Wurzelwerk, Verbundenheit und wie es auf das Schreiben wirken kann …

Seit ich denken kann, beschäftige ich mich mit Geschichte, den verschiedenen Pantheonen, den guten wie weniger guten Entwicklungen, die immer wellenweise kommen. Mal schlägt es in die eine Seite, mal in die andere. Wir haben jetzt eine lange Zeit der Globalisierung hinter uns und sehen jetzt erste Tendenzen, dass sich wieder Menschen mit ihren eigenen Wurzeln befassen, die das lange Zeit vermieden haben.

Kennst du deine Wurzeln? Weißt du, woher deine Familie kommt?
Wir können aus dem Einst so viel lernen – blicken wir einmal zurück in die Vergangenheit, erkennen wir Dinge, die wir für unsere Zukunft gut brauchen könnten.

Nimm Beispiel den Spruch „alter Schwede“ oder wüsstest du, warum wir heute Margarine aufs Brot streichen ohne im Internet zu rechercherieren?
Weißt du, dass ZB historische Romane sehr gerne gekauft und gelesen werden? Darunter fallen beispielsweise Geschichten wie „die Säulen der Erde“ oder „die Wanderhure“.

Stell dir jetzt einen Baum oder einen Pilz vor, in beiden Fällen sehen wir nur das, was über der Erdoberfläche gedeiht und wächst, aber die Wurzeln gehen oft sehr viel tiefer. So ist es mit unserer Geschichte, unseren Vorfahren, unserer Kultur und vielem mehr. All das wuchs über lange Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende, bis wir das haben, was wir jetzt nutzen können – auch wenn vieles bereits beispielsweise im alten, römischen Reich schon existierte.

Genau diese historischen Wurzeln und Themen können wir für wundervolle Geschichten nutzen, wir können Biographien schreiben, Fantasyelemente mit historischen Themen mischen oder etwas gänzlich Neues aus alten Erzählungen kreieren.

Doch was fasziniert uns an den alten Geschichten so sehr, dass wir so gern darüber lesen? Waren die Zeiten „einfacher“ oder hat es andere Gründe?

Meine heutige Frage an dich:
Wenn du eine Geschichte im historischen Kleid schreiben möchtest, welche Zeit und welchen Ort würdest du wählen? Warum gerade diesen?

Wandel, Traditionen und wie du es für dein Schreiben nutzen kannst ….

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit Frigga über Dichtkunst im Allgemeinen und über die „Sprache der Dichtkunst“, wie sie Snorri Sturluson in der „Edda“ beschrieb.
Wer, wie ich, sich gern mit Worten umgibt, sie ausschmückt und mit ihnen arbeitet, merkt bald, dass es „mehr“ gibt, als „nur“ eine Art sich auszudrücken. Da werden die Berge zu Giganten, die sich dem Firmament entgegenstrecken, der Ozean wandelt sich zum Sammelbecken der Tränen des Himmels und eine Katze bleibt auch nicht unbedingt eine Katze 😉

Dichtkunst ist etwas, das sich über Jahrhunderte, sogar Jahrtausende entwickelt hat und immer feinere Formen angenommen. Wir nehmen Bücher, lesen oftmals sehr ähnliche Schreibstile und greifen wir zu Klassikern wie William Shakespeare, verstehen wir häufig nur, dass wir nicht mehr wissen, wie der Dichter es damals gemeint hat.

Entweder wir haben das Talent und spüren von Anfang an, wie wir schreiben um andere zu fesseln, oder wir erlernen es mühsam oder wir wachsen schlichtweg hinein, indem wir uns vielfach mit Texten befassen, jeder ist da anders.

Wir leben in einer seltsamen Zeit. Traditionen – egal welcher Art – wurden oftmals über Jahre hinweg zerstört, Wurzeln ausgerissen und jetzt scheint der Trend allmählich wieder in die Gegenrichtung zu gehen. Dazu brauch ich nicht viel zu sagen, es reicht, wenn du dir die Schlagzeilen in den Medien durchliest.

Wir haben vielfach verlernt, die alten Traditionen wertzuschätzen, die über Generationen getragen wurden – sieh nach Island und frag dich, warum sie ihre Sprache seit so langer Zeit nahezu gleich behalten konnten, wo andere vieles verloren.

Als Schreiberling ist es unsere Aufgabe, alte Traditionen (der Dichtkunst) zu (be)wahren. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass auch künftige Generationen etwas haben, worauf sie noch lange stolz sein können.
In diesem Sinne werde ich mich mit jetzt mehr mit der alten Dichtkunst der Skalden befassen – was wirst du tun?

