Endet die Zeit der Märchen oder fängt sie gerade erst an?

Wo sind sie nur die Superhelden des Lebens?

Dazu erst einmal die Frage an dich, siehst du dir gerne Comic oder Filme mit und um Superhelden an? Wenn ja, warum und was magst du an ihnen bzw. was fasziniert dich an den Superhelden?

Ob nun Marvel oder DC, ob Batman, Superman, Catwoman oder vielleicht gar Thor oder Dr. Strange, sind sie vielleicht die neuen Märchen, die die früheren wie Rotkäppchen oder Schneewittchen ersetzen?

In Band 5 meiner Buchreihe „Der Kuss der Skaldin“ findest du als eine der 365 Möglichkeiten beispielsweise, stell dir vor, du wärest ein Superheld – welche Superfähigkeit würdest du haben und warum? Was würdest du damit tun?
Ist doch ein ganz nettes Gedankenspiel 🙂

Wenn wir uns die alten Märchen in Erinnerung rufen, so steckt in ihnen meist ein Kern einer Lektion oder die Möglichkeit sich „zu entwickeln“ oder zu erkennen, was ohnehin schon da ist und mit etwas Glück etwas Besseres zu erreichen. Die meisten Superhelden hingegen kommen im Schnitt durch Zufall an ihre Fähigkeiten und wissen meist auch ganz schnell, wie sie damit umzugehen haben.

Vielleicht brauchen wir derzeit Figuren wie Wolverine oder Flash.

Doch was ist mit den alten Märchen wie „der Teufel mit den 3 goldenen Haaren“ oder „Frau Holle“?

Nehmen wir einfach einmal die typischen, geschenkten Fähigkeiten:
Schnelligkeit – unter Missachtung der physikalischen Gesetze
Unsichtbarkeit – betrifft es auch die Kleidung oder „nur die Figur selbst“?
Superkraft – wo ist der Hebelpunkt? Denn auch die stärkste Figur braucht logischerweise einen Ansatzpunkt – was ist, wenn dieser fehlt?
Und was es nicht alles mehr gibt …

In den Märchen hast du beispielsweise häufig eine unsichtbare Welt neben der unseren, es ist das Eingreifen von höheren Mächten oder das Auftreten einer bestimmten Aufgabe, die zu lösen ist.

Gehen wir zurück in der Geschichte, kommen wir wiederum zu „Superhelden der Antike“ wie Herkules, der im Grunde beides vereint, indem er seine Gabe seiner Herkunft (seinem Vater) verdankt, aber auch Aufgaben bekommt, diese zu lösen.

Sowohl Märchen als auch Superhelden haben sicher beiderseits ihre Daseinsberechtigung, wobei es auch mal Spaß macht, die Unterschiede zwischen beiden Bereichen zu durchleuchten.

Gedankenspiele

Wäre es nicht einmal ein interessantes Gedankenexperiment eine Superheldenfigur in eine Märchenwelt zu versetzen oder einer Märchenfigur Superheldenfähigkeiten zu verpassen?

Welche Superheldenfigur würdest du nehmen und wohin versetzt du sie?

8 Gedanken zu “Endet die Zeit der Märchen oder fängt sie gerade erst an?

  1. Bezogen auf den Buchmarkt ist das klassische Märchen tot. Verlage wollen kleine Märchen mehr verlegen, auch das Kinderbuch liegt im Sterben. So sad! Aber Kultur ist ein atmender Organismus und wir bekommen, was wir bestellen!
    Im Gegensatz zu den subtilen, einst zu Erziehungszwecken auch für Erwachsene verfassten Märchen mit moralisch erhobenem Finger, leben Superheldengeschichten nur vom bombastischen Kontrast von Gut und Böse. (Manchmal brauche ich genau DAS!) Jeder Superheld hat seinen Antagonisten, der ebenfalls über enorme Kräfte verfügt. Doch Superschurken hatten/haben wir in der Realität zur Genüge – an menschlichen Gegenspielern mit der Superkraft „Menschlichkeit“ fehlt es zunehmend.
    Als Kind liebte ich Geschichten, in denen Unsichtbarkeit Stärke war (Mio, mein Mio), bis ich eines Tages bemerkte, dass ich es selbst längst war und der Zustand schwach macht. Danach wollte ich als Superkraft Menschen in ihrer Seele „berühren“, sei es mit Gesang, Malerei oder Geschichten. Dass dazu Talent vonnöten ist, über das ich nicht verfüge, wusste ich damals auch noch nicht.
    Bildung, Empathie und manchmal dezente seherische Fähigkeiten und ein wenig „bibbedi-bobbedi-boo“ würden mir heute reichen.🔮😀

