trägt dich manchmal die Sehnsucht?

Kennst du das Gefühl einer Sehnsucht, die du nicht erklären kannst?

Gefühle, Emotionen und Sehnsüchte sind der „Kern“ von vielen, sehr vielen Geschichten – sei es der Wunsch nach Freiheit, etwas erreichen zu wollen oder vielleicht die Sehnsucht nach einer ganz bestimmten Person, der wir nahe sein wollen … Vielleicht sind diese Dinge genau das, was uns „lebendig“ sein lässt.

Du hast vielleicht schon mitbekommen, dass ich die Geschichte „der Wolkenatlas“ sehr mag – Seelen, die über Jahrhunderte hinweg miteinander verbunden sind und einander immer wieder treffen. Wiedergeburten – mögen somit eine Art „Kreislauf des Lebens“ darstellen.

Doch was wäre, wenn wir nun genau das als Ansatz für eine Geschichte nehmen würden? Nehmen wir einmal zwei Seelen, die irgendwann und aus irgend einem Grund einander sehr nahe waren. Sie lernten sich kennen, verbrachten vielleicht Zeit miteinander oder auch nur einen winzigen Moment – und dann verloren sie sich aus den Augen.
Dann sind da andere Leben, zwei Seelen, die einander das erste Mal sahen und sofort spürten, da war schon mal etwas. Dabei spielt es keine Rolle ob sensitiv oder nicht – sie wussten es einfach. Ich kenne es selbst, dass es in meinem Leben eine Seele gibt, von der ich überzeugt bin, dass genau diese Person schon in früheren Zeiten zumindest teilweise mein Begleiter war – ähnliches sagte mal meine Mutter über meinen Mann .. vielleicht verstehen sie sich auch deswegen so gut 🙂 und gibt es etwas Besseres, als wenn die Schwiegereltern sich mit dem Partner des eigenen Kindes gut verstehen und umgekehrt? 🙂

Diese Art Sehnsucht von der ich oben schreibe kann einfach sehr vieles sein, um eine Geschichte ins Rollen zu bringen, wäre es hier die Sehnsucht nach dieser einen, ganz besonderen Seele. Vielleicht liegt ja auch darin der Umstand begraben, dass wir oft die ganz besondere, einzigartige Liebe suchen oder spüren, dass wir vielleicht dem eigenen Geschlecht zugetan sind, weil es um die Liebe zu dieser Seele geht und nicht um den Körper, in dem diese Person steckt?

Das Gute am Schreiberling sein ist ja, dass wir uns über Dinge Gedanken machen, die anderen häufig schnurzpiepegal sind … und selbst das spielt eigentlich auch keine Rolle.

Stell dir heute zwei Personen vor, such dir Geschlecht, Alter und Herkunft aus und überlege dir, wer sie in früheren Zeiten gewesen sein könnten. Wo und wie haben sie sich kennengelernt? Magst du mir erzählen, wer sie einst waren und wie es dazu kam, dass sie sich im Heute kennenlernten? Oder vielleicht ist es auch nur einer der beiden, der spürt, dass da etwas ist, aber sich bedeckt hält, weil die Erinnerung zu schmerzhaft ist?

Was meinst du, wie würdest du diese Geschichte erzählen?

15 Gedanken zu “trägt dich manchmal die Sehnsucht?

  1. Obwohl ich es nicht nachempfinden kann, dass Seelen über die Zeiten hinweg miteinander verbunden sein sollen, da ich viel zu rational für esoterische Ansätze bin, habe ich diesen Gedanken in einem Roman von mir aufgegriffen und dabei festgestellt, dass man in der Psychologie ja durchaus das Thema der Verstrickung kennt, also Brüche und Ereignisse, die in einer vorherigen Generation nicht geklärt wurden und dadurch an die nächste Generation weiter gegeben werden. In der Literatur kann man diese zwei Konzepte wunderbar verknüpfen, denn ich gebe dir Recht, wir Schreiberlingen dürfen uns gerne Gedanken über Themen machen, die anderen schnurzpiepegal sind…so kommen interessante Mischungen zustande!!!

