Wie siehst du deine „Aufgabe“ als Schreiberling?

Hast du dir schon einmal überlegt, dass wir Schreiberlinge auch eine „Aufgabe“ in uns tragen?

Wie viele Bücher und Geschichten hast du in deinem Leben bisher gelesen? Kannst du dich daran erinnern und sie zählen oder bräuchtest du bereits eine Lagerhalle, um sie alle unterzubringen?
Ach wie herrlich ist es doch, jetzt diese E-Books zu haben, die doch kein Gewicht haben – ABER die dennoch alles mit sich tragen, das wir je lesen könnten. ABER es fehlt doch das Gewicht und der Geruch des Papieres … kannst du den Geruch eines alten Buches in die Nase ziehen und dich daran erinnern?

Wenn wir schreiben, verändern wir Welten, wir können alte Texte nehmen und sie für das Heute adaptieren, dafür eignen sich insbesondere Märchen sehr gut. Sie sind die „Urgeschichten“, die wir alle in uns tragen, Drachen, Ritter und verborgene Schätze und so vieles mehr. Manchmal lohnt es sich wirklich, die alten Märchenbücher wieder hervorzuholen.

Jede Zeit birgt ihre eigenen Märchen und Legenden, heute sind es die „Urban Legends“, die du mit Sicherheit kennen wirst – ein Ausdruck unserer modernen Zeit. Doch vergessen wir dabei nicht die alten Klassiker!

Nehmen wir als eines der bekanntesten Märchen „Rotkäppchen“. Du kennst mit Sicherheit die ein oder andere Version davon. Welches Kind hat damit KEINEN Kontakt bisher gehabt? Wie viele Varianten davon gibt es heute?
Nehmen wir die bekannteste, klassische von den Gebrüdern Grimm, kindgerecht aufbereitet und als „süße“ Geschichte verbreitet, wo der böse Wolf kein schönes Ende nimmt. (Kindgerecht einen Wolf zu „zerlegen“? Die Zeiten waren damals andere, vergessen wir das nicht, denn damals war ein Wolf mitunter wirklich noch eine Gefahr für Mensch und Tier.), gehen wir zurück, finden wir eine Geschichte, die diesem Rotkäppchen so ähnlich ist, aber definitiv für Erwachsene gedacht ist. Rohe Gewalt, in der Rotkäppchen schlussendlich ihre Jungfräulichkeit verloren hat, der Wolf eigentlich ein Lykantroph (also Werwesen) war und ihr noch so manch andere Misslichkeit zustieß – DAS war es, was die Grimms gründlich entschärften. Heute haben wir Filme, in denen Rotkäppchen auf Wolfsjagd geht und vieles mehr. Es ist die gleiche Grundgeschichte – ABER nicht mehr.

Die Welt verändert sich und doch bleibt sie gleich, sie dreht sich nur einfach weiter.

Wenn wir uns die Welt genauer betrachten und die Geschichte ansehen, ist es immer eine Art Kreislauf. Werden / Vergehen / Werden / Vergehen … und wieder von vorne.

Wir erinnern uns mit Schauder an Zeiten, wo Bücherverbrennungen Gang und Gäbe waren, und damit auch die Menschen zum Schweigen gebracht werden sollten. Viele sehen ähnliche Tendenzen auch heute wieder. In diesen Zeiten kämpften immer ganz besondere Menschen um das „freie Wort“ – die Helden ihrer Zeit.

Texte waren und sind mitunter auch heute noch sehr gefährlich. Heißt es nicht, die Feder sei mächtiger als das Schwert?

Wenn du je „1984“ gelesen hast, dann kennst du sicher auch Begriffe wie „Neusprech“ – betrachte ich mir die diversen Veränderungen der letzten Jahre, so kommt das schon sehr nahe. Natürlich unterliegt unsere Sprache beständigen Veränderungen, machen wir uns nichts vor. Erst kamen Worte aus dem Französischen oder Italienischen, vielleicht auch Lateinischen in den allgemeinen Gebrauch (Trottoir beispielsweise? 😉 ), später die ganzen Anglizismen und jetzt eben das Gendern. Wem es gefällt … Aufhalten lässt sich das alles ohnehin nicht, schade ist nur, dass vieles von einst heute längst nur noch jenen Begriff sind, die sich mit alten Texten beschäftigt haben, geschichtlich interessiert sind/waren oder die einfach noch mit älteren Personen viel Umgang haben.
Mach doch mal den Versuch und überlege, was diese Worte bedeuten könnten oder woher sie stammen könnten:

