Ist ein offener Bücherkasten dein bester Freund – kennst du die „Gehsteig-Bücherei“?

Ein offener Bücherkasten oder auch offener Bücherschrank ist der wahrgewordene Traum vieler Bibliophiler 🙂 gehörst du zu ihnen?

Nutzt du sie eigentlich?

Über lange Jahre hinweg wurden Telefonzellen immer seltener, gingen verloren und schienen beinahe schon Geschichte zu werden, bis irgendjemand auf die Idee kam, ihnen neues Leben einzuhauchen.

Die Grundidee ist wundervoll. Bücher können gratis weitergegeben werden, wenn wir sie nicht mehr brauchen. Bei meinem Umzug aus Wien stellte ich viele Bücher verteilt in diese Bücherkästen. Immerhin fand ich in den letzten Jahren auch immer wieder Gustostückerl. Das letzte Buch, das ich mir mitnahm, war beispielsweise „die Papstmacherin“ – nunja, jetzt weiß ich zumindest, was eine „Pornokratie“ ist. Eigentlich ist damit „nur Mätressenherrschaft gemeint und geht bis in die Zeit der Wikinger zurück. Wenn du dich für diese Themen interessierst oder begeistern kannst, lies das Buch, es zahlt sich aus.

Ich werde es demnächst wieder in einen offenen Bücherschrank zurückstellen 🙂

Tatsächlich verbergen sich manchmal wahre Schätze darin, von Kochbüchern, Kinderbüchern über allgemeine Literatur, bis hin zu historischen Werken ist nahezu alles zu finden.

In Wien findest du wirklich viele davon, sehr viele sind ehemalige Telefonzellen, aber beispielsweise im 2. Bezirk ist (oder wahr?) Ein Lokal, das sein Fensterbrett dafür nutzte (bring und nimm). Es gibt sie bei der Mariahilferstrasse, im 5. Bezirk, Schottengasse, beim Brunnenmarkt und an vielen anderen Flecken kannst du da schon fündig werden. Im Lauf der Jahre fand ich dann noch welche in Stockerau und anderen Orten, die zum „Speckgürtel von Wien“ zu rechnen sind.

Ist dir schon einmal in den Sinn gekommen, dass diese Gehsteig-Bücherei ein richtig kreatives Umfeld bietet? Nimm dir ein Buch, das du vielleicht nie kaufen würdest, und lies es. Vielleicht entdeckst du ein doch recht interessantes Genre für dich. Vielleicht findest du eine Visitenkarte in den Büchern, einst als Lesezeichen gedacht – oder eine Notiz von jemandem, der sich eine Brieffreundschaft wünscht.

In abgewandelter Form gibt es „versteckte Kästen“ schon sehr viel länger. Wer heute „geheime Botschaften“ mit unbekannt teilen möchte, bräuchte eigentlich nur ein Buch mit einer Notiz versehen, es in den Bücherkasten stellen und warten, bis der andere es entnimmt. Es wäre doch für „Kinderspiele“ ein ganz nettes Detektiv-Thema 😉
Früher gab es sie in abgewandelter Version, um beispielsweise Spione nie direkt miteinander zu konfrontieren. Dies wurde beispielsweise in der ehemaligen DDR genutzt, als die Mauer noch stand.
Gehen wir weiter zurück zu Winston Churchill, so nutzten seine „Spione“ diese ebenfalls gerne. Wie das aussah, kannst du dir in der Netflix Serie „Churchills Geheimagenten – Die Neuen“ ansehen.

Wie sahen solche Kästen dann aus?

Telefonzellen waren es wohl keine. Hier handelte es sich um Dinge, die auf den ersten Blick 100% mit dem Umfeld harmonierten. So konnte dies ein Stück ausgehöhltes Holz sein, eine Milchpackung neben einer Mülltonne oder etwas ganz anderes sein. Das Wichtigste daran war lediglich, es durfte nicht auffallen. Auf diesem Weg ließ sich Kontakt wahren und halten ohne, dass die beiden Korrespondierenden direkten Kontakt zueinander aufnehmen mussten. In heiklen Zeiten war dies eine recht gute Möglichkeit Informationen weiterzugeben. Es garantierte zwar keine 100%ige Sicherheit, ABER minimierte das Risiko.

Die offenen Bücherschränke von heute werden eines Tages auch nicht mehr gebraucht werden, aber derzeit sind sie eine wundervolle Idee um etwas weiterzugeben an Unbekannt. Wie würde es wohl einem Buch ergehen, wenn es aus seinem „Schlaf“ in einer alten Bibliothek geweckt werden würde, ausgemistet wird und in einem solchen Kasten käme? Stellen wir uns die Gedanken dieses Buches vor, wie es in seinem Inneren vor Aufregung scheppert, wenn sich die Tür öffnet. Würde es sich freuen, mitgenommen zu werden, oder wäre es eher verängstigt, weil es noch in seinem inneren Schlaf verweilen möchte? Wie würde es sich fühlen, wenn neue Hände es halten würden und darin blätterten? Manchmal ist eine Gedankenspielerei wie diese ausreichend, um ein paar neue Ideen für Geschichten zu haben 😉

Stellen wir uns einen solchen Bücherschrank vor, wo würde der stehen? Wo würdest du einen hinstellen? Stünde er vor einer Schule, um die Kinder zum Lesen zu animieren oder vielleicht doch in einer Wohnhausanlage? Etliche, die ich fand, standen an Straßenecken, wo Menschen vorbeigehen, ohne hinzusehen, aber vereinzelt sind immer wieder welche dort, öffnen die Tür und suchen nach den verborgenen Schätzen darin. Gehörst du dazu?