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    1. Rhiannon

      tihi …
      ohne diese Mischungen gäbe es vermutlich die Hälfte der ganzen Bücher, Romane und Texte gar nicht 😉

      „Verstrickungen“ …. so nennt man das?
      Das Beispiel, das mir dazu einfällt ist das Trauma des 30jährigen Krieges, der sich über lange Generationen in Mitteleuropa weitertrug.

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      1. Rhiannon

        „brauchen“ vielleicht nicht, sondern wie alles hat auch das Dilemma des 2. Weltkrieges Wurzeln in früheren Zeiten … der 30jährige Krieg ist eine dieser Wurzeln und hat nachfolgende Generationen im Denken mit-geprägt.

        Kennst du „Tante Linas Kriegsküche“ und „Tante Linas Nachkriegsküche“? Es sind zu dem Thema wunderbare Bücher, die vieles aufzeigen, wie es damals wirklich war.

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  2. Naja, diese Betonung der Sehnsucht entspricht dem Konzept der Romantiker. Novalis, Friedrich von Hardenberg, beginnt als Frühromantiker seinen „Heinrich von Oftendingen“, ein Fragment, das zum Programm der Romantiker wurde, mit der Sehnsucht. Wir lieben dagegen mehr den postmodernen Roman, der aus einer angenehmen Distanz geschriben ist und dabei zugleich sein Schreiben reflektiert.
    Ganz in deinem Sinne, betonte meine Agentin stets, dass ich mich damit beschäftigen solle, mit dem sich zuminest z.Zt. kein anderer beschäftigt.
    Mal ein Frage: Was verstehst du unter ‚Seele‘?
    Herzliche Grüße vom sonnigen Meer
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    1. Rhiannon

      die Frage ist echt gut … denn das Wort selbst versteht doch jeder auch ein wenig anders …

      für mich ist es eine Art Lebensfunke, der das eigentliche Selbst in sich birgt und trägt, das aber in jeder Inkarnation neue Erfahrungen sammelt und sich entwickelt. Ist eine Inkarnation vorbei, dann kann dieser Lebensfunke dieses Wissen mit sich nehmen und in der nächsten Runde darauf aufbauen. Darauf beruht für mich auch der Gedanke hinter dem Beitrag. Wäre es nicht schön zu wissen, dass wir geliebte Wesen irgendwann wieder treffen werden, wenn wir sie in diesem Leben vielleicht verloren haben?

      Aber ich maße mir nicht an zu sagen, dass es die allgemeine Definition ist bzw. sein muss.

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      1. hmkaufmann

        Der Reinkarnationstraum fußt oft in der Angst vor der Endlichkeit. Wir können nicht loslassen, denn das ist die schwerste Lektion unseres Lebens. Der Glaube, geliebte Menschen „im Himmel“ wiederzusehen, lässt uns unsere Trauer auf Erden erträglich werden, auch die, die wir verspüren, wenn es um unser eigenes Ende geht. Da das erhoffte Wiedersehen aber sicher kein selektives sein würde, begegnete unsere dahingeschiedene Seele jedoch auch all unseren einstigen Peinigern und Nichtgeliebten.😲 Gäbe es Seelenverwandte, so muss der Gegenpol der Seelenfeinde wohl oder übel ebenfalls angenommen werden. Darauf hätte ich allerdings keine Lust – allenfalls als Romanidee. 🙃

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      2. Rhiannon

        So ein Thema wurde beispielsweise im „Wolkenatlas“ schon auch mit verarbeitet … allerdings nicht in Form von persönlicher Feindschaft, sondern der Entwicklung, die jemand einschlägt.

        Es ist durchaus denkbar, dass nicht nur „Liebende“ sich in späteren Inkarnationen neu finden, sondern auch jene, die noch eine Rechnung miteinander offen haben. Wie wir dies benennen ist dann eine ganz andere Sache – ABER das Grundprinzip scheint mir schon gegeben 🙂

        Welche Romanidee wäre das denn beispielsweise?