Achturteil, Anstandswauwau
Pappenheimer, Pelerine, Persilschein, Pyrrhussieg
Zeidlerei
Zehent
Rotzbrems
Lokus
Faland

Es gibt noch so viele andere Worte und Begriffe, kannst du alle ohne googeln erklären? Manchmal kommen sie einem bekannt vor, aber dann wieder – oha? Öhm …

Die Sprache verändert sich, wir bekommen Neues dazu und Altes verschwindet mitunter. Hier ist übrigens die Auflösung:

Achturteil – Verurteilter wird vogelfrei
Anstandswauwau – Anstandsdame zur Wahrung von Sitte
Pappenheimer – Kürassierregiment voller Mut und Entschlossenheit
Pelerine – kurzer Schulterumhang ähnlich einem Cape
Persilschein – Freibrief
Pyrrhussieg – zu teuer erkaufter Erfolg
Zeidlerei – Berufsstand zum Sammeln wilden Honigs
Zehent – der 10.te Teil für die Herrschaft
Rotzbremse – Schnurrbart
Lokus – Toilette
Faland – Verführer / Teufel

Doch was ist nun wirklich unsere „Aufgabe“ als Schreiberling?

Sind nicht wir es, die schreiben und Geschichten weitertragen, die aus dem Vergangenen schöpfen und damit das Morgen „erschaffen“? Ohne Schreiberlinge gäbe es keine Filme, keine Fernsehsendungen (wie seicht diese auch sein mögen). Wir sind es, die zum Nachdenken anregen können und genau das löste in so vielen Fällen die Bücherverbrennungen aus.

Gehen wir aber noch ein Stückchen weiter, so graben wir in der Vergangenheit – insbesondere jene, die historische Romane schreiben. (Wie viel Wahrheit darin ruhen mag variiert jedoch sehr stark!) Wir buddeln in Archiven und finden Anekdoten, formen Geschichten daraus und holen für Biographien Interviews ein.
Nimm als Beispiel die Serie „Band of Brothers“, wo sie die Veteranen zum Schluss tatsächlich interviewten und aufgrund derer Berichte sie die Serie drehten.
Für frühere historische Themen lassen sich Figuren nicht interviewen (wer könnte denn in die Vergangenheit reisen 😉 )

Es gibt großartige Schreiberlinge von historischen Romanen, darunter Ken Follet (die Säulen der Erde) und Bernard Cornwell (Uthret-Saga). Sie lassen Vergangenes lebendig werden – und haben damit die schwere Aufgabe die vergangenen Zeiten zumindest halbwegs authentisch zu schildern. Das wiederum bedeutet vielfach Recherchearbeit und ihnen hören wir doch meist viel lieber zu als einem Geschichtslehrer, der vorrangig Jahreszahlen abfragt.
Weißt du noch was 333 v.Chr. war? – ganz einfach „333, bei Issos große Keilerei“, die Eselsbrücke, dich damals lernte, aber mehr? Viel blieb da nicht hängen. (Allerdings hatte ich eine Lehrerin, die Geschichte gut erzählte und ich mochte das Thema immer schon, ABER es sind die Anekdoten, die hängenbleiben.
Und genau DAS ist unsere Aufgabe!

Jede vergangene Epoche birgt faszinierende Möglichkeiten. Wir brauchen uns nur eine Figur herauspicken und über sie erzählen – oder uns von einer vergangenen Gestalt inspirieren lassen. Ob das nun reale Figuren wie Hildegard von Bingen, Mata Hari oder Sokrates ist, oder eine erfundene Gestalt wie Uthret, Richard Sharp oder jemand ganz anderer – spielt das eine Rolle?

Die Vergangenheit ist UNSERE Leinwand, WIR lassen diese Zeiten wieder ersten!

WIR sind es, die mit unseren Geschichten Interesse wecken können und Zeiten verbinden. Oder wie ist deine Meinung dazu? Lass sie mich lesen 🙂

Möchtest du mir abseits des Blogs schreiben, kannst du das hier:
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17 Gedanken zu “Wie siehst du deine „Aufgabe“ als Schreiberling?

