Möchtest du so bleiben wie du bist?

„Ich will so bleiben, wie ich bin!“

Kennst du den Werbeslogan? Ich bin mir ziemlich sicher, dass du sogar die Melodie im Kopf haben könntest, wenn du diesen Satz hörst und du weißt vermutlich auch, welche zwei Worte sich da noch dranhängen, um die Werbung gut im Kopf zu platzieren.

Schau mal nach oben auf das Foto. Das war Maze am Tag, als wir sie bekamen. Herzallerliebste schwarze Miezekatze und jetzt ist sie eine richtige Katzenschönheit geworden, die auch schon mal am Fenster sitzt und den Schwalben über unserem Fenster nachgackert. Sie hat sich entwickelt und entdeckt ihre Fähigkeiten und Kräfte, die in ihr wohnen.

Denk wieder an die Werbung oben und was sie suggeriert.

Bleib wie du bist? Soll das wirklich gut sein?
Wieso erzählen dann so viele Geschichten von Weiterentwicklung und Fortschritten, wenn wir nur so bleiben sollen, wie wir gerade sind?
Jeden Tag, wenn wir aufstehen, sind wir anders als Abend zuvor, wo wir ins Bett gingen und uns in Morpheus Arme begaben.

Willst du so bleiben, wie du bist?

Was würde deine Figur sagen, wenn du sie danach fragen würdest? Hat sie einen Traum, den er/sie/es verfolgt? Vielleicht ist es aber so, dass sich diese Figur gerade wohl fühlt, wo er/sie/es gerade ist? Warum sollte eine Figur, die doch alles hat genau dieses „Alles“ aufgeben?

Nehmen wir dazu eine Figur, die in Wohlstand aufwächst und alles hat, was das Herz begehrt. Es gibt keinen Hunger und keine Langeweile, für gutes Essen ist gesorgt, für Unterhaltung und auch für die Liebe. Und doch gibt diese Figur alles auf – warum?
Wenn du in der Geschichte zurückgehst, so findest du (mindestens) eine Gestalt, die genau das tat. Die Gestalt, die ich meine, findest du namentlich am aktuellen Papst – oder lies nach dem „Hl. Franziskus“. Aufgewachsen in Wohlstand, es mangelte an nichts, ließ er doch alles zurück und widmete sich anderem.
Hätte ihm jemand gesagt „bleib so wie die bist“, hätte er diesen Rat befolgt?

Aus genau solchen Aspekten heraus, kannst du einen Figur in ein gewaltiges Abenteuer stürzen. Dies kann simpel mit einer Pilgerfahrt oder einer einfachen Rucksacktour anfangen oder es geht gleich in phantastische Welten. Vielleicht ist es auch eine Schleife, in der diese Figur gefangen bleibt, bis sie etwas gelernt hat?
Nimm eine Figur in einem ganz bestimmten Umfeld und versetz sie an das genaue Gegenteil. Die Frage hier ist, warum soll die Figur „freiwillig“ den Standort wechseln?

In vielen Fällen ist „Dekadenz“ und „Langeweile“ der Hintergrund. Wir haben alles gesehen und alles erlebt (kennst du Q aus Star Trek? In der Serie „Voyager“ wird genau das mit einem anderen unsterblichen Q thematisiert, der einfach nicht mehr will!). Genauso ist der Trend, der immer wieder kehrt, miste aus und kehre zu den Basics zurück. Wir brauchen doch all den Tand nicht wirklich – oder doch?

Entwicklung ist etwas, das wir draus machen und genau so kannst du eine Idee für eine Geschichte aufbauen. Nimm eine Figur, die einfach alles hat und sich keine Sorgen machen muss um das materielle Wohlergehen und doch spürt diese Figur etwas in sich, dass eine Veränderung nötig ist.

*) spirituelle Entwicklung (Kloster, Pilgerreise, …)
*) geistige Entwicklung (Forschungsreise, Mentor finden, …)
*) soziale Entwicklung (Missionar, …)

Das sind Beispiele, es gibt so vieles mehr. Manche Figuren suchen nach ihrem Seelenheil, manche nach einer Entfaltung oder Erfüllung, wieder andere spüren in sich den Drang aus anderen Gründen eine Entwicklung zu wählen. Am Ende ihrer Reise werden sie stärker und lachen vielleicht nur noch über das, was sie einmal waren.