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    1. Rhiannon

      Inwieweit macht Unsichtbarkeit schwach? Es wäre echt mal interessant über die Sache nachzudenken, wo der Haken einer jeweiligen Superkraft ist/wäre. Darüber denken nämlich kaum Personen nach. Ich schon – und du wohl auch, wenn ich mir deinen Kommentar so durchlese 🙂

      das „berühren der Seele“ – braucht es dafür wirklich Talent oder ist es nicht auch irgendwie erlernbar?

      eigentlich schreibst du im letzten Punkt von einer Art Empathie … DAS hat jeder von uns in sich, nur viele verbergen es leider viel zu gut. Was wirklich schade ist.

      zumindest seh ich anhand deines Kommentars, dass ich (wo ich doch in Richtung märchenafter Geschichten schreiben will) es bei klassischen Verlagen wohl gar nicht probieren brauche 🙂
      But – who cares? 😉
      Welche Genre denkst du, sind denn die starken der nächsten Zeit?

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  2. Wenn Menschen eines nicht wirklich wollen, so ist es Unsichtbarkeit, nehmen wir mal das Loch im Boden aus, in das jeder von uns schon mal in einer peinlichen Situation verschwinden wollte. Ich habe am meisten Respekt vor sichtbaren Exemplaren, die offen für ihre oder „die gute“ Sache einstehen. (Mit der schwächenden Unsichtbarkeit meine ich die, für andere tatsächlich Luft zu sein.)

    Empathie ist wie die Körpertemperatur, denke ich, jeder hat eine andere Gradzahl. Ich bin mir nicht sicher, ob man sie willentlich erhöhen kann.🌡 Du sagst, jeder von uns verfügt über Empathie, nur viele verbergen sie. Ich glaube eher, viele zeigen eine „erlerne“, unechte Empathie und verbergen ihre wahre Absicht gut.

    Verlage wüssten vermutlich selbst gerne, wohin der literarische Zug der Zukunft fährt – ihr Überleben hängt davon ab. Möglich, dass das Märchen auch wieder seine Zeit bekommt, wer weiß? Du solltest schreiben, was aus Dir heraus will! Wenn ich so durch Neuerscheinungen stöbere, fällt mir nur die Unmenge an Thrillern, Kriminalromanen (vor allem regionale Reihen) auf und eine Flut von Selbsthilfe-Büchern oder Ratgebern. High Fantasy, Märchen und Kinderbücher sind, wie ich den Agenturangaben entnehme, derzeit kaum gefragt.

    Ein „zeitgenössischer Roman“ und Urban Fantasy könnte ggf. Verlagsinteresse wecken – vielleicht kannst Du die Geschichten, die Du erzählen willst auf eine andere Weise erzählen? Aber niemand kann tatsächlich Prognosen abgeben, denn es spielen noch viel mehr Faktoren als das Genre eine Rolle, wenn man eine Verlagsverlegung anstrebt.