  1. Und weil wir auch eine Verantwortung für unsere Erzeugnisse haben (wie alle kreativen Menschen) ist es umso fürchterlicher zu beobachten, wie im Moment Literatur den Anforderungen des Marktes unterworfen wird und es oft nur darum geht, den Lesern zu gefallen (aber auch das ist nichts neues und betrifft nicht nur die Literatur). Aber es sollte uns immer daran erinnern, dass wir als Autoren nicht nur einen Markt bedienen, sondern mehr bewegen können.

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    1. Rhiannon

      JA! – Absolut ja!
      Es ist ein Teil unserer selbst gewählten Aufgabe – genau das zu tun.

      Allein wenn wir sehen, wie vieles aus der Sci-Fi Literatur inzwischen entwickelt wurde – wir haben „Macht“ – und weit mehr, als wir mitunter glauben. Wenn ich mir die Sache mit den Bücherverbrennungen so ansehe, erkennen das viele andere auch.

      Gar so schlecht ist es nicht, wenn ein Teil der Schreiberlinge die Masse mit 08/15 Texten beglückt – der andere Teil kümmert sich dafür um das „bewegen“ – und vielfach sind Schreiberlinge für beide Bereiche da.

      Vielleicht liegt auch darin begründet, dass viele ihre „Massen-Genre“ bevorzugen und wenige in Nischen schreiben.

      hm … das wäre eigentlich auch mal ein Thema …

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  2. Ich möchte einfach die Phantasie anregen. Bei mir ist es so, in meiner Phantasie stelle ich mir die Ereignisse oder die Personen im Kopf vor, die im Buch vor kommen, was ich lese. Das möchte ich auch vermitteln. Leider muss ich feststellen, das manche die Bücher gar nicht richtig lesen. Ich glaube, das Schicksal haben alle Schreiberlinge irgendwann mal.

    Gefällt 2 Personen

      1. Rhiannon

        Könnte das nicht mit den modernen Medien zusammenhängen?

        Zusammenhänges Lesen war in meiner Kindheit auch Thema in der Schule … wird das heute nicht mehr gelehrt?

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  3. Ich finde eher es wird im Moment stiller um das Schreiben und das finde ich schade. Gut finde ich aber liebe Rhiannon, dass du ungeachtet der momentanen Situation dein Blog im gleichen Stiel mit dem gleichen Enthusiasmus weiterführst. Danke dir🦋

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    1. Rhiannon

      Wir entwickeln uns weiter – zum Glück. So wie ich es mag, wenn du deine früheren Reisen schilderst (ein Hauch von Nostalgie).

      Eigentlich wäre jetzt die Zeit wo sich Blogger online so richtig entfalten könnten (Zeit ohne Reisen sind gegeben). Aber du hast recht, viele Reiseblogger zb sind nicht mehr da. Wie es mit anderen Blogs aussieht, fehlt mir ein wenig der Überblick.

      Ich gedenke meinen Blog tatsächlich so weiter zu führen, denn es wird immer jemanden geben, der Unterstützung braucht 🙂

      Danke, für deine lieben Worte – liebe Meerjungfrau 🙂

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  4. Irgendwann einmal sind ALLE Geschichten erzählt, denn wir sind vom Anbeginn des Erzählens am Feuer bis auf den heutigen Tag Menschen mit Stärken und Schwächen, Nöten und Sorgen geblieben, die sich schließlich nicht neu ‚erfinden‘ können. Aber WIE wir Geschichten erzählen, welche neuen Technologien und Erfindungen einfließen und vor allem DIE SPRACHE ist steter Veränderungen unterlegen. (Mein Lieblingsthema 😬.)

