Mein Charakter lebt – deiner auch?

Wo es »reicht« bei einem Sachbuch Fakten aufzubereiten und klar und einfach lesbar zu schreiben, verlangen Romane mehr.

Ich merke es, während ich über meine neuen »Haupthelden« Noah und Carry schreibe. Welch ein Glück, dass ich zumindest Carry praktisch ihr ganzes Leben lang kenne.

In einem dicken »Lern-richtig-schreiben-Wälzer« empfahl der Autor, seine fiktive Figur zu interviewen und zu tun, als säßen sie sich gegenüber.
Bei einem Vogel klappt das bedingt, nur wie sieht es mit anderen Charakteren aus?

Nehmen wir einmal einen einfachen, menschlichen Charakter, ist dieser weitaus komplexer.

Fragen wären beispielsweise:

*) Identität:
Bist du jemand, der ….

*) Erwartungshaltung:
Was befürchtest oder erwartest du, dass …

*) unbewusste Überzeugungen:
Was musst du immer, wenn ….

Welche Persönlichkeit hat der Charakter und was mag die Figur?

In vielen Blogs hier lese ich, dass Schreiberlinge sich schwertun ab, sobald ein gewisser Punkt überschritten ist. Hier hat der Autor den Vorschlag gemacht, »rede« mit der Figur. Warum will er/sie nicht, wie du möchtest und laß dir sagen, was der Charakter selber vorzieht zu tun.

Viele Schreiberlinge spüren zwar beim Verfassen, was sie mit ihrem Charakter machen möchten und können, aber was, wenn du das nicht kannst?

Probier einmal diesen Charakter zu »interviewen«.
Manchmal, glaube ich, ist er einfach jemand, der sich eingesperrt fühlen könnte und daraufhin jegliche Kooperation verweigert.

Was machst du, wenn deine Figur einmal nicht mag?

Der Erfolg des Autors …. was ist es wirklich?

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie viele heute berühmte Schriftsteller niemals vom Schreiben per se leben konnten.
Konkret fallen mir beispielsweise E.A.Poe, Jack London oder Kafka ein, die entweder einem klassischen Brotberuf nachgingen oder die finanziell schon vorher gut bestellt waren und somit ihrer Berufung, dem Schreiben, nachgehen konnten.

Eines haben diese großen Schriftsteller gemeinsam: Sie alle haben irgendwann einmal begonnen und das erste Werk abgeliefert.
Anfangswerke sind selten großartig, Schreiberlinge lernen durch das Arbeiten, daher ist konstruktive Kritik sinnvoll.
Ein kleiner Blick zu heute bekannten Autoren wie Stephen King zeigt, wo sie alle einst standen und wo sie heute stehen (können).

Dann steht man/frau am Anfang da, versucht das erste Buch, das erste Schriftstück zu fertigen. Auf das Ergebnis ist man/frau stolz und wünscht sich den bestmöglichen Erfolg dafür. Die Ernüchterung erfolgt, wenn es beispielsweise verrissen wird oder ignoriert.

Die ersten Texte, die ein angehender Autor schreibt, können voller Rechtschreib/Grammatikfehler sein, Ausdrucksweise und Stil sind fast immer unfertig und müssen sich erst entwickeln.
Häufig fehlt der Plan, welches Genre und welche Art der Geschichten einem zu schreiben liegen. Alles das kommt erst im Lauf der Zeit.

Hätte ich heute die Möglichkeit, einen meiner Lieblingsautoren persönlich zu treffen und mit ihm zu sprechen, ich würde ihn fragen:
»Wie bist du zu diesem, jetzigen Punkt gelangt? Wie bist du hierher gekommen? Da, wo du jetzt stehst, da will ich auch hin!«
Schade nur, dass derjenige nicht mehr lebt.

Was würdest du deinem Lieblingsschreiberling fragen, wenn du die Möglichkeit hättest?

Karma … wie gehst du mit schlechten Kritiken um?

Als Schreiberling wirst du früher oder später an den Punkt kommen, wo jemand deinen Text verreißt.
Wer schreibt, vor allem unter seinem echten Namen, statt ein Pseudonym zu wählen, tritt damit an die Öffentlichkeit und gibt sich Kritik jeglicher Art preis.

Wo bereits konstruktive Kritik manchen »Schreiberkollegen« schwer fällt, wie gehen sie dann erst mit böse gemeinten Worten um?

