Beherrschst du die „Macht“ des Small-Talk?

Können wir kommunzieren ohne zu kommunzieren?

Definitiv NEIN!
Allein wenn wir „nur“ dastehen und uns bewegen, ist es auch eine Art von Kommunikation.

Wir sind soziale Wesen, genauso wie Tiere. Selbst bei Ameisen haben sie ausgetestet, wie Alleinsein sich auf sie auswirkt. Für viele ist es eine Katastrophe weniger Kontakte zu haben als früher, immerhin leben wir in „interessanten Zeiten“. Dann wiederum ist die Kehrseite bei jenen, die es befreiend empfinden, sich nicht im sozialen Small-Talk-Thema messen zu müssen und einfach ihrem Job nachgehen können. Wie jede Münze hat auch diese Zeit also zwei verschiedene Seiten (und sicher noch mehr).

Doch egal, wie wir sonst ticken, wir sind nach wie vor soziale Wesen und schätzen den Gedankenaustausch.

Beherrschst du „Small-Talk“?

Vielleicht sollte ich das bei einem Bewerbungsgespräch mal einfließen lassen, denn es ist eine meiner Schwächen. Ich bin kein Meister darin und tue mir schwer damit, einfach nur reden um des Redens willen. Wie geht es dir damit?

Mir bleibt ein Gespräch in Erinnerung, das ich erst kürzlich führte. Es ging dabei (nanona) um das Thema Impfungen und dann die direkte Frage an mich: „Du hast doch auch eine Meinung dazu – oder etwa nicht?“

Habe ich diese denn? Ja, ich bin informiert über die akutelle Situation und die Vor- und Nachteile diverser Impfstoffe, kenne die Verschwörungstheorien und vieles mehr – und halte mich bei solchen Themen lieber raus. Allzu leicht gerät es sonst in einen Streit, der in übler Laune für alle endet. Aber ist so ein Thema eigentlich noch Small-Talk?

Bei verschiedenen Themen sehe ich dann Parallelen zur Vergangenheit. Sei es, jemand sagt, „die Politiker gehören doch aufgehängt“ (dabei fällt mir die französische Revolution ein, die einen „haitianischen Napoleon“ zur Welt brachte, den Sklavenaufstand auslöste und schlussendlich damit Lincoln zu seinen Reden inspirierte und in Amerika wiederum einen weiteren Auslöser im Bürgerkrieg veranlasste) oder es fällt die Rede „wo bleiben die ganzen Impfstoffe“ (was bei mir wiederum die Geschichte der ersten Pockenimpfung in Erinnerung bringt, als Impfungen noch getestet wurden, weil keiner eine Ahnung hatte, ob das wirklich funktionieren könnte und wie die österr. Herrscher sie damals erzwangen).

Ticke ich wirklich so anders?

DAS ist mein Dilemma beim klassischen Small-Talk. Mir fallen so viele historische Anekdoten auch zum Thema Politik ein, aber den einfachen Small-Talk, damit hab ich so meine Problemchens. Mein Mann meinte dazu: „Wenn andere von Äpfeln reden, erzählst du von Birnen …“

Apropos Anekdote zum Thema Politik:
Die meisten Politiker ziehen Hunde als Haustiere vor. Katzenmenschen unter Politikern sind eher selten. Clinton glaube ich, mich erinnern zu können, hatte ja seinen „Mr. Socks“. Aber ansonsten? Fällt dir noch einer ein?
Da war noch einer: Lenin
Aber warum? Er hatte in seiner Zeit in Wien nämlich festgestellt, dass Hausbesorger mit Hunden ihren Mietern gerne nachspionierten, hatten sie Katzen, war es ihnen egal, was der Mieter tat. Darum zog Lenin im Endeffekt Katzen vor 😉

Da Politik ein heikles Thema ist:
ich bin parteilos 😉 – ich mag nur einfach solche Anekdoten 🙂

Wie geht es dir mit Small-Talk? Bist du Meister darin oder tust du dir auch schwer damit? Hast du einen Tip für jemanden wie mich, um sich aus solchen Situationen besser rauszuwinden?

15 Gedanken zu “Beherrschst du die „Macht“ des Small-Talk?

  1. Von Natur aus mit übler Schüchternheit im menschlichen, direkten Miteinander gesegnet, hatte ich früher große Probleme mit Small Talk. Eigentlich ist es keine Non-Kommunikation, sondern nur eine mit primär seichten Inhalten, um einander „auszuloten“. Ich wählte bei unumgänglichen Anlässen dann nur lächelnde Zustimmung, ernstes, interessiertes Nicken oder Ein-Satz-Statements neutraler Wertung. Das fällt kaum auf, denn immer anwesende Selbstdarsteller feiern sich derweil selber😲! Jedoch spricht in meinen Augen absolut nichts gegen kleine (thematisch passende) Anekdoten – toll, wenn Du so einen Fundus besitzt! Das lockert auf und zeigt, dass Du belesen und humorvoll bist.

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    1. Rhiannon

      ui – du bist aber lieb 🙂

      Das mit den Selbstdarstellern – so hab ich es noch nicht betrachtet bisher, aber es trifft es glaub ich ziemlich gut.
      Wenn du die nonverbale Kommunikaton meinst, reicht es dafür nicht aus, um andere zu beobachten, wie diese mit anderen reden?

      Extrovertierte Persönlichkeiten müssten dann Small-Talk eigentlich zur Perfektion beherrschen … aber manchmal stellt sich dann die Frage, ob ihnen dann nicht die Tiefe in der Unterhaltung fehlen mag?