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    1. Rhiannon

      oh nein, ich habe mein Genre gefunden und dabei bleibe ich auch (vorerst) … denn was ich darin schreibe, schreib ich gerne, es fließt aus meiner Feder …

      Bei zb Sci-Fi – das krieg ich gar nicht gebacken 😉

      Letztens hab ich mir die Biography von J.K. Rowling angesehen, sie kam mit ihrem Kinderbuch in einen Verlag, der gar keine Kinderbücher sonst verlegte – und was aus Potter geworden ist, wissen wir ja alle 🙂

      Genre sind wohl wie die Mode … irgendwann kommen sie wieder – und wenn wir sie einfach lassen, dann wird auch der eigene Stil eines schönen Tages vielleicht modern sein 🙂

      Erlernte, unechte Empathie – darüber sollte ich mal nachdenken. ich geh einfach gern danach, was Kinder alles in den Start des Lebens mitbekommen, das durch Erziehung oft verschwindet. Vielleicht ist da noch die ursprüngliche Empathie – nur einfach sehr stark verschüttet?

      Du hast in einem Punkt recht – zu seinen Schwächen und Fehlern zu stehen ist heute eine Seltenheit. Ich kenne ein solches Exemplar, stark und in sich gefestigt – ich bin am besten Wege dahin 🙂 (glaube ich) … aber es ist ein harter Lernprozess – sehr hart mitunter – wenngleich er sich auch lohnt. Wer das kann ist nicht mehr so angreifbar, weil damit umgehen kann … Ironie – gell?

      Hm – du machst mich nachdenklich – einiges an Wahrheit in deinen Worten

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  3. Solange wir denken und schreiben zu können, wonach uns verlangt, sind wir frei! Viele träumen vom Leben als Verlagsautor – ich möchte diesen Druck, Jahr um Jahr einen Bestseller rauszuhauen, mich medial überall zum Affen zu machen, nicht geschenkt haben! Ich wollte eigentlich Kinderbücher schreiben, weil ich um deren Bedeutung weiß und weil sie mich selbst auf einen guten Weg brachten. Doch die Zeit bringt Veränderungen und nicht alle sind gut, nur weil sie neu sind. Ohne Kinderbücher wird die Superkraft der Kinder, ihre grenzenlose Fantasie, überrollt und verschüttet unter den ehrgeizigen Plänen oder der Gleichgültigkeit ihrer Eltern. Hält man Kindern heute wahlweise ein Spielekonsole oder ein Buch zur Auswahl hin, greift kaum noch eins nach dem Buch. Irgendwann werden wir die Rechnung bezahlen müssen.
    Also, liebe Rhiannon, schreib, schreib was immer Du möchtest (und sei es, für den letzten Empathen der Welt😉!).

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    1. Rhiannon

      ich fang gerade erst an 🙂

      Das mit der Wahl – ja, ich seh es selbst auch und es ist unendlich traurig. Natürlich bietet Internet und Smartphone wahnsinnig tolle Möglichkeiten, aber es nimmt auch vieles. Eines Tages vielleicht entscheidet der natürlich Prozess, dass Menschen von sich aus sagen – es reicht und die Zeit limitieren, aber noch ist es nicht soweit.

      Kinderbücher – die sind wichtig. Sag ruhig, du warst auch früher eine Leseratte 😉 ohne Bücher, wie langweilig wäre es gewesen.

      Schreib sie – mach es einfach und wenn es nur für dich ist – schreib sie!

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  4. Unsere Welt ist eine bedürfnisorientierte geworden. Nicht die der Grundbedürfnisse (die haben wir alle), sondern der nach schnellem, kulturellen Genuss, sofortiger Befriedigung unseres Geltungsdranges und anderer Süchte und nach oberflächlicher Unterhaltung und Ablenkung etc.. Auch wir hätten als Kinder den bunten Verführungen von Tablet und Co. kaum Widerstand geboten, hätte unser Umfeld das ermöglicht. Aus Kindern werden Erwachsene, von denen man später nur das erwarten kann, was alles Prägende (Eltern, Schule, Umfeld) in der Kinderzeit in ihnen verwurzeln konnte. 🌱——->🌳

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    1. Rhiannon

      da hast du recht …

      wenn Eltern schon nichts anderes vorgelebt bekommen, wie sollen sie es den eigenen Kindern gegenüber zeigen und lehren?
      In solchen Fällen wären die Großfamilien von einst sicher vernünftiger, da auch ältere Generationen noch Wissen vermitteln würden – im Gegensatz zu den durchschnittlichen Kernfamilien von heute.

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