Konstruktive Kritik ist eine feine Sache, wenn sie zugelassen wird. Nicht immer mögen die Anregungen angenehm sein, weil sie einem sagen »das oder jenes kannst du besser machen«. Sind die Worte schärfer gewählt, dann können diese brutaler ankommen, als sie gemeint sind.
Für konstruktive Kritik (und hier danke ich allen, die das bei mir tun) sollte jeder Schreibende offen sein – vor allem, wenn er oder sie erst am Anfang steht. Kein Meister fiel bislang vom Himmel und selbst Autoren wie Stephen King lernten ihre Lektionen auf die harte Weise.
Daran ist nichts Verwerfliches, sondern sollte im Gegenteil eher willkommen sein. Wer sich nicht verbessern will, bei dem ist es eher fraglich, ob nicht ein anderes Hobby für denjenigen besser geeignet wäre – oder sollte nur noch für seine Familie und Freunde schreiben, da dort die Chance höher ist „freundliche – aber mitunter wenig hilfreiche – Worte“ zu erlangen.

Wie sieht die Sache mit Kritik aus, die beleidigen soll, um des Aktes der Beleidigung selber willen?
Ein mir besonders nahestehender Autor (den ich seit mehr als 12 Jahren kenne), erhielt auf sein Buch hin bei Amazon einen Kommentar, der nicht das Werk, sondern ihn als Person angriff. Da er zu diesem Zeitpunkt selbständig ein eigenes Geschäft hatte, hätte dies unter Umständen seinen finanziellen Ruin bedeuten können. Daraufhin ließ er bei Amazon diese Kritik löschen.
Hier liegt der Fall klar – denn diese Art Kritik hat mit dem Buch nichts zu tun!

Anders sieht es aus, wenn die Kritik das Buch selber betrifft. Ich lese manchmal Kritiken bei Büchern, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, nicht immer sind diese Kritiken berechtigt – manchmal leider schon.
Jeder von uns hängt sein Herzblut in sein Werk und gibt vieles von sich um es später der Öffentlichkeit zu präsentieren. Miese Kritik fühlt sich für viele dann wie ein persönlicher Angriff an, anstatt zu hinterfragen, was der Kritisierende damit wirklich sagen will und ob sich für das nächste Werk nicht etwas daraus lernen ließe.

Ein paar Schreiberlinge ignorieren die miesesten Kommentare aus Prinzip heraus. Ich glaube, selbst aus derartigen Kritiken lässt sich lernen.

Manchmal ist die Frage, warum derjenige negativ kritisiert. Nicht immer ist das Buch per se schuld dran, manchmal ist derjenige in einer eigenen Sinnkrise.
Daher ist eine gute Möglichkeit mit diesen Dingen umzugehen, ihm alles Gute zu wünschen. Vielleicht hat er selber seine Träume längst verloren und lässt seine Wut und Frust an anderen damit aus.

Ich glaube, wer sich diese negativsten Kritiken übertrieben stark zu Herzen nimmt, tut sich selber nichts Gutes. Hier macht es mehr Sinn, demjenigen Schönes zu wünschen – beispielsweise, indem man ihm wünscht, er möge seine Träume zurückbekommen.

Wie gehst du mit einer derartigen Situation um?

Wenn die Krähe erzählt …

Hier geht es weiter:
Nun interessiert mich deine Meinung. Ich werde den geplanten Roman auszugsweise hier auf dem Blog posten. Du bist willkommen für jegliche Art konstruktiver Kritik, schließlich soll die Geschichte auch gut werden 🙂

Also, lass mal lesen, was du zu sagen hast, ich bin neugierig auf deine Meinung.

*****

Part 2:

den ursprünglichen Text findest du: hier

Langsam krochen morgendliche Sonnenstrahlen herauf, wärmten den hartgefrorenen Erdboden, vertrieben die bitterste Nachtkälte. Binnen weniger Stunden würden die zarten Schneekristalle schmelzen. An den Efeuranken hatte sich längst der Nachtfrost geklammert, die letzten Gräser mit klammem Weiß umhüllt.

Inmitten einer starken Baumkrone erbaut, hockte Noah in seinem Nest. Einsam. Es fühlte sich leerer an, seit seine Jungen flügge geworden waren und ihn und seine Liebste verlassen hatten.
Eisig pfiff schneidender Wind durch sein Gefieder, plusterte es mehr noch auf, als er selbst dies bereits getan hatte. Kälte und Wind trotzend, hockte er mit aufgeplustertem Federkleid im Nest, ließ sich doch die Körperwärme damit besser halten.

Lose ineinander aufgestellt sorgten die Federn für wärmende Luftpolster, halfen ihm, eisige Nächte und kalte Tage heil zu überstehen.
Vernehmliches Magenknurren vertrieb ihn aus seinen Träumen. Hunger machte sich überdeutlich bemerkbar, war es doch längst an der Zeit, wie jeden Morgen, die Futterstelle aufzusuchen. Wenige, windstille Momente ausnutzend, hüpfte Noah aus seinem Nest. Wohlweislich Eichhörnchen und Meisen