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      1. Nonverbale Kommunikation ist die, die sich versteckt und in Körpersprache und Mimik stattfindet. Non-Kommunikation nenne ich die Sorte Gespräche, die nicht austauschender Natur sind, sondern einer irgendwas Belangloses erzählt und andere gedanklich „im Nebenraum“ sind. Small Talk ist gesellschaftlich irgendwo zwischen ausführlicher Begrüßung und unverfänglicher Kurzgespräche angesiedelt. Man hat die Wahl, sich zu beteiligen oder nur zuzuhören. Den Ton geben die Extrovertierten an. Man kommt um Small Talk nicht herum, aber ich liebe gemütliche „Quatschereien“ mit Gleichgesinnten, die tiefer gehen können, aber nicht müssen. (Als ich noch „unters Volk kam“, mochte ich auch kontroverse, sachliche und gehaltvolle Diskussionen. Geblieben ist ein gepflegtes Selbstgespräch 😅.)

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  2. Mir gefallen deine historischen Exkurse ausnehmend gut ! Ich würde sagen, dass solche Zusätze ein Erkennungszeichen von Small-talk-Hassern ist 🙂 Ich finde deinen blog gleich auf den ersten Blick interessant und abonniere mich einmal ….

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    1. Rhiannon

      Ui 🙂
      da freu ich mich aber Myriade 🙂 herzlich willkommen und vielleicht findest du den ein oder anderen Beitrag, der dich inspiriert …

      tihi – diese histoirschen Exkurse – die findest du hier immer mal wieder eingeflochten …

      Small-Talk-Hasser – das ist eine interessante Wortwahl – aber ja, solche Anekdoten stoßen nicht immer auf Interesse und irgendwann hört man/frau halt auch wieder damit auf und langweilt sich bei solchen Gesprächen halt weiter :-/

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  3. Hallo Rhiannon,
    mich strengt Smalltalk an, weswegen ich wohl lieber schreibe, wo ich meine Worte sorgfältiger wählen kann. Meiner Erfahrung nach ist der meiste Smalltalk einfach seicht und geht gar nicht so tief wie in deinem Beispiel – könnte eine Ausnahme in dieser Zeit sein. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass live niemandem auffällt, dass ich Smalltalk nicht leiden kann. Ich hab gelernt, nett zu lächeln, irgendwas zu erzählen und sogar meine Meinung zu äußern. An Konflikten bin ich aber nicht interessiert. Und nach solchen Veranstaltungen brauche ich eine Pause. Wenn ich sie vermeiden kann, nutze ich die Chance. Ich vernetze mich dann doch lieber online 🙂
    Ganz liebe Grüße, Tala

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    1. Rhiannon

      Wenn Worte durch die Luft fliegen, können sie nicht nur mit ihrer Brachialgewalt erschöpfen, sondern das Schwere dran ist manchmal auch, dass sie wie ein Energievampir die Kraft aus einem aussaugen.

      So wirkt der Small-Talk auf mich nämlich – wie ein Energievampir :-/

      Schweifst du in Gedanken auch so oft ab wie ich, wenn es um Small-Talk geht? Irgendwo bleibt der Gesprächspartner einem nicht wirklich im Gedächtnis – kommt mir zumindest vor. Wie siehst du das?

      LG

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      1. Also Energie zieht der Smalltalk bei mir auch extrem. Aber ich schweif nicht ab, sondern höre relativ aufmerksam zu. Das hat dann oft den Effekt, dass das Gespräch weggeht vom Smalltalk und die Leute mir ihr Herz ausschütten, selbst Wildfremde. Kann auch anstrengend werden. Meine Freunde ziehen mich dann auf, wenn ich wieder in so eine Situation geraten bin, aber ich weiß selbst gar nicht, wie es dazu gekommen ist 😉 Siehst du, so hat jeder seine Probleme mit der Konversation!
        LG

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      2. Naja, wobei ich damit nicht immer glücklich bin, wenn ich die begeisterten Redner, die mir dann aus den Höhen und vor allem Tiefen ihres Lebens erzählen, nicht mehr loswerde 😀 Aber introvertierten Leuten sagt man ja nach, dass sie lieber über tiefgründige Themen reden. Dahin musst du das Gespräch lenken…

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  4. Ich find Menschen interessant, die von Birnen reden, wenn es um Äpfel geht, weil sie neue Aspekte ins Gespräch bringen und die Kommunikation nicht einseitig werden lassen. Warum über Äpfel schwadronieren, wenn ich lieber Birnen esse? Du bist Individuum und ich würd dir raten, so zu bleiben wie du bist. Denn nur, wenn du bist wie du bist, bist du du selbst.

    Wenn Männer untereinander sind, wird entweder über Fußball oder über Autos geredet. Da komm ich mir auch immer wieder überflüssig vor, weil Fußball und Autos überhaupt nicht mein Ding sind. Da kann ich nix machen, da muss ich kucken zu 😉

    Wer sich für Literatur und Musik interessiert, der tickt meistens auch anders als die andern, kommt sich oft vor wie vom andern Stern. Das ist wohl auch ein Grund, warum wir Literatur und Musik lieben. Bücher etwa können die besten Freunde sein und wenn man Autoren gefunden hat, die einem die Seelenharfe zum Schwingen bringen, dann bleibt man lieber für sich. Ich hab schon Partys geflüchtet, weil ich die Oberflächlichkeiten nicht mehr ertragen konnte.

    Kennst du das auch

    Kennst du das auch, daß manchesmal
    Inmitten einer lauten Lust,
    Bei einem Fest, in einem frohen Saal,
    Du plötzlich schweigen und hinweggehn mußt?

    Dann legst du dich aufs Lager ohne Schlaf
    Wie Einer, den ein plötzlich Herzweh traf;
    Lust und Gelächter ist verstiebt wie Rauch,
    Du weinst, weinst ohne Halt – Kennst du das auch?

    Hermann Hesse

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