Ich mag ja beispielsweise die Sache mit den Zeitschleifen. „Und täglich grüßt das Murmeltier“ ist einer meiner liebsten Filme dazu. Wenn eine Figur an einem Punkt ihres Lebens angekommen ist, wo er/sie/es einfach nichts mehr checkt oder die Entwicklung stagniert, er/sie/es ständig den Möglichkeiten ausweicht – wäre dann nicht eine Zeitschleife eine interessante Idee? Darin lässt sich so vieles austesten und lernen – es ist beinahe wie eine Welpenschlule. Was kann denn passieren? Die Figur lernt und begreift irgendwann, was ihm/ihr/es tatsächlich wichtig ist.

In jedem von uns schlummern Samenkörner der Entwicklung. Irgendwann sind sie reif und wollen gesät werden. Das sind im Kern jene Punkte, wo wir erkennen, es ist an der Zeit unser Leben zu verändern. Warum also nicht einen solchen Punkt in eine der Figuren einbinden? Lediglich die Frage „WAS ist zu lernen“ gehört beantwortet und die Figur quasi ins kalte Wasser gestoßen.

Magst du Geschichten, in denen Figuren einen Mentor haben, der ihnen hilft? Da wäre ZB Luke und Meister Yoda (die Szene im Sumpf ist einfach nur köstlich). Stell der Figur einen Mentor beiseite, der ihn/sie/es bei schwierigen Punkten anleitet und weiterhilft – ABER ihm/ihr/es niemals die Suche nach der Antwort gänzlich abnimmt.

Hier bieten sich einfach ältere Figuren und Charaktere an. Das mag eine alte Frau sein, die ihr Wissen an die Enkel weitergibt, ein alter Kampfsportlehrer oder vielleicht ein Wesen wie die „uralter Morla“ aus der unendlichen Geschichte. Vielleicht ist es auch ein Teenager, der Zugriff auf frühere Leben oder Ähnliches hat?

Sieh dich im Internet um, such gezielt nach „Coach“ und sieh dir das durchschnittliche Alter an. Wem würdest du eher zutrauen Wissen „geben“ zu können? Jemandem, der über mehrere Jahre Erfahrung verfügt oder jemanden, der mit 18 schon als Coach von sich spricht? Auch junge Menschen können über sehr viel gutes Wissen verfügen – hier kommt es aber auch sehr drauf an, WAS er/sie lehren will 🙂

Ein Mentor ist einfach jemand, der/die einem/einer anderen hilft, sich weiter zu entwickeln. Vielleicht ist es auch eine Muse, die inspiriert oder schlichtweg jemand, der einen zum Kotzen bringt vor Abscheu als Vorbild.

„Willst du so bleiben, wie du bist?“ Oder willst du dich weiterentwickeln?

Nicht jeder Mentor ist gut für deine Figur, es ist auch wichtig, die richtige Ergänzung zu haben.

Somit ist ein recht gutes Gespann ein Wesen, das aus irgend einem Grund erkennt, der Status Quo stimmt einfach nicht mehr in Kombination mit einem Wesen, das dem ersteren hilft, sich zu entwickeln.

Nehmen wir dich selbst als Beispiel. Du stehst an irgendeinem Punkt deines Lebens und erahnst vielleicht einen Punkt, wo du dich entwickeln willst. Du spürst es in dir und vielleicht merkst du auch, du brauchst Unterstützung und Hilfe. Sieh dich in deinem Umfeld um und überleg dir, wer für dich dafür als „Mentor“ in Frage käme, weite die „Suche“ aus und sieh dich weiter um. Vielleicht ist es ein Coach, den du dafür bezahlst, vielleicht ist es die alte Frau am Nachbargrundstück, die zwar mürrisch ist, aber nur, weil sie sich alleine fühlt. Ein Mentor hat seinen eigenen Grund, warum er/sie hilft und häufig liegt es darin, weil er/sie/es Wissen weitergeben möchte. Sieh dir die Filme an und wie oft ein Mentor von seinem künftigen Schüler erst aufgefordert werden muss, um überhaupt den Schüler als solchen anzunehmen.

Wenn du einen „Mentor“ gefunden hast, dann kannst du dich in deine Figur umso besser hineinversetzen. Die Suche nach einem Mentor ist mitunter schwieriger als das spätere Lernen. Dann bleibt die Frage, nimmt der Schüler die Lektionen auch an?