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  3. hmkaufmann

    Als Kind war für mich Seelenwanderung ein vollkommen normaler, logischer Vorgang. Zwar hatte ich nur eine sehr vage Vorstellung, was eine Seele überhaupt ist, aber irgendwo – ich habe, vielleicht zu Unrecht, Wilhelm Busch in Verdacht – entdeckte ich Zeichnungen, auf denen zu sehen war, wie in des Künstlers Vorstellung Seelen ihre sterblichen Hüllen verließen. Ich sehe noch immer die in der Luft schwebenden, mit der Spitze nach oben zeigenden Herzen, die zwei, drei lange „Flugfäden“ hinter sich herzogen, die der Mittelkerbe entsprangen und dem Himmel zustrebten. Ich fand es äußerst sinnvoll, dass die dort oben Ankommenden, all ihrer Erinnerungen beraubt, ressourcenschonend neu verteilt werden und alsbald den Rückweg in neues Leben antreten können. Nicht einmal die Bevölkerungsexplosion führte mich weg von der Idee, denn ich hielt schließlich nicht nur den Menschen für beseelt und ein paar neue, frische Seelen sollten keine nennenswerte Schöpfungshürde darstellen. Diese Form der Seelenwanderung erklärte für mich zudem schlüssig, warum es Déjà-vus oder psychische Störungen gibt, die sich jedem Lösungs- oder Therapieansatz widersetzen. Es handelt sich, dachte ich, schlichtweg um „mangelhaft gelöschte“ Erinnerungsfragmente, die losgelöst und sinnfrei den neuen Träger stören oder gar quälen und ängstigen können.

    Mit diesem Bild konnte ich buchstäblich zumindest solange leben, bis mein Geist weit genug herangereift war, um eigene Bilder und Vorstellungen zu schaffen oder allgemein gebräuchliche Meinungen infrage zu stellen. Tatsächlich habe ich damals, wie vermutlich jeder Jugendliche auf Lebenssinnsuche, einige Bücher zu dem Thema gelesen und, zugegeben, auch durchaus Unerklärliches gefunden. Doch dieses Rätsel muss sich bei mir in eine der langen Schlangen einreihen, die an den Schaltern „Keine Ahnung“, „Weiß ich nicht“ und „Verstehe ich nicht“ stehen. Trotz aller Wissensanhäufung und Lebenserfahrungen: Einen großen Rest Unwissenheit muss man einfach aushalten lernen!

    Heute einer verwandten, vertrauten Seele oder einer alten Seele zu begegnen, klingt wundervoll romantisch, aber ich glaube nicht (mehr) daran. Ich glaube hingegen an die menschliche Fähigkeit zu Empathie, zu Sympathie und Liebe und zu Toleranz, die ähnliche Lebenskonzepte, Glaubensansichten, Vorlieben und Abneigungen nicht nur erkennt, sondern so eng verknüpfen kann, dass sie zuweilen nahezu eins werden und man glauben möchte, das Gegenüber ebenso lange wie sich selbst zu kennen. Ähnlich, wie man Schwangere nur wahrnimmt, wenn man es selber ist. Leider schützen diese Fähigkeiten nicht immer vor Entfremdung, die durch unterschiedliche persönliche Entwicklungen zustande kommen oder durch unterschiedliche Wahrnehmungen. Ich selbst erlaube mir keinen Glauben mehr an was auch immer. Das Leben ist sich selbst genug und meine (egal wie alte) Seele muss sich den Anforderungen des Hier und Jetzt stellen. Der Blick in die Zukunft bleibt uns allen verborgen – wie gut! – und profitieren können wir einzig aus der Vergangenheit ALLER Leben vor uns und unserer Neugier heute.

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    1. Rhiannon

      Wobei du mit dem Gedanken der Erinnerungsfragmente aber einen durchaus bekannten Faden aufgreifst, in dem es darum geht, Probleme des aktuellen Lebens in späteren aufzuarbeiten zu verarbeiten oder überhaupt davon loszukommen.

      Vielleicht erkennen wir erst in der Zeit zwischen den Inkarnationen, was das Leben und auch solche Gedankensplitter tatsächlich mit sich bringen – dann werden Antworten kommen, die wir vielleicht auch gar nicht wissen wollen.

      Eines stimmt:
      Wir leben im JETZT und nicht im Gestern oder im Morgen – ABER diese Punkte prägen unser Jetzt.

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