    In Rezensionen lese ich fast immer zuerst das Pro-Argument „… ließ sich flüssig lesen …“ oder „… konnte ich in einem Rutsch durchlesen …“. Haben wir tatsächlich unsere Sprache inzwischen auf den Aggregatzustand ‚flüssig‘ reduziert? Sollte Sprache nicht manchmal auch ‚fest‘ sein, so, dass man eine Weile kauen muss, um auf den Geschmack zu kommen? Oder gar gasförmig, damit wir Geschichten inhalieren können, damit die Wirkung noch mehr in die Tiefe geht? Welchen Wettbewerb tragen Leser/innen derzeit aus? „Hey, ich habe den Roman beim Duschen durchgelesen!“ „Ach was, so lange hast du gebraucht? Ich hatte ihn durch, während ich den Abfall in die Tonne brachte!“ Ist das die neue Qualitätsanforderung? Sollen wir Schreibenden diese Forderung ‚bedienen‘, Leser/innen abholen wo sie stehen oder sie besser (heraus-) fordern, mit dem Risiko überhaupt nicht gelesen zu werden?

    Neulich las ich von einer Jungautorin, sie hätte von ihren Testlesern ihr Manuskript zurückerhalten, in dem rudelweise ’normale‘ Wörter als unbekannt mit Fragezeichen gekennzeichnet waren und sie nicht weiß, ob sie sie alle austauschen soll. Ich denke, es ist ein Fehler, sich dem Mainstram zu unterwerfen, aber sicher auch eine Luxushaltung (viele Autoren müssen von ihren Werken leben). Hochliteratur stirbt, aber es muss doch zwischen Heftchenniveau und ihr Zwischentöne geben, oder was denkt Ihr? Sprachprobleme scheint es derzeit nur im Bereich der ‚political correctness‘ zu geben, obwohl ich gerade da glaube, dass es kein linguistisches Problem ist, sondern eines der Einstellung und Haltung, aber das ist ein anderes Thema.

    Vielleicht erreicht unsere Intelligenz eines Tages den Mars. Doch die Gebrauchsanleitungen für die Erstsiedler werden wahrscheinlich nur noch als Videotutorials oder als Comic-Manuals verstanden! 😂

    Gefällt 2 Personen

    1. Rhiannon

      Vor allem die Grundthemen wie Liebe, Verlust oder Mut sind in allen Generationen vertreten – ich sag mal nur die Heldengeschichten von Herkules bis zu Superman 🙂

      **
      Haben wir tatsächlich unsere Sprache inzwischen auf den Aggregatzustand ‚flüssig‘ reduziert?
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      Ehrlich? DAS ist mir noch gar nicht aufgefallen – aber bei genauer Betrachtung – geb ich dir damit recht. Natürlich ist auffällig, dass sich die Sprache verändert, mitunter einfacher wird. Viele alte Worte sind nur noch „Kuriosum“ ohne Wissen, was es bedeuten mag.

      Vielleicht ist es eine interessante Idee, eine Geschichte in zwei Versionen zu veröffentlichen – als einfachen Text, und dann ausgebaut zum richtigen Nachdenken. Wäre ja fast eine Herausforderung 🙂

      Wahrscheinlich liegt es daran, dass dank Technik viele einfach nur noch konsumieren, aber nicht mehr nachdenken wollen. (Don´t make me think! – heißt es nicht so?)
      Dann frage ich mich aber, warum Geschichten wie „der Wolkenatlas“ auch beliebt sind, denn einfache Kost ist das beileibe nicht.

      Ich könnte mir gut vorstellen, dass es Ala long zwei Richtungen geben wird – das einfache, schnell zu Lesende und das komplexe zum Nachdenken. Warum haben so viele Autoren neben ihrem Klarnamen auch ein Pseudonym? Sich dem Mainstream unterwerfen ist bis zu einem gewissen Grad sinnvoll – ABER im Endeffekt ist es keine gute Idee sich selbst in so einem Ausmaß zu verkaufen, dass nichts von dem geschrieben wird, das einem im Inneren wirklich bewegt. Solche Schreiberlinge sind austauschbar. Die wahren Herzen tragen sich selbst – und unterwerfen sich nur bedingt.

      Hast du mal den Film „Idiocracy“ gesehen? Wenn nein, nachholen, er fällt perfekt in deine Worte 😉

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      Vielleicht erreicht unsere Intelligenz eines Tages den Mars. Doch die Gebrauchsanleitungen für die Erstsiedler werden wahrscheinlich nur noch als Videotutorials oder als Comic-Manuals verstanden! 😂
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      Ach, das gibt es doch schon längst 😉 – guck dir mal die Bedienungsanleitungen mancher Sachen der US-Army an (Comic-Style) *G* – aber zumindest gut gemeint

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