Schenke ihnen Leben 07

Vorschlag 7 – Beatrice

Hast du jemals Gaslichtromane gelesen oder Geschichten aus dem 19. Jahrhundert, in der es um eine unerfüllte Liebe geht? Oft waren die Hauptfiguren Gouvernanten, die sich in den Hausherrn verliebten.

In eine ähnliche Schiene läuft Beatrice. Sie entstammte einer Familie der Mittelschicht und lernte in ihren jungen Jahren einen Mann kennen, den sie sehr mochte und wo sich auch eine zarte Blüte der Liebe entwickelte. Er bedeutete ihr sehr viel und oft genug träumte sie auch von ihm.

Dann jedoch verloren sie sich aus den Augen und jeder ging seiner eigenen Wege.

Wie es ihm dabei ging? Das fragte sie sich des Öfteren. Lange Zeit hoffte sie darauf, ihn wiederzusehen, bis sie das normale Leben einholte und sie ihn langsam aber sicher aus dem Gedächtnis verlor. Sie selbst heiratete und gründete eine Familie. Bald schon war sie Witwe und führte das Erbe ihres Mannes weiter.

Nach vielen Jahren trafen sie erneut aufeinander. Anfangs war sie skeptisch, doch binnen kurzem tauchte etwas in ihrem Herzen auf, das nach ihm verlangte.

Doch wieder sollten sie sich aus den Augen verlieren, nur diesmal schrieben sie sich Briefe und hielte so Kontakt.

Erst nach vielen weiteren Jahren, als sie schon grauhaarig war und ihr Leben gelebt hatte, da trafen sie sich erneut und sie erkannte, dass sie eigentlich nie wirklich gelebt hatte.
Sie hatte viel erreicht, lebte in Wohlstand und hatte einen Kreis an Leuten, mit denen sie sich regelmäßig traf, aber nichts davon war wirklich wichtig für sie. Vielleicht war das der Grund, warum sie immer erfolgreich gewesen war.

Nach all diesen Jahren stand ihr dieser eine Mann gegenüber, den sie in jungen Jahren so sehr begehrt hatte. Er trug sein Haar nun schlohweiß, doch die Wangenknochen und die leicht schrägen Zähne, das Glitzern in den Augen und seine Stimme ließen sie vibrieren.

Er steht ihr gegenüber und sieht sie an – greift nach ihrer Hand und sie steht da und weißt nicht im Geringsten, wie sie mit der Situation umgehen soll.

Wie denkst du, wird es hier weitergehen?

Schenke ihnen Leben 06

Vorschlag 6 – Miselind

Wann hast du das letzte Mal ein Märchen gelesen?

Es gibt so wundervolle Gestalten und Figuren unter den Märchengeschöpfen, dass es fast schon schade ist, wenn wir uns immer nur auf die Hauptfiguren konzentrieren.

Heute möchte ich dir ein kleines Waldwesen übergeben, es ist eine Art Kobold oder Waldfee, so ganz sagt es mir nämlich nicht, was es sein möchte. Ich kann dir nicht mal sagen, ob es weiblich oder männlich ist, oder wie alt „es“ ist.
Doch was ich dir von Miselind erzählen kann ist, dieses Wesen ist quirlig und aufgeweckt, an allem dran, was nur möglich ist und für jeglichen Schabernack zu haben. Das fällt Miselind aber auch manchmal auf den Kopf, wenn es drum geht, einen Hasen zu necken, der dann mit den Hinterbeinen austritt oder wenn Miselind einem Kobold seine Sachen zu klauen versucht.
Hast du dir mal überlegt, was passieren kann, wenn man einen Topf mit Gold findet und den versteckt? Der eigentliche Besitzer hat sicher keinen Sinn für Humor dafür.

Das traute Heim von Miselind ist auf einem moosbedeckten Flecken. Es gibt dort viele Steine und noch mehr herabgefallene Blätter, dazu ein winzig, kleines Bächlein, das Miselind rasch in den Schlaf fallen lässt, wenn die Heimstatt einmal aufgesucht wird.

Traust du dir zu, ein eigenes, neues Märchen um Miselind zu erzählen? Welche Lektion soll Miselind lernen?