Wasser ist Leben

Kehren wir wieder zum Schreiben und Dichten, zum Kreativen und zum Erfüllenden der Worte zurück.

Die Basis einer guten (oder auch einer schlechten) Geschichte ist der Kern. Stell dir ein Samenkorn vor, das du in Händen hältst und in dem eine ganze Geschichte steckt. Vielleicht ist es auch ein Ei, das du siehst oder eine Zwiebelknolle.
Alle drei haben eines gemeinsam – in ihnen steckt die Frucht des werdenden Lebens.

Wie sich dieses neue Leben entwickeln wird, das wissen wir zu Beginn nicht. Wir sehen den Kern und überlegen, betrachten das Ei oder die Knolle und fragen uns vielleicht, was könnte daraus entstehen.

Der nächste Schritt, um eine Geschichte gut werden zu lassen ist das Wasser. Ohne Wasser gibt es kein Leben, ohne Wasser verdorren und verdursten wir und genauso geht es dieser Geschichte.

Wasser kann sanft oder gewaltig sein, kann Leben geben oder nehmen. Wir sehen die klaren Quellen und die gewaltigen Tsunami, freuen uns auf den warmen Sommerregen und fürchten die Überschwemmungen.
Gießt du eine Pflanze zu viel, fängt sie an zu schimmeln, gießt du sie zu wenig, verdorrt sie.

Mit dem Samenkorn, das du in Händen hältst und aus dem du eine Geschichte schreiben willst, benötigt Wasser für ihr Gedeihen und Werden.

Meine Frage an dich:
Was könntest du dir vorstellen, ist dieses Wasser? Was würdest du deiner Geschichte schenken – denn bedenke dabei, Wasser ist Leben!

Schenke ihnen Leben 03

Vorschlag 3 – Freysam, der Schmerzvolle

Kennst du dich ein wenig mit der Geschichte aus? Es gibt da eine wundervolle Historienreihe mit Sean Bean: „Die Scharfschützen“, in denen er einen Soldaten und bald schon Kommandanten der „95th Regiment of Foot“ spielte. Diese Truppe war berühmt für ihre damals ungewöhnlich tarnenden, grünen Uniformen und ihre hervorragenden Scharfschützen.

Wer sich ein wenig über echtes, historisches Soldatenleben abseits verklärter Romantik informieren möchte ohne groß Bücher zu wälzen, findet in der Serie einen kleinen Eindruck.

Mein Vorschlag für einen neuen Charakter stammt jedoch weniger aus der napoleonischen Ära, als vielmehr aus der Zeit des 30jährigen Krieges, bzw. aus der Zeit danach.
Die Figur, die ich dir anbiete heißt „Freysam, der Schmerzhafte“. Zwei Väter stünden ihm zur Wahl, seine Mutter könnte selbst bei bestem Willen nicht sagen, wer der eigentliche Vater nun sei. Einerseits könnte es ein einfacher Soldat aus einem Heerlager sein, andererseits ein Wesen, das sich manchmal ganz gern einen Scherz macht, indem es menschliche Gestalt annimmt, aber kein echter Mensch ist.
Seine Mutter trug in diesem Moment tiefen Schmerz in sich, den Freysam als Gabe oder Fluch in seinem Leben mit sich führte – von Anfang an. Schmerz ist seine „Waffe“ – doch das wie – nun, das kann in allen möglichen Varianten genutzt werden. Das lasse ich dir frei.

Optisch wirkt er recht kräftig, größer als die meisten seiner Zeit. Aufgewachsen unter Kriegstagen in rauen Zeiten und dadurch abgehärtet ist er sonnengebräunt und könnte genausogut als Gladiator seine Kämpfe bestehen …

Nun liegt es an dir, wohin schickst du ihn?

Schenke ihnen Leben 02

Vorschlag 02 – Fa-Ru-Mar

Kennst du noch die alten Filme wie „Conan“ oder „der Drachentöter“? Ich spreche dabei nicht von den neuen Versionen, sondern von den alten aus den 70er oder 80er Jahren.

Die darin gezeigten Welten sind nicht unbedingt friedliebend, von Feen und Elfen fehlt jede Spur, aber Drachen und andere Kreaturen sind sehr wohl vorhanden. Wovon ich spreche ist „Low Fantasy“, deren gewichtigster Vertreter mit Sicherheit „Conan der Barbar“ ist. Aber auch Filme wie „Red Sonja“ fallen in dieses Genre.

Soweit – so gut.

Damit hast du eine Ahnung, in welcher Welt meine „Fa-Ru-Mar“ lebt. Sie ist eine Kriegerin, ähnlich wie Red Sonja, aber doch anders, behauptet sich in Kämpfen und denkt mit klarem Verstand.
Obwohl sie unvermählt ist und auch so manche Liebschaft in ihrer Vergangenheit hat, so gehört ihr Leben doch dem Wunsch ihrer Familie, ihrem Clan und ihrem Volk Frieden zu schenken. Sie ist eine der wenigen, die es schafften das Joch der Barbarei und Versklavung durch Zufall abzulegen. Doch wie so oft ist ein Zufall kein Zufall und höhere Mächte haben mit Hilfe eines Verwirrspieles ihr zur Freiheit verholfen.
Sie wuchs bei einem Eremiten auf, der sie auch in magischen Künsten unterwies, für die sie aber nur bedingt Talent hatte. So kann sie zwar einige kleinere Tricks, aber die hohe Kunst der Magie bleibt ihr verwehrt.

Über ihrem linken Auge trägt sie eine Narbe, die Folge eines Schwerthiebes, der ihr beinahe das Augenlicht kostete, dem Gegner jedoch sein linkes Bein. Seither ist dieser spinnefeind auf sie und versucht sie nach allen Regeln der Kunst fertigzumachen.
Mit ihm hat sie so ihre liebe Not, da er noch dazu ein guter Vertrauter des herrschenden Clans ist.

Tiefblaue Augen, sonnengebrannter Teint und kastanienfarbene Haare sind ihr Markenzeichen, ebenso wie das Schwert, das sie ständig bei sich trägt.
Bei magischen Themen ist sie auf einen Ab-und-zu-Begleiter angewiesen, der sie unterstützt, aber es gibt auch viele Dinge, die sie alleine bestreitet.

Fa-Ru-Mar ist keine besonders gesellige Persönlichkeit, aber wenn man ihr Herz gewinnt, ist sie treu bis zum Tod dieser Freundschaft verpflichtet – ein Ehrenkodex ihrer eigenen Familie, als einziges Erbe, das sie einst mit sich führte, bis sie in ihren Grundfesten daran beinahe zerbrach. Eines ihrer Familienmitglieder, einer ihrer Brüder, verriet die ganze Familie und damit auch sie.

Nun, als Grundbasis bietet Fa-Ru-Mar einige Möglichkeiten, möchtest du ihr Leben schenken? Sie ist keine einfache Persönlichkeit, sondern hat Ecken und Kanten und manchmal einen ziemlichen Dickschädel – ABER – hast du sie einmal als Freundin gewonnen, dann kann dir selbst der böseste Gegner nichts mehr anhaben.

Schenke ihnen Leben 01

Jede Figur, die ich dir vorschlage darfst du auch anders benennen (wenn du dies möchtest).

Vorschlag 01 – Sureja

Auf ihre Weise ist Sureja eine Superheldin, aber nicht im herkömmlichen Sinne.
Vom Naturell ist sie ein Succubus. Diese Wesen waren einst gefürchtet und von manchen gewünscht, doch Vorsicht sei hier angesagt, sie können einem das Leben gründlich zur Hölle machen.

Der Legende nach liegt ein Succubus beim Mann und nimmt ihm den Samen, nährt sich von seiner Energie und kann ihn dadurch auch zerstören. Manchen Geschichten nach wandeln sie sich dann zu einem Incubus und liegen bei der Frau, der sie den Samen des Mannes geben, wodurch beispielsweise ein Wechselbalg gezeugt wird.

Man sagt ihnen nach, sie seien dämonische Wesen, die nur dazu da seien, unsichere Menschen zu zerstören.

Soweit einmal die allgemeine Theorie.

Sureja jedoch ist anders. Sie nutzt ihre Gabe, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Ja, sie schenkt dem Mann für eine gewisse Zeit sicherlich Vergnügen und lässt ihn hinterher bluten – aber wie ein Superheld wählt sie nur jene aus, die es auch wirklich verdient haben.

Geben wir ihr eine Begegnung, so könnte dies beispielsweise ein Unternehmer sein, der seine Mitarbeiter miserabel behandelt und dem das Geld wichtiger ist als alles andere. Nennen wir diesen Mann doch Manfred (Nachnamen kannst du dir ja selber aussuchen).
Manfred also ist ein Mann, der glaubt, mit Geld sei alles machbar. Sie sieht, wie die Mitarbeiter leiden und bekommt Mitleid mit ihnen. Also besucht sie ihn eines Nachts, schenkt ihm eine Nacht, die er nie mehr vergessen wird und kommt immer wieder zu Besuch. Doch nach einer Woche merkt er, wie seine Energie entschwindet und er krank wird.
Er ist nicht mehr so häufig in der Firma, wodurch es den Mitarbeitern besser geht.

viel Spaß beim Schreiben, lass dich von ihr inspirieren 😉