eine Reise durch Möglichkeiten – Teil 3

Stärke kann vieles sein, es muss nicht immer die körperliche Kraft dahinter sein, sondern weit häufiger geht es um mentale Kraft und Stärke.
Die „Einsamer-Wolf-Methode“ mag ihre Berechtigung haben – ABER wenn du innere Stärke als „um Hilfe bitten ohne fordern“ – oder Hilfe annehmen siehst, auch das ist Stärke. Es ist ein Zulassen, das wir einfach erst erlernen müssen.

Schritt 3 betrifft „Widerstand“.

*****

Widerstand

Was fällt dir zum Thema Widerstand ein?

Ist es mehr das Dagegenhalten gegen Etwas oder als Schutz zu verstehen?
Du kennst sicher das Märchen „Dornröschchen“, nach außen geschützt, nach innen verborgen – sind die Dornenbüsche somit Widerstand in welcher Version?

Rosemarie ist in ihrer Welt nicht sonderlich glücklich. Als Landkind aufgewachsen lebt sie des Jobs wegen in der Stadt und ist mit dem Leben dort heillos überfordert. Sie kennt und mag es beschaulich, Kraft, in der Natur zu tanken und mit den Nachbarn vielleicht auch mal grillen, gehörte für sie immer dazu. In der großen Stadt jedoch eckt sie mit ihrer Art immer wieder an und hat begonnen, sich einen Schutz im Inneren aufzubauen, der sie langsam aber sicher selbst zu ersticken droht. Am Land hatte sie Freunde, in der Stadt die Hektik und Ellenbogenmentalität, die sie ständig verletzt … als sie in die Stadt kam, war sie offen, wollte helfen und wurde ausgenutzt. Dadurch baute sie sich eine innere Schutzbarriere auf.

Erst als ein Mann in ihr Leben trat, der ihr klarmachte mit liebevollen Worten und Gesten, dass es so nicht gut war, weil ihre innere Flamme am Ersticken war – erkannte sie, sie musste weg, zurück aufs Land. Sie kündigte und ging – und die Dornenhecke in ihrem Inneren wurde zu süßen Hagebutten.
Erst jetzt begriff sie, wo sie hingehörte – und sah, wie auch andere litten. So dauerte es nicht lange, bis sie die Dinge in die Hand nahm und ihre eigene „Praxis“ eröffnete und die Hilfe weitergab, die sie selbst erhalten hatte.

Widerstand kann in den verschiedensten Weisen in Erscheinung treten – mal ist es Schutz, mal Trotz und dann wieder Torheit oder schlichtweg Blödheit.
Hast du dir einmal die schönen Brombeersträucher angesehen, an denen so viele Dornen stecken? Sie sind zum Schutz und damit als Widerstand und somit zum Überleben der Pflanze gedacht – ABER steckst du selber mitten in den Dornensträuchern können sie dich halten und fesseln.

  • Widerstand – Dornen zum Eigenschutz
  • Widerstand – Aufbegehren eines Kindes gegen die Eltern
  • Widerstand – Unverständnis gegen unlogische Vorgaben
  • Widerstand – Rebellion gegen Diktaturen
  • Widerstand – blinden Gehorsam verweigern

Vorteil und Nachteil

Widerstand entsteht meist, wenn das innere ich mit den äußeren Einflüssen nicht einverstanden ist. Wir leben, um uns zu entwickeln, wenn etwas gegen diese Entwicklung vorgeht, entstehen leicht Unverständnis, Arbeiten nach Vorschrift oder schlichtweg das völlige Verweigern von Kooperation.


Denken wir einmal an diejenigen, die in Diktaturen ihr Leben riskier(t)en, weil sie mit der aktuellen Situation nicht einverstanden sind/waren und etwas unternehmen wollten. Was ist mit denen, die die Bauernaufstände anführten, weil sie selber nichts mehr zu essen hatten, der Adel aber in Fülle schwelgte? Wie steht es um ein Kind, das sich gegen die Eltern auflehnt, weil es nicht versteht, warum es den widerlichen Spinat essen soll?


Widerstand kann im Äußeren wie im Inneren stattfinden – gern gesehen wird er selten, weil er das „herrschende System“ durchbricht – ABER sind es nicht nötige Veränderungen, die eine Welt vorwärtsbringt? Vielleicht sind es Erkenntnisse aus archäologischen Funden, die etwas erklären oder eine technische Errungenschaft, die das Aktuelle auf den Kopf stellt? Oder sind/waren es nicht immer wieder einzelne Personen, die eine „Revolution“ in Bewegung setzten? Hätte sich beispielsweise ohne Martin Luthers Entschlossenheit die Kirche so weiterentwickelt? Wäre ohne Columbus Amerika noch länger verborgen geblieben? Was war mit Rosa Parks, der es gereicht hat und die sich im „falschen Teil“ des Busses setzte?

Aspekt

Widerstand ist sinnvoll, um Schwachstellen aufzudecken – ABER er kann auch gebrochen werden. Widerstand mag aktiv zur Verteidigung oder passiv zum Schutz genutzt werden.


Ohne Widerstand hätte es viele Veränderungen nicht gegeben – ohne Widerstand könnten aber auch manche Dinge leichter umgesetzt werden.

Nützlich für Figuren und Geschichten:

Widerstand kann sich langsam formen oder wie ein Blitzschlag eintreten.

*) Aufbegehren gegen Ungerechtigkeiten.
*) Wunsch, dass etwas Bestimmtes bleiben möge.
*) Verzweiflung, weil durch Veränderung etwas verloren gehen kann/könnte.
*) Wunsch nach einer gravierenden Verbesserung.

Widerstand ist für den einen wichtig, für den anderen ein Störfaktor – die Frage ist nun, wie damit umgehen?

Deine Aufgabenstellung für diesen Schritt der Reise:

Was ist Stärke für deine Figur?
Welche Art Stärke hat sie bzw. welche soll sie erlangen und das fast schon Wichtigste daran – was tut deine Figur mit dieser Stärke? Wie setzt er/sie/es diese ein?

Welcher Art Widerstand könnte deine Figur begegnen oder in sich selbst entwickeln?
Was benötigt er/sie/es um dies zu erkennen und wie geht er/sie/es damit um für eine bessere Formung des eigenen Selbst?

4 Gedanken zu “eine Reise durch Möglichkeiten – Teil 3

  1. Hallo Rhiannon, wenn Du den Widerstand im Sinne Seines berühmten Landsmannes aus Wien meinst, dann ist er ein Hemmnis der Entwicklung. In der Psychoanalyse ist er eher negativ konnotiert. Aber eigentlich – also ohne Widerstand – würde man ja jedes Sonderangebot kaufen jeder Einladung folgen. Für die innere Entwicklung einer Figur ist es spannend zu sehen, gegen welche Erkenntnisse sie sich sträubt, was sie nicht sehen, nicht ertragen will.

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  2. Kraft, Stärke, Widerstand, Entwicklung, innere Zerrissenheit, Zwänge … so viele Optionen und Ansätze zur Figurenentwicklung. Meine persönliche Herangehensweise an meine fiktiven Figuren ist weit weniger ‚verkopft‘ und eher intuitiv. Im Ergebnis müssen die Charaktere Leser überzeugen, sie müssen glaubhaft, authentisch und nachvollziehbar handeln. Vor allem müssen Charaktere auch Charakter haben, etwas, was sie individuell ausmacht.

    Welcher Natur sächliche Widerstände sind, ergibt sich zumeist aus dem Kontext der Geschichte, die inneren müssen zur Figur ‚passen‘, denn ein Empath ist beispielsweise anders gestrickt als ein Psychopath oder Soziopath. Oft müssen Figuren auf ihrer Reise durch die Geschichte sogar einer Versuchung widerstehen (sexuelle Verführung, Alkohol, schlechte Angewohnheiten, Rituale …), um ihr Ziel zu erreichen.
    (@ Schreibrausch: Die Freud’sche Definition von Widerstand bezieht sich meines Wissens nur auf einen technischen Aspekt der Psychoanalyse – es ist die Verweigerung der Mithilfe des Klienten – und hat für die Figurenentwicklung keinerlei Bedeutung.)

    Idealerweise habe ich ein grobes Bild von einer Figur, basierend auf eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Gelegentlich muss ich jedoch auch recherchieren, ob eine von mir beabsichtigte Aktion zu dieser Persönlichkeitsstruktur passt (gilt insbesondere für sehr extreme Typen mit pathologischen Auffälligkeiten). Spannend bleibt, wie weit die Hauptpersonen sich durch den Plot schlussendlich verändert haben oder, manchmal ebenso interessant, womöglich überhaupt nicht.

    Meine „O, Weh’s“ 😲 : 1. Wer/Wo/Warum? 2. Wunsch/Wille 3. Wie? 4. Widerstand 5. Wandlung

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  3. Manchmal ist Widerstand wichtig, besonders wenn es um Ungerechtigkeiten geht. Würde man alles hinnehmen, dann würde man alles hinnehmen und die Freiheit wäre verschwunden. Man würde nur nach Plan gehen. Wollen wir das?
    Nein, garantiert nicht. Ich denke um seine eigene Stärke zu finden, muss man in den Widerstand gehen, um unsere Schwächen und Stärken zu finden.

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