Wo hast du einen gefunden?
Erzähl doch mal, nutzt du sie?

10 Gedanken zu “Ist ein offener Bücherkasten dein bester Freund – kennst du die „Gehsteig-Bücherei“?

    1. Rhiannon

      das Traurigste, das passieren kann für Bücher ist, wenn sie nur noch in einer Ecke verstauben …

      gute Idee, so kommt nämlich auch Leben rein 🙂

      Gefällt mir

  1. Grundsätzlich sind diese Buchtauschschränke, Regale, Kisten etc. eine schöne Idee – ich selbst nutzte sie von Zeit zu Zeit und hatte auch mal einen Beitrag dazu geschrieben. Leider scheitert es in meiner ländlichen Region an Möglichkeiten. Es sind viel zu wenig Angebote, und diese werden so selten frequentiert, so dass nicht Neues hinzu kommt (außer meinen Büchern) oder wenn, und das ist das zweite Übel, dann echter Müll, also zerfledderte, unvollständige oder schimmelige Schwarten. Mein Impfschutz reicht zum Ausleihen nicht aus.😳

    Ich bin oft entsetzt, wie lieblos viele mit ihren Büchern umgehen. Für mich (vielleicht generations- und rentenbedingt) sind es noch immer Kostbarkeiten, nehme ich mal ‚Heftchen‘-Romane aus. Die Überflussgesellschaft lugt aus jedem dieser Tauschregale und der rasante Preisverfall neu erworbener Bücher singt ebenfalls ein traurige Melodie.

    Ich kaufe ausschließlich nur gebrauchte Bücher und habe mir kürzlich einen ebenfalls gebrauchten Kindle-eReader zugelegt, nachdem ich gesehen habe, wieviele wundervolle Klassiker ich darauf kostenlos speichern und lesen kann, da die Schutzrechte abgelaufen sind. Russische Literatur (um die hatte ich früher immer einen großen Bogen gemacht), Shelley, Dickens, Storm, Fontane, Fallada, Conrad, Wallace und viele, viele mehr habe ich in handlicher Form nun stets bei mir – da hab´ ich noch ein Weilchen zu lesen!

    Gefällt 2 Personen

    1. Rhiannon

      „Mein Impfschutz reicht zum Ausleihen nicht aus.“ – hui – also das kenn ich – drum hat es mich auch grad zum Lachen gebracht …
      bei manchen hast echt den Eindruck, sie würden einem nachlaufen, so bedauernswert sind sie schlussendlich im Zustand …

      Preisverfall … hm – das ist wohl wahr ….
      zu den teuersten Büchern, die ich je gekauft hab, gehört mein Wikinger-Kostüm-Buch und hat mich fast 60 Euronen gekostet – ABER es ist wirklich jeden Cent wert ….

      Was war dein teuerstes Buch, das du je erworben hast?

      die Klassiker – gelesen sollt man/frau sie schon mal auch haben 😉
      russische Literatur, die ist recht selten. Mir fallen adhoc eigentlich nur drei Sachen ein: Tolstojs Geschichten, das Buch „Wir“ und die Wächter-Reihe (Wächter der Nacht, Wächter des Tages, ….)

      hast du einen Favoriten?

      Gefällt 1 Person

      1. Das teuerste Neubuch, das ich je erstand, war 2015 die limitierte Ausgabe von „Das Schiff des Teseus“ von J.J. Abrams/Doug Dorst für 45€. Eine schöne, sehr aufwändig gearbeitete Ausgabe mit etlichen Inlays, die damals so gehypt wurde, dass ich es haben MUSSTE. Da mich die Story, trotz raffinierter Grundidee, aber nicht gepackt hat und es mir in der Aufmachung eher wie ein ‚Blendwerk‘ vorkam, habe ich es verlustlos weiterverkaufen können (heute ist es nur noch gebraucht für weit über 140€ zu haben).

        Das meiste Geld habe ich allerdings 2012 in eine gebrauchte (!) Luxusausgabe für 65€ im Schuber vom „Hobbit“ investiert, die auch noch besitze und behalten werde, obwohl sich die Reihen im Bücherregal lichten. (Das Buch träumt noch von der Gesellschaft der dazu passenden „Herr der Ringe“-Ausgabe.)

        Obwohl schon auf meinem Reader gespeichert, ziehe ich immer noch andere Bücher den großen Russen vor, weil Tolstoi, Dostojewski und Gogol den einstigen Telefon-Werbespruch der Deutschen Post „Fasse dich kurz“😅nicht beherzigten und ich noch nicht wälzerbereit bin. Nach der von Dir erwähnten „Wächter“-Reihe muss ich, ehrlich gestanden, erst mal googlen, weil ich sie nicht kenne.

        Gefällt 1 Person

      2. Rhiannon

        OMG ….“ich lieg fast am Boden vor Lachen!“ – Fasse dich kurz … die Verbindung ist unglaublich genialt! 🙂

        Damals bin ich auch eher zufällig über die „Wächer-Reihe“ gestolpert und hab dann aufgehört, weil mir das mit Merlin auf den Keks ging …

        Manche dicken Wälzer sind aber gut gelesen zu haben 🙂
        nicht alle, aber manche schon …

        Was die russische Literatur betrifft, so ist sie etwas eigen, vielleicht, weil sie etwas von der „russischen Seele“ in sich trägt?

        Gefällt 1 Person

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