Schenke ihnen Leben 05

Vorschlag 5 – Eyya

Hast du dich je mit Reenactment oder Living History befasst?

Für viele mag dieses Kapitel nicht sonderlich interessant sein, doch jeder, der gerne Rätsel löst, sich mit früheren Epochen befasst und einmal etwas abseits des „normalen Alltags“ erleben möchte, der kennt micht ziemlicher Sicherheit Mittelaltermärkte, Schaukämpfe von Ritterdarstellern oder es zieht ihn/sie vielleicht auch nach Ausgrabungsstätten wie Carnuntum oder möglicherweise ist auch ein Besuch im römischen Colloseum drin.

Diesmal geht es um einen weiblichen Charakter, der in einer Großstadt lebt und den die Sehnsucht treibt. Sie spürt, dass in der aktuellen Welt, in der sie lebt (vor Corona allerdings), vieles fehlt. All die Jahre, seit ihrer Kindheit, war dieser Charakter fasziniert von den Wikingern. Natürlich kennt sie anfangs noch wenig von den wahren Hintergründen und betrachtet alte Filme, die historisch nun wirklich nicht der Wahrheit entsprechen.
Sie beginnt also zu graben und erkennt, dass etwas in ihr die Wahrheit finden möchte.

So macht sie sich auf die Suche nach einer Vergangenheit, die manche heute wieder lebendig werden lassen. Sie gräbt nach historischen Schnitten, sucht historische Rezepte und beginnt körperliches Training wie sie es vermutet, dass die Wikinger einst auch taten.
Dazu nimmt sie weder die Geräte aus den Fitnesscentern und schon gar keine Zusatzpräparate, sondern beginnt mit Waldläufen, Hanteltraining und sich mit viel Eiweiß zu ernähren. Sie beginnt auch selbst zu kochen.

In der Zeit ihrer Suche lernt sie andere kennen, die wie sie, an Geschichte interessiert sind und irgendwann erkennt sie, dass sie wie ein Vorbild ihrerseits sein möchte – wie die Schildmaid Eyya, von der sie in einem alten Kinderbuch einst las und sie nennt sich ab jetzt ebenso wie diese Figur (zumindest wenn sie in ihre Wikingerkleidung schlüpft).

Nun hätten wir zwei Möglichkeiten, wie du die Geschichte lenken kannst:
Variante 1 – du lässt sie einfach ihre Welt erkunden und stärker werden
Variante 2 – du lässt sie sich mit ihrem Vorbild konfrontieren, denn vielleicht ist diese Eyya ja eigentlich eine Walküre oder Göttin

Wohin führst du diesen Charakter und was machst du aus ihr?

Schenke ihnen Leben 04

Vorschlag 4 – Pherier

Kennst du Romane wie „der grüne Stern“ oder „1984“?

Hast du dich je mit dystopischer Literatur auseinandergesetzt und Romane dieser Sparte gelesen? Sie können richtig heftig werden und einen mit einem sehr flauen Gefühl im Magen zurücklassen.

Dieses Mal schlage ich dir einen Charakter vor, der in einer solchen Welt lebt. Wie in solchen Romanen üblich, wurde längst die Sprache verändert, vereinfacht und alles daraus entfernt, das nicht dem gewünschten Schema entspricht.

Pherier trägt einen zerschlissenen Anzug in Grau, allzu viele Wechselklamotten hat er nicht, denn das wäre „dekadent“, er interessiert sich für alles Mögliche, durch die Welt, in der er lebt, hat er jedoch nur wenige Möglichkeiten Dinge zu erfahren, die ihn wirklich interessieren.

Wo andere sich den Ablenkungen hingeben, die ihnen geboten werden (Brot und Spiele wie im alten Rom, dazu erzählt er mir aber nichts) – vielleicht ist es eine Art Social-Media, in der sich alle verlieren – mag er die Wanderungen alleine in den wenigen Wäldern, die noch übrig sind und taucht ein in verlassene Orte.
Er sucht etwas und weiß nur noch nicht was er eigentlich finden will. So folgt er seinem Herzen und findet Schätze, die aus alten Tagen stammen.

