Bist du ein Einsamer Wolf oder offen für „Einflüsse“?

Viele Schreiberlinge hocken alleine in ihrem Kämmerchen und quälen sich manchmal an Texten – keine Fortschritte, nur Stillstand.

In meiner Schulzeit gab es ein kleines »Spielchen«. Einer aus der Klasse nahm ein Blatt Papier, schrieb darauf einen Satz und reichte diesen weiter. Der Zweite schrieb Passendes und knickte den Teil mit dem ersten Satz um. Daraufhin vermochte der Dritte nur den zweiten Satz zu lesen und schrieb dazu Passendes. So ging das weiter, bis der Zettel vollgefüllt war.

Manchmal kamen dabei seltsame Texte heraus, dann waren sie in sich harmonisch.

Warum erzähle ich das?

Diese Erinnerung ermöglicht eine Reaktion auf Schreibblockaden oder wenn eine Geschichte einmal nicht mehr mag. Manchmal benötigt es einen »neuen und frischen« Einfluss.

Version 1:
Lass jemand anderen Vorschläge machen, wie der Handlungsstrang weitergehen könnte. Frag um mehrere Ideen und wähle die für dich passende Version aus.

Version 2:
Schreib gemeinsam mit einer anderen Person eine Geschichte. Wechselt euch ab und betrachtet es wie ein »Ping-Pong-Spiel«. Dadurch gewinnt die Geschichte an Dynamik. Jeder »reagiert« auf den anderen, wodurch sich neue Entwicklungen ergeben können. Im Gegensatz zu Version 1 ist es hier nötig sich auf das Gegenüber einzulassen, du als Schreiberling hast hier nicht mehr die alleinige Kontrolle – es kann einer Story einen unglaublichen Push verpassen und somit Einzigartiges entstehen.

Probier es aus und sieh selber.

Gibt es in deinem Umfeld jemanden, mit dem du vor allem Version 2 probieren könntest? Mit wem könntest du dir ein »Experiment« wie dieses vorstellen?

Bist du bereit, wenn die Muse dich küsst?

Du kennst gewiss die Geschichten um die Kunst des Minnesangs, in der eine, meist höhergestellte Dame, als Muse für den Minnesänger galt.
Ihr ergeben, sie vielfach anbetend, war sie seine Inspiration für seine Schöpfungen, Gedichte und Werke.

Im Lauf der Jahrhunderte vermochte die Muse Künstlern eine Stimme zu geben. Manchmal waren sie ein Paar, häufig spielte Verliebtsein eine Rolle. Oft genug war diese Muse nichts anderes als ein Mensch, der dem Kunstschaffenden Inspiration verschaffte.

Lebte die Muse nicht einst auf dem Berg Helicon und atmete Dichtern, Musikern und anderen Künstlern ihre Werke ein, um von ihnen mit liebreizenden Worten geehrt zu werden?

Inspiration durch eine Muse kann großartige Werke vollbringen. Wenn du schreibst, spürst du manchmal Etwas in dir, das auf Papier oder auf den Bildschirm will. Du hast keine Ruhe, bis die Worte nicht geflossen sind. Du denkst nach, wie du es gut formulierst, obwohl die gewählten Worte perfekt sind.
Wenn du den Text später liest, erkennst du, er ist anders als die üblichen. Besser geschrieben, als wäre er nicht von dir, sondern jemand oder etwas hätte deine Hand geführt und deine Gedanken gelenkt.

Das ist es, was die Muse bewirkt, Texte zu schreiben, die aus dem Innersten stammen, Worte zu finden, die im Bauch entstehen.

Du spürst es, wenn du deine Muse findest, auch, wenn sie aus einem anderen Flecken deines Lebens stammt, als du denkst. Jeder, der deinen Lebensweg kreuzt, hat das Potential, deine Muse zu werden, jede »Lebensbegegnung« hat das Zeug dazu in sich. Übrigens muss die Muse nicht zwangsläufig weiblich sein.

Ich denke, jeder, der sich darauf einlässt, zumindest einen Teil seines Lebens dem Schreiben und Erzählen zu widmen, wird früher oder später erkennen, wer das ist.
Ob es funktioniert, sich die Muse auszuwählen? Bei einigen sicher, bei anderen nicht.

Meine Muse kenne ich seit vielen Jahren, es ist eine Person, die mir wichtig ist und deren Stimme etwas in mir zum Vibrieren bringt, wenn ich sie höre. Ob sie dies weiß? Ich habe es dieser Person bisher nicht gesagt.
Eine Muse muss nicht immer wissen, dass sie eine ist, obwohl ich glaube, dass die meisten Menschen sich geschmeichelt fühlen, wenn ihnen gesagt wird: „Du bist es, du bist meine Muse, die mich inspiriert!“

Kennst du deine Muse oder wartest du noch auf sie?