Klar, haben wir das dann entsprechend geklärt und gelöst – aber es kann einem manchmal schon mulmig werden, weil ich auch sehr schöne Sachen mit jener Zeit verbinde.

      Anderen helfen zu wollen – ist eine gute Sache. Wir sind als Mensch doch soziale Wesen und in uns allen steckt der ein oder andere Funke dieses Empfindens.

      Übrigens – gute Fragen deinerseits.

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    1. Rhiannon

      Die Frage ist dann auch, wo ist etwas „Sünde“ und wie definieren wir dieses Wort dann in seinen Abstufungen?

      Würden wir mit einem Geistlichen aus dem 30jährigen Krieg darüber diskutieren kämen sicher andere Ergebnisse dabei heraus als in unseren Tagen (als Beispiel).

      Es ist aber wert darüber nachzudenken.

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      1. Ich hab mal kurz drüber nachgedacht:
        Wir müssen das Wort Sünde nicht definieren, denn der Begriff „Sünde“ entspringt einem christlichen Strafkonzept. Der Begriff „Geistlicher“ ist ebenso Teil dieser tradierten religiösen Konzeption. Deshalb kann „Sünde“ sinnvoll nur auf Menschen angewendet werden, die Angst davor haben, sich durch ihre Handlungen von „Gott“ abzuwenden. (Im Hintergrund macht der „Teufel“ drohend seine Faxen.)

        Vor allem jedoch ist es ratsam, daß die „Geistlichen“ ihre vielen Sündenpickel nicht vor sich selbst und vor anderen zu verstecken versuchen.

        Mir selbst reicht es, intuitiv zu fühlen, was recht und was unrecht ist. Und der jeweilige Staat gibt den Rahmen mit Recht und Unrecht. Das allerdings ist (besonders in Ländern mit ausgeprägten Glaubensgemeinschaften) häufig recht biegsam.

        Die „Geistlichen“ zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges waren in aller Regel üble Fanatiker, mit denen man nur hätte reden können, wenn man auch einer (derselben Glaubensrichtung) gewesen wäre. Mit denen konnte man nicht „diskutieren“. So wie man heute etwa mit einem Woelki nicht diskutieren kann.

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      2. Rhiannon

        „Woelki“ musste ich jetzt doch glatt googeln.
        Es gab und wird wohl immer jemanden geben, mit dem nicht zu diskutieren ist, leider erübrigt sich in solchen Fällen jegliche Mühe, Diskussion mit Gedankenaustausch ist bei solchen Persönlichkeiten leider Fehlanzeige.

        Du definierst es interessant. Viele haben leider dieses „Bauchgefühl“ längst vergessen, intuitiv Recht bzw. Unrecht zu fühlen. Hierbei kommt es auch sehr darauf an, wie man/frau erzogen wurde – denn vieles kommt aus unserer eigenen Vergangenheit mit ihren Auf-und-Ab. Manchmal wäre es schön, ein Kind zu sein ohne (Vor)Urteile auf etwas hinzugehen und.

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  2. Der Begriff der Sünde ist leider verbraucht, missbraucht und verschlissen. Trotzdem gibt es eben Handlungen, die unheilsam sind, unethisch oder Boshaft. Aber mit einer Orientierung an strikten Geboten, wie in den Religionen, ist es nicht getan. Jeder muss sich darüber klar werden, welche folgen seine Handlungen haben und entsprechend entscheiden.- Ein Feld dauernder Achtsamkeit.

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