Als zufällig ein Bekannter etwas in seinem Besitz entdeckt, das ihm seltsam vorkommt, fragt er nach. Erst traut Pherier der Sache nicht, doch mit der Zeit vertraut er seinem Bekannten. Dieser jedoch unterhält sich mit einem anderen Freund und lässt Worte fallen, die ihn verdächtig machen und zieht so Pherier mit hinein.

Bald schon wird klar, dass der schöne Schein gar nicht so schön ist, wie die Welt dem Menschen glauben machen möchte und Pherier ergreift die Flucht. Verrate mir, wohin treibt es ihn und was findet Pherier dort?

Schenke ihnen Leben 03

Vorschlag 3 – Freysam, der Schmerzvolle

Kennst du dich ein wenig mit der Geschichte aus? Es gibt da eine wundervolle Historienreihe mit Sean Bean: „Die Scharfschützen“, in denen er einen Soldaten und bald schon Kommandanten der „95th Regiment of Foot“ spielte. Diese Truppe war berühmt für ihre damals ungewöhnlich tarnenden, grünen Uniformen und ihre hervorragenden Scharfschützen.

Wer sich ein wenig über echtes, historisches Soldatenleben abseits verklärter Romantik informieren möchte ohne groß Bücher zu wälzen, findet in der Serie einen kleinen Eindruck.

Mein Vorschlag für einen neuen Charakter stammt jedoch weniger aus der napoleonischen Ära, als vielmehr aus der Zeit des 30jährigen Krieges, bzw. aus der Zeit danach.
Die Figur, die ich dir anbiete heißt „Freysam, der Schmerzhafte“. Zwei Väter stünden ihm zur Wahl, seine Mutter könnte selbst bei bestem Willen nicht sagen, wer der eigentliche Vater nun sei. Einerseits könnte es ein einfacher Soldat aus einem Heerlager sein, andererseits ein Wesen, das sich manchmal ganz gern einen Scherz macht, indem es menschliche Gestalt annimmt, aber kein echter Mensch ist.
Seine Mutter trug in diesem Moment tiefen Schmerz in sich, den Freysam als Gabe oder Fluch in seinem Leben mit sich führte – von Anfang an. Schmerz ist seine „Waffe“ – doch das wie – nun, das kann in allen möglichen Varianten genutzt werden. Das lasse ich dir frei.

Optisch wirkt er recht kräftig, größer als die meisten seiner Zeit. Aufgewachsen unter Kriegstagen in rauen Zeiten und dadurch abgehärtet ist er sonnengebräunt und könnte genausogut als Gladiator seine Kämpfe bestehen …

Nun liegt es an dir, wohin schickst du ihn?

Schenke ihnen Leben 02

Vorschlag 02 – Fa-Ru-Mar

Kennst du noch die alten Filme wie „Conan“ oder „der Drachentöter“? Ich spreche dabei nicht von den neuen Versionen, sondern von den alten aus den 70er oder 80er Jahren.

Die darin gezeigten Welten sind nicht unbedingt friedliebend, von Feen und Elfen fehlt jede Spur, aber Drachen und andere Kreaturen sind sehr wohl vorhanden. Wovon ich spreche ist „Low Fantasy“, deren gewichtigster Vertreter mit Sicherheit „Conan der Barbar“ ist. Aber auch Filme wie „Red Sonja“ fallen in dieses Genre.

Soweit – so gut.

Damit hast du eine Ahnung, in welcher Welt meine „Fa-Ru-Mar“ lebt. Sie ist eine Kriegerin, ähnlich wie Red Sonja, aber doch anders, behauptet sich in Kämpfen und denkt mit klarem Verstand.
Obwohl sie unvermählt ist und auch so manche Liebschaft in ihrer Vergangenheit hat, so gehört ihr Leben doch dem Wunsch ihrer Familie, ihrem Clan und ihrem Volk Frieden zu schenken. Sie ist eine der wenigen, die es schafften das Joch der Barbarei und Versklavung durch Zufall abzulegen. Doch wie so oft ist ein Zufall kein Zufall und höhere Mächte haben mit Hilfe eines Verwirrspieles ihr zur Freiheit verholfen.
Sie wuchs bei einem Eremiten auf, der sie auch in magischen Künsten unterwies, für die sie aber nur bedingt Talent hatte. So kann sie zwar einige kleinere Tricks, aber die hohe Kunst der Magie bleibt ihr verwehrt.

