Warum? Warum? Warum? öhm … gute Frage?

Was ist das Schönste an einem kleinen Kind?

Sicherlich werden hier insbesondere Eltern ihre ganz eigene Meinung vertreten. Da jedes Kind eine eigene Persönlichkeit ist, warum auch nicht?

Meiner Meinung nach ist das Schönste an jedem Kind die Neugierde und diese äußert sich in einem einzigen Wort: „Warum“?

Wenn du Kinder hast, wie oft bist du bei einer Frage dagestanden und hast keine Antwort gewusst? Das Warum dürfen wir niemals unterschätzen. 🙂

Ich sitze an derzeit an den Feinformulierungen der Fragen an die Selfpublisher, die mir das Interview geben (vielen Dank dafür) und sehe dabei, wie viele „Warum“ Fragen eigentlich darin stecken – eigentlich erstaunlich und vielleicht auch etwas erschreckend.

Warum …
Warum …
Warum …

Es sind im Grunde genommen die „Warum“ Fragen, die wir als Schreiberlinge auch nutzen können und ja – auch sollen. Figuren entwickeln sich im Laufe einer Story, werden reifer, älter und erfahrener. Sie lernen und nutzen dieses erworbene Wissen auch an (zumindest einen Teil davon). Vielleicht lernt die Figur zB Gebärdensprache und nutzt sie nur nie aus Mangel an Möglichkeiten oder etwas anderes?

Wenn wir eine Figur entwerfen (oder sich diese uns vorstellt), wissen wir anfangs nur wenig über ihn/sie/es. Vielleicht wissen wir, wie er/sie/es aussieht oder spricht. Manchmal scheint, als stünde er/sie/es im Raum und strahlt aus, was an Gedanken im Herzen ruhen. Mit der Zeit erfahren wir auch mehr über diese Figur und IMMER ist irgendwo ein Antrieb vorhanden.

Im WARUM liegt der Hintergrund für eine Handlung.

Somit brauchen wir für eine neue Figur nicht nur eine ungefähre er/sie/es-Version, sondern es macht auch Sinn einen Grund zu finden – ein warum? Nicht nur, die Figur selber betrifft es, sondern kann auch der Grund sein, warum er/sie/es sich in einer bestimmten Situation befindet.

Warum wurden Hänsel und Gretel in den Wald gebracht?
Warum ist Spock so ein logisches Wesen und dennoch in sich zerrissen?
Warum wollte Ragnar Lodbrok nach Westen?
Warum ritt Dschingis Khan mit seiner Horde nach Europa?
Warum hast du zu schreiben begonnen? 😉

Es ist so einfach, egal was passiert oder wohin eine Figur geht und woher er/sie/es kommt – es gibt IMMER ein Warum, auch wenn es im Moment nicht unbedingt klar ersichtlich sein mag.

Dieses Warum ist das Benzin, der Treibstoff, der Geschichte. Ein Warum kann vieles erklären aber auch viele neue Fragen aufwerfen. Lösen wir ein Warum, stecken hinter diesem weitere und wieder weitere.

Warum ist die Banane krumm?

Weißt du es, ohne zu googeln?
Bananen wachsen eigentlich parallel zum Erdboden, wobei das Sonnenlicht sie anzieht, wodurch sie sich nach oben krümmen.
Jedes Warum kannst du mit wenigen Worten erklären und genau hier kannst du deiner Figur eine mächtige „Waffe“ in die Hand geben – oder auch einen Schild.

Jede Figur steckt zu Beginn in einer Situation.

  • psychische Probleme
  • Lottogewinn verloren
  • nass im Regen stehend
  • im Knast sitzend
  • mit dem Enkel allein

Jede Figur hat einen Hintergrund, um etwas zu tun.

  • sucht nach den Eltern
  • sucht sich selbst
  • will sich entwickeln
  • hat etwas verloren

Jede Figur entscheidet – und sei es nur, sich nicht zu entscheiden.

  • einem anderen geholfen
  • jemanden verraten
  • Vermögen verschenkt
  • Beziehung eingegangen
  • Job gekündigt

Es gibt so vieles, das du als Schreiberling für ein Warum nutzen kannst – und genau hier sind Segen wie auch Fluch. Die Fülle ist großartig, aber auch schwierig, denn wie viel leichter ist eine Entscheidung zwischen drei Sachen oder 100.000enden?

Denk an dich selber, wie viele Entscheidungen du selbst im Leben schon getroffen hast. Ob dies die Wahl deiner Schule war oder der letzte Einkauf spielt hier keine Rolle, eifnach nur die Tatsache, du hast etwas entschieden. Warum hast du dich für das eine und gegen das andere entschieden?

Diese „Warum“ Frage geschieht oftmals unterbewusst, um uns als Mensch zu entlasten. Im Regelfall hat das mit den 08/15 Abläufen des täglichen Lebens zu tun. ABER dann gibt es Entscheidungen, die schwerer fallen und vielfach hinterfragt werden, um Hand-und-Fuß zu haben.

Betrachten wir die Welt draußen, so hängt alles zusammen.
Ob dies zu hohe Hitze ist, die für Überschwemmungen und Hagel sorgt oder die geringer werdenden Grünflächen, die für die Hitze mit Schuld tragen, ob es alte Relikte sind, die wir finden, und die uns vergangene Rätsel lösen halfen (Stein von Rosette) wodurch Vergessenes wieder ans Tageslicht kam – das Leben und die Welt in der wir sind, sind eins. Alles was getan wird, hat eine Auswirkung. Betrachte einen Stein, den du ins Wasser wirfst und die daraus entstehenden Wellen. Genau darin findest du den Punkt des „Warum“.

Das Warum ist der Stein, was daraus wird, sind die Wellen.

Vielleicht steht deine Figur vor einem Warum, das er/sie/es nicht beeinflussen kann, vielleicht hat er/sie/es dieses Warum selbst ausgelöst – das ist eine ganz andere Frage. ABER der Kernpunkt lautet: Gib deiner Geschichte mindestens EIN Warum und lass deine Figur mit diesem Punkt arbeiten. Ob dies jemand wie Fox Mulder ist, der an allem zweifelt oder jemand, wie Marie Curie, die etwas lösen wollte, spielt keine Rolle – das WARUM hingegen sehr wohl. Nehmen wir Figuren, die durchs Leben gleiten und denen einfach alles egal ist – für die spielt das warum wohl keine sonderliche Rolle, aber ihre Geschichten werden wohl auch nicht gelesen werden. Je klarer das Warum eine Story und eine Figur „dominiert“, umso eher sorgt die Geschichte auch für Interesse 😉

Hast du mal die Geschichte „Solos Reise“ gelesen? Eigentlich geht es um ein junges Katerchen, das immer auf den prophezeiten Retter wartet und nicht einmal mitbekommt, dass er dieser Retter selbst ist. Er stellt zwar die falsche Frage, aber das WARUM ist immer da. Warum tut er es? Weil er es kann und weil er die Notwendigkeit sieht. (Übrigens ist es ein wirklich entzückender Roman, den ich nur empfehlen kann.)

Das Warum ist immer da – nur ist es sinnvoll die richtigen Fragen zu stellen.

Du kennst sicher viele Autoren und ihre Werke (wenn auch nicht unbedingt persönlich). WARUM haben sich diese Autoren für genau ihr Genre entschieden?
Warum konzentriert sich Stephen King auf Horrorgeschichten?
Warum sind die Geschichten von Rosamunde Pilcher im romantischen Sektor?
Warum schrieb Ken Follet nach moderner Spionage historische Romane?
warum, warum, warum, …?

Meine Wahl für das Märchenhafte und das Tiergenre entfiel darauf, weil ich es selber gerne lese und mein Bauch irgendwann mal sagte – JA – das passt, nimm das und schreibe darin.
Meine Wahl für die Skaldenschule war, weil ich merkte, dass es so viele gibt, die ZB nicht mal wissen, wie sie anfangen sollen – die Skaldenschule ist dafür da, um zu helfen.

Das sind meine „Warum“.
Was sind deine Warum und was schreibst du, bzw. welche Genre bevorzugst du als Schreiberling?

*****

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6 Gedanken zu “Warum? Warum? Warum? öhm … gute Frage?

    1. Rhiannon

      ist eher die Frage, ob du derzeit an einem bestimmten Genre schreibst oder mixt …

      Alles ist doch auch nur eine Art „Momentaufnahme“ – in ein paar Tagen kann es schon wieder ganz anders sein.

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  1. 🎶 „Wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt bleibt dumm …“🎶, heißt es schon im Titelsong der Kindersendung ‚Sesamstraße‘! Die Frage nach dem Warum ist der Schlüssel zum Leben und beginnt mit der kindlichen Neugier. Nichts finde ich persönlich schlimmer, als sich an irgendeinem Punkt im Leben als ‚fertig‘ anzusehen. Wer nichts mehr wissen möchte, sich glaubt, nicht mehr weiterentwickeln zu müssen, ist tot.

    Bezogen auf den Schreibprozess eines fiktiven Stoffs, kann es hilfreich sein, die Abfolge Frage – Antwort umzukehren. Statt bei einem Thriller oder Krimi beispielsweise nach dem Warum (Motiv) für eine Tat zu fragen, könnte man nach unterschiedlichen Möglichkeiten recherchieren, um daraus ein glaubhaftes Motiv zu konstruieren. Also, die Antwort vor der Frage suchen, aber natürlich letztlich richtig herum schreiben.

    Sich Wissen anzueignen, das man noch nicht zur Lösung eines aktuellen Problems benötigt, ist generell bestimmt nicht schädlich!😉

    Gefällt 1 Person

    1. Rhiannon

      Gerade den ersten Absatz unterstreich ich dir absolut. Vielleicht war das mal im Mittelalter möglich, als das Wissen nur bestimmten Gruppen vorbehalten war … ABER das ist doch heute längst überholt …

      Wissen wir heute wirklich, was wir morgen brauchen?

      Sprich, du würdest damit einen „klassischen“ Krimi eher aus dieser Ecke herausholen und anders angehen?

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  2. Why am I passionate about Viking Age artefacts and the Viking Age? Part of it is, that artefacts of the Viking Age are so much more rare than, let’s say, artefacts from the Roman time or, later medieval time. But I cannot answer to the infatuation which triggered it. I would say: the ‚why‘ question cannot be answered always and.. if not answered, leaves the nessecary space for mystery which I think, so much is needed in our time. Embrace also the mystery of ’not knowing‘ or ’not knowing exactly‘.

    Why did I become a writer/blogger? Because I’m a stubborn, eloquent PITA who want enlighten the world in some way. Because it is needed as I think a lot of people are getting dumber and hollower mentally each decade we live further 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Rhiannon

      Artefakte sind ein Bindeglied zur Vergangenheit, das nur bedingt abstreitbar ist. Wir können damit Fragen lösen wie beispielsweise mit dem „Stein von Rosette“. So vieles haben wir verloren, Artefakte helfen wieder zurückzubekommen was verloren ging. Außerdem …. wer sagt nicht, dass es auch mit unseren eigenen, einstigen Leben zu tun hat und du einmal dort gelebt hast? 😉

      Hast du einmal den Film „Idiocracy“ gesehen? 😉

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