Viele Lektionen des Mentors mögen auf den ersten Blick unverständlich sein, und doch sind sie wichtig für das Spätere. Die Frage ist, begreift der Schüler das auch? Oder hat er einen Mentor, der vor allem rausfinden will, wie weit der Schüler blind folgt?

Es ist ein Zusammenspiel zweier Charaktere, die du zu einer interessanten Charakterstudie in Romanform gestalten kannst.

Wo sind deine Figur und dessen/deren Mentor zu finden? In welches Umfeld setzt du sie und was kannst du damit deinen Lesern als „Lerneffekt“ mitgeben?

*****

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4 Gedanken zu “Möchtest du so bleiben wie du bist?

  1. Wieder einmal kommt ‚der goldene Mittelweg‘ zum Tragen. Natürlich darf man sich nicht verbiegen, eine gegensätzliche Persönlichkeit anstreben, ein Ideal nachäffen oder falschen Vorbildern nachjagen oder sich selbst verleugnen. Dabei kann nichts Gutes entstehen.

    AAAAber: Ich habe ein Problem mit Menschen, die alle Ihre Fehler und Marotten lapidar abschmettern mit: „So bin ich nun mal, ihr müsst mich eben nehmen, wie ich bin!“ Das hieße übersetzt entweder „Ich habe keine Fehler“ oder „Ich mag Fehler haben, aber mir ist´s egal, ob andere darunter leiden“. Beides nicht sehr schmeichelhaft, denke ich! In meinen Ohren klingt das eher wie: „Wenn du ein Problem mit mir hast, musst du an dir arbeiten!“

    Menschen, die permanent suggerieren, sie seien perfekt, so wie sie sind, nur alle anderen nicht, fehlt es an gesunder Selbstkritik und wenn diese fehlt, fehlt auch die Bereitschaft an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. Etwas, das nach meiner Ansicht jedoch unsere Spezies ausmachen sollte. Narzissmus, Egoismus oder Egozentrik sind sozial inkompatibel. Als Figur, als Charakter dienen sie in Erzählungen nur als Randantagonisten, weil sie keine Entwicklung zeigen, nicht lernfähig und meist fad und unbeliebt sind. Alle Menschen haben Charakterschwächen oder Fehler, aber nur die sind wirklich interessant, die bereit zur lebenslangen (!) Entwicklung sind. Ist dieser Wille für andere erkennbar vorhanden, macht aus anfänglicher Schwäche eine liebenswerte Stärke.

    Starke Mentoren machen in Erzählungen oft Sinn, in der Realität (nehmen wir man ‚Profis‘, wie Lehrer oder Psychologen etc. aus) kommen sie eher selten vor. Eine intensive Freundschaft oder Beziehung kann ebenso ‚befruchtend‘ wirken (Oje, hoffentlich versteht man mich jetzt richtig 😂!)

    Gefällt 2 Personen

    1. Rhiannon

      😂
      Ach wieso denn? Manchmal sind doch Doppeldeutigkeiten auch ne ganz feine Sache 😉

      Mentoren müssen wirklich nicht immer „Profis“ sein, manchmal sind es einfach nur sehr gute Freunde, die es nicht einmal erkennen, dass sie gute Mentoren sind. Wer solch ein Juwel an seiner Seite hat, der darf sich wahrlich glücklich schätzen. Vielleicht ist dieser Mentor dann ja auch gleich die Muse – warum denn auch nicht.

      Womit wir wieder beim „befruchtend“ wären – gelle? 😂 😂

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  2. Der Werbeschlogan kenne ich.
    Man will so bleiben, wie man ist.
    Jetzt in der Krise merkt man, dass es manchmal nicht funktioniert. Wenn man so bleibt wie man ist, kann man sich nicht weiter entwickeln. Wir mussten vieles zurück stecken, haben aber auch viel Neues erfahren. Sachen, die vor der Krise nicht gab, aber auch etwas gutes war.

    Gefällt 1 Person

    1. Rhiannon

      Haben wir dabei nicht auch erkannt, was einem wirklich wichtig ist?
      Ich dachte anfangs vielleicht ein wenig zu positiv von der Menschheit, im Sinne von – wir denken nach. Hab mich etwas geirrt …. ABER in vielen sind erste Gedanken am Werden und vielleicht entwickelt sich ja daraus jener Segen, den unsere Welt wirklich braucht.

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