Über ihrem linken Auge trägt sie eine Narbe, die Folge eines Schwerthiebes, der ihr beinahe das Augenlicht kostete, dem Gegner jedoch sein linkes Bein. Seither ist dieser spinnefeind auf sie und versucht sie nach allen Regeln der Kunst fertigzumachen.
Mit ihm hat sie so ihre liebe Not, da er noch dazu ein guter Vertrauter des herrschenden Clans ist.

Tiefblaue Augen, sonnengebrannter Teint und kastanienfarbene Haare sind ihr Markenzeichen, ebenso wie das Schwert, das sie ständig bei sich trägt.
Bei magischen Themen ist sie auf einen Ab-und-zu-Begleiter angewiesen, der sie unterstützt, aber es gibt auch viele Dinge, die sie alleine bestreitet.

Fa-Ru-Mar ist keine besonders gesellige Persönlichkeit, aber wenn man ihr Herz gewinnt, ist sie treu bis zum Tod dieser Freundschaft verpflichtet – ein Ehrenkodex ihrer eigenen Familie, als einziges Erbe, das sie einst mit sich führte, bis sie in ihren Grundfesten daran beinahe zerbrach. Eines ihrer Familienmitglieder, einer ihrer Brüder, verriet die ganze Familie und damit auch sie.

Nun, als Grundbasis bietet Fa-Ru-Mar einige Möglichkeiten, möchtest du ihr Leben schenken? Sie ist keine einfache Persönlichkeit, sondern hat Ecken und Kanten und manchmal einen ziemlichen Dickschädel – ABER – hast du sie einmal als Freundin gewonnen, dann kann dir selbst der böseste Gegner nichts mehr anhaben.

Schenke ihnen Leben 01

Jede Figur, die ich dir vorschlage darfst du auch anders benennen (wenn du dies möchtest).

Vorschlag 01 – Sureja

Auf ihre Weise ist Sureja eine Superheldin, aber nicht im herkömmlichen Sinne.
Vom Naturell ist sie ein Succubus. Diese Wesen waren einst gefürchtet und von manchen gewünscht, doch Vorsicht sei hier angesagt, sie können einem das Leben gründlich zur Hölle machen.

Der Legende nach liegt ein Succubus beim Mann und nimmt ihm den Samen, nährt sich von seiner Energie und kann ihn dadurch auch zerstören. Manchen Geschichten nach wandeln sie sich dann zu einem Incubus und liegen bei der Frau, der sie den Samen des Mannes geben, wodurch beispielsweise ein Wechselbalg gezeugt wird.

Man sagt ihnen nach, sie seien dämonische Wesen, die nur dazu da seien, unsichere Menschen zu zerstören.

Soweit einmal die allgemeine Theorie.

Sureja jedoch ist anders. Sie nutzt ihre Gabe, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Ja, sie schenkt dem Mann für eine gewisse Zeit sicherlich Vergnügen und lässt ihn hinterher bluten – aber wie ein Superheld wählt sie nur jene aus, die es auch wirklich verdient haben.

Geben wir ihr eine Begegnung, so könnte dies beispielsweise ein Unternehmer sein, der seine Mitarbeiter miserabel behandelt und dem das Geld wichtiger ist als alles andere. Nennen wir diesen Mann doch Manfred (Nachnamen kannst du dir ja selber aussuchen).
Manfred also ist ein Mann, der glaubt, mit Geld sei alles machbar. Sie sieht, wie die Mitarbeiter leiden und bekommt Mitleid mit ihnen. Also besucht sie ihn eines Nachts, schenkt ihm eine Nacht, die er nie mehr vergessen wird und kommt immer wieder zu Besuch. Doch nach einer Woche merkt er, wie seine Energie entschwindet und er krank wird.
Er ist nicht mehr so häufig in der Firma, wodurch es den Mitarbeitern besser geht.

viel Spaß beim Schreiben, lass dich von ihr inspirieren 😉