die wahren Abenteuer sind im Kopf – wahrlich? sind sie dies?

Kennst du das Lied mit dem Text:
»… die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo …«?

In den Köpfen von Schreiberlingen finden sich Welten phantastischer Ebenen, Fügungen und Charakteren. Sie leben in ihnen und fächern auf, wenn der Schreibende an sie denkt.
Das klappt nicht immer, aber wenn, dann steht der Schreiberling mittendrin und kann sich manchmal nicht entscheiden, inwieweit er es ihnen zugesteht sich ihm zu offenbaren …

Ich sehe derzeit die Serie »The Magician« – eine Art »Harry Potter für Erwachsene«. Darin existiert eine Bibliothek seit Ewigkeiten, in denen die Figuren ihre eigene Leben lesen können.
Nehmen wir an, wir stünden in einer Bibliothek wie dieser und würden durch die Regale schlendern. Wohin würde es dich verschlagen? Wählst du blind einen Band aus oder suchst du gezielt?

Mit dem Schreiben ist es ähnlich. Wissen wir, worüber wir schreiben und erzählen oder lassen wir uns überraschen? Wir sind unterschiedlich – wie tickst du in diesem Zusammenhang? Suchst du gezielt oder wählst du frei?

Es ist weniger eine Frage des Schreibers, als vielmehr wie er/sie die Geschichten erzählt, eine Traumvariante unter vielen.
Bei mir hat es sich noch nicht klar ausgedrückt, derzeit experimentiere ich mit unterschiedlichen Optionen. Kennst du deine Art? Wie sieht sie aus?

Der andere Blickwinkel … wem vertraust du deine Texte an?

Vermögen wir unser eigenes Werk mit all seinen Schwächen und Stärken einzuschätzen oder sind wir zu verblendet davon, weil es »das eigene Baby« ist?

So sehr wir Schreiberlinge uns bemühen und glauben, wir seien Einzelkämpfer, so trifft dies allenfalls bedingt zu. Wir können zwar bestmöglich schreiben und unser Herzblut in die Texte legen – nur eines wird immer fehlen: Der andere Blickwinkel!

Wem gestatten wir diesen »anderen Blickwinkel«?
Wem vertrauen wir so weit, dass er oder sie ehrlich genug ist, um zwar konstruktive Kritik zu üben, aber nicht um uns nur zu schmeicheln?

Die eigene Familie und engen Freunde neigen eher dazu, nur Lob auszusprechen. Das mag schmeichelhaft sein, jedoch nicht immer hilfreich.
Ein Lektorat ist direkt, aber nicht jeder kann oder will es sich leisten.

Vor einiger Zeit bat mich eine Bloggerin um einen Rat und ob ich, wenn sie soweit wäre, einmal einen kurzen Blick auf Auszüge ihres Werkes werfen möchte. Es war der Auslöser für mich ernsthaft darüber nachzudenken.

Ich sehe, welche Unterstützung ich genieße, darunter meine Muse, die ehrlich zu mir in ihrer konstruktiven Kritik ist, da wäre mein Vogel/Wolfsexperte, der mir hilft und auch Jas_kie, auf die ich mich wegen der Fotos verlassen kann.
Weiters habe ich in der kurzen Zeit ein paar Blogger kennengelernt, mit denen mich ein reger Mailverkehr auf die ein oder andere Idee bringt.

Keiner von ihnen ist ein professioneller Lektor, aber die Ideen und Kritiken sind ein anderer Blickwinkel und dafür bin ich ihnen dankbar.

Über all das dachte in letzter Zeit nach. Manchmal geht es »nur« um diesen einen, kleinen Blickwinkel.

Wen hast du, dem du diesen »anderen Blickwinkel« gestattest?

Hier ist ein kleines Angebot an dich:
Suchst du jemanden, der dir diesen Blickwinkel bietet, dann schick mir eine Nachricht.

Du bist der Puppenspieler – oder ist es der Charakter, der dich regiert?

Anfänglich erscheint einem die Geschichte im Kopf, Location, Zeit, Epoche, Genre und vieles mehr hat der Schreiberling festgelegt. Er erwartet, dass die Geschichte sich entwickelt, wie es ihm vorschwebt.

Gelingt das immer?

Vor einiger Zeit las ich von der Schwierigkeit einer Autorin, ihren Krimihelden, einen Detektiv, zu leiten. Sie hatte vorgesehen, wie er zu agieren und zu reagieren hatte und doch gelang es ihr nicht, den Helden im gewünschten Vorgang zu beschreiben.
Leicht gefrustet legte sie eine Schreibpause ein und schrieb ein paar Tage später weiter. Dieses Mal achtete sie beim Schreiben darauf, was eher zum Charakter passen würde – und tatsächlich gelang ihr dieses Mal ein gelungener Text. Die ganze Zeit hatte der Charakter einfach nur »seinen Schädel« durchzusetzen versucht. Er war schließlich kein dummer Schläger, der sich mit Wut im Bauch auf die Jagd machte, sondern ein Detektiv mit feinem, messerscharfen Verstand, den er auch zu nutzen wünschte. Sie hatte vergessen seinen Charakter mit einzuberechnen, der eher den Worten als der Klinge den Vorzug schenkte.

Wer hat hier die Fäden in der Hand? Die Autorin oder der Charakter?
Und vor allem, wie ist es bei dir? Bist du der Puppenspieler, der alles vorgibt und dem die Figuren blindlings gehorchen oder sind es die Charaktere, über die du schreibst, die dir die Worte eingeben?

Wir reisen mit Erinnerungen

Jeder von uns ist ein Ergebnis bisheriger Erlebnisse, Entscheidungen und daraus resultierender Erinnerungen. Diese sind nicht zwangsläufig gute, aber sie sind Teil unseres Selbst.

Warum sollte es einem Charakter in einem Roman anders ergehen? Wo wir mit »Erinnerungen reisen«, tut es eine Figur in einer Geschichte ebenfalls.
Kaum einer mag über flache Figuren lesen, es fehlt ihnen an Leben.

Wenn du schreibst und eine Figur zum Leben erweckst, weißt du stets im Vorhinein, welche Ereignisse ihn in der Vergangenheit prägten und zu dem werden ließen, was er nun ist?

Einige Blogger machen es so, dass sie aus Rollenspielbüchern die Fragebögen heranziehen, um einem Charakter einen passenden Background zu schenken.
Andere nutzen »Charakter-Sheets« für Schriftsteller. Die nächsten Schreiberlinge erzählen einfach den Hintergrund, wie sie ihn haben möchten.

An sich ist der Gedanke mit den Charakterbögen aus Rollenspielbüchern eine gute Idee … doch Vorsicht. Wenn du dich mit den unterschiedlichen Systemen nicht auskennst, kann das verwirrend werden. Vieles davon wird durch Würfel entschieden (Größe, Stärke, …)

Hier stellt sich die Frage, wie ausführlich willst du deinen Charakter vorab gestalten?

Für Einsteiger, die wenig ausfüllen wollen bietet sich beispielsweise das »Ctulhu«System an … hier reicht im Regelfall eine einzige A4 Seite aus.
Willst du den Charakter sehr weit verfeinern, passen eher alte Fantasy-Spielsysteme.
Mittendrin liegt beispielsweise »Vampire – the Masquerade« von White Wolf.

Die meisten meines Alters haben in der ein oder anderen Weise Erfahrung mit Tischrollenspielen (Pen&Paper). Durch PC, Internet, Online-Games und Co ist das ein wenig in den Hintergrund gerückt, das Grundprinzip bei manchen Online-Spielen jedoch ist das Gleiche.

Frage an dich:
Welches Spielsystem vermagst du für welche »Detailliertheit« empfehlen?

Irgendwo war doch der Anfang – aber wo?

In vielen Filmen wird gern das »weiße Blatt« thematisiert, wenn ein Autor bereits am ersten Satz seines Werkes scheitert.

Dabei geht es nicht nur um einen Roman oder ein Sachbuch – viele finden es schon schwierig, einen Blogbeitrag zu verfassen.

Kennst du das Dilemma?

1973 entwickelte die US-Pädagogin Gabriele L. Rico eine Mischung aus Mindmapping und Brainstorming, die manchem helfen könnte.

Diese Möglichkeit hilft dabei, sich einen guten Überblick zu verschaffen.

Was du dafür brauchst ist ein Blatt Papier und in die Mitte schreibst du ein einzelnes Wort oder Wortkombination – das Thema, worüber du schreiben möchtest.

Dazu schreibst du alle Worte auf, die dir in Kombination damit in den Sinn kommen. Bewerte sie aber nicht, sondern verbinde sie und kreise sie zusammen ein.
Geh danach zurück zum Wort/Wortkombination in der Mitte und bilde den nächsten Strang.
Irgendwann hast du eine Skizze, die wie eine strahlende Sonne wirkt.

In welchem Strang steckt für dich die meiste Kraft und das, womit du dich am meisten verbunden fühlst? Wie meine Muse einmal sagte: »fühl dich rein und entscheide«.

Probier diese Methode aus und fühl dich ein, ob sie dir liegt. Wenn ja, dann nutze sie nach eigenem Gutdünken.

Spürst du die Kraft dieser Stränge?

Ach wo war er nur der Koboldkönig?

Hast du jemals »Reise ins Labyrinth« gesehen?

Die Geschichte um die es geht, ist zauberhaft. Eine junge Teenagerin, die es leid ist auf ihren Bruder aufzupassen und ihn zu den Kobolden wünscht.
Das Grundprinzip kennen die meisten von uns. Was, wenn es wahrlich machbar wäre seine Wünsche mit einem simplen »ich wünsche mir« in Erfüllung gehen zu lassen?

Aus einer kleinen Unterhaltung mit einem guten Freund meinerseits:
»Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünscht …. Es könnte in Erfüllung gehen..

Was könnte passieren, wenn deine Wünsche sich erfüllen würden? Dann kommen wir zu »Lucifer Morningstar« in der gleichnamigen Serie – der das antworten könnte:
„Never ask the devil about his tricks.“

Kehren wir zu Jareth zurück, es gab einen Kommentar darin, der zu denken gibt. Jeder von uns hat Wünsche, die er/sie erfüllt haben möchte. Welche sind wichtig und welche wollen wir tatsächlich erfüllt bekommen? Oder sind die Wünsche nicht eher eine Art »Gusto«, der einen simplen Hunger stillen soll?

Jareth brachte es auf den Punkt:
»Ich habe alles nur für dich getan, jeden einzelnen Wunsch habe ich dir von den Augen abgelesen. Du hast alles bekommen, das du wolltest!«

Er hatte damit recht.

Hier kommen wir wieder ins Schreiben zurück. Welche Wünsche hat der Charakter für deine Geschichte? Kein Wesen existiert wunschlos – selbst, wenn es dies glauben mag. Alles Leben besteht aus Wünschen.
Aus den Wünschen für deine Charakterfigur kannst du sie formen und ihr Aufgaben in der Story schenken.
Wenn du einmal nicht mehr weiter weißt in der Story, dann frag sie: »Was wünscht du dir?«

Glaubst du, die Figur würde dir darauf antworten? Wenn ja, was würde sie sich wünschen?

Kennst du das „Alter Ego“?

Einst erklärte mir ein alter Bekannter, was es mit dem »Alter Ego« auf sich hatte. Per seiner Definition ist das »Alter Ego« das eigene Ich, das sich in der Geschichte in den Charakteren wiederfindet – wobei es sich meist auf einen einzigen Charakter konzentriert.

Wenn du schreibst, sieh dir deine Charaktere und Figuren einmal genauer an. Wie viel von dir findest du in ihnen wieder? Wie vieles von dir steckt in ihnen?
Spiegelt diese Figur dich wieder, dann hast du ein »Alter Ego«.

Solltest du eine andere Definition von »Alter Ego« haben, erzähl mir, was du darunter verstehst.

Unser ganzes Leben baut sich auf der eigenen Vergangenheit auf. Erinnerungen prägen uns, Wünsche bauen uns auf und helfen uns weiter. Wir leben im Hier und jetzt, sollten jedoch auch das Einst und das Morgen nicht vergessen.
Genauso ist es mit dem »Alter Ego«. Es ist kein plattes Wesen, das einfach so ins Rennen geschickt wird – sondern vielmehr die »lebende Figur«, die die Geschichte mit sich trägt.
Vor allem Anfängern im Schreiben fällt lebendiges Erzählen oft schwer, fehlt es doch häufig an der Übung. Frag einmal das »Alter Ego«, was es von sich erzählen möchte. Woher kommt es? Wohin will es?

Beim Schreiben merke ich gerade, wie viel und wie wenig gleichzeitig von mir selber in den Charakteren meiner Geschichte steckt. Wie sieht es bei dir aus? Wie viel von dir selbst steckt in den Charakteren deiner Geschichten?

Die Wahrheit ist ein dreiteiliges Schwert

Vor vielen Jahren kam die Sci-Fi Serie »Babylon 5« ins TV. Auf 5 Seasons ausgelegt, erzählte sie eine Geschichte mit rotem Handlungsfaden, mit dem Hintergrund, nichts ist wirklich so, wie es zu Beginn scheint.
Aktionen aus der ersten Staffel wurden in der 3. oder 4. Staffel wichtig, selbst wenn diese »Kleinigkeiten« waren.

Mir gefallen daran bis heute Zitate, die auf das Leben, und auf die Schreiberei zutreffen. Darunter ein Zitat, das den Kern einer guten Geschichte trifft:

»Die Wahrheit ist ein dreischneidiges Schwert!«

Was lässt sich daraus für einen Autor heranziehen?

Wahrheit 1 – du schreibst die Geschichte, du bist der Autor, du entscheidest
Wahrheit 2 – der Charakter in der Geschichte vermag einen eigenen Kopf entwickeln, die Entwicklung mag dir nicht immer genehm sein
Wahrheit 3 – die endgültige Geschichte, weder du noch der Charakter sehen alles – und wenn es »nur« Kleinigkeiten sind, die sich beim Schreiben verändern

Ich merke es beim Schreiben der Geschichte überdeutlich. Abweichend von der ursprünglichen Idee, ein anderer Hauptcharakter nimmt den Platz für sich ein, doch selbst dieser scheint die Entwicklung des Plots nicht völlig zu beherrschen.
Somit ist die endgültige Geschichte die dritte Wahrheit – das eigentliche, um das es geht.

Frage an dich:
Welche Zitate sind für deine schriftstellerischen Arbeiten passend?

Wann ist ein »Mitschreiber« sinnvoll?

Du kennst sicher das »Ping-Pong-Spiel«, das ich hier erwähnt habe.
https://rhiannonbrunner.wordpress.com/2019/02/15/bist-du-ein-einsamer-wolf-oder-offen-fuer-einfluesse/

Wie »Hiro A.W.« unter den Kommentaren anmerkte, ist es schwer, jemanden zu finden, der mit einem gemeinsam ein derartiges Projekt angeht.

Wenn du dich an dieses Projekt wagen willst, hier sind ein paar Tipps:

*) Checkt ab, ob ihr auf gleicher Wellenlänge liegt.
*) Interessiert euch die gleiche Thematik und wollt ihr ein ähnliches Thema bearbeiten?
*) Habt ihr beide genug Zeit?

Ob Schreiberfahrung oder nicht, spielt keine Rolle. Es ist wie im Schach, bei dem jeder auf den Zug des anderen reagiert.

Es spielt ebenfalls keine Rolle, ob ihr damit ein konkretes Ziel erreichen wollt oder just-for-Fun schreibt.
Seid euch einig, welchen Punkt ihr »gemeinsam« wollt, sonst kann es hinterher zu unschönen Diskussionen führen.

Mein Angebot an dich:

Suchst du jemandem, mit dem du gemeinsam ein derartiges Projekt angehen möchtest, poste es unter den Kommentaren. Checkt euch zusammen, erzählt mir später, ob was draus geworden ist.
Viel Glück bei dieser Art der »Partnersuche«.

Bist du ein Einsamer Wolf oder offen für „Einflüsse“?

Viele Schreiberlinge hocken alleine in ihrem Kämmerchen und quälen sich manchmal an Texten – keine Fortschritte, nur Stillstand.

In meiner Schulzeit gab es ein kleines »Spielchen«. Einer aus der Klasse nahm ein Blatt Papier, schrieb darauf einen Satz und reichte diesen weiter. Der Zweite schrieb Passendes und knickte den Teil mit dem ersten Satz um. Daraufhin vermochte der Dritte nur den zweiten Satz zu lesen und schrieb dazu Passendes. So ging das weiter, bis der Zettel vollgefüllt war.

Manchmal kamen dabei seltsame Texte heraus, dann waren sie in sich harmonisch.

Warum erzähle ich das?

Diese Erinnerung ermöglicht eine Reaktion auf Schreibblockaden oder wenn eine Geschichte einmal nicht mehr mag. Manchmal benötigt es einen »neuen und frischen« Einfluss.

Version 1:
Lass jemand anderen Vorschläge machen, wie der Handlungsstrang weitergehen könnte. Frag um mehrere Ideen und wähle die für dich passende Version aus.

Version 2:
Schreib gemeinsam mit einer anderen Person eine Geschichte. Wechselt euch ab und betrachtet es wie ein »Ping-Pong-Spiel«. Dadurch gewinnt die Geschichte an Dynamik. Jeder »reagiert« auf den anderen, wodurch sich neue Entwicklungen ergeben können. Im Gegensatz zu Version 1 ist es hier nötig sich auf das Gegenüber einzulassen, du als Schreiberling hast hier nicht mehr die alleinige Kontrolle – es kann einer Story einen unglaublichen Push verpassen und somit Einzigartiges entstehen.

Probier es aus und sieh selber.

Gibt es in deinem Umfeld jemanden, mit dem du vor allem Version 2 probieren könntest? Mit wem könntest du dir ein »Experiment« wie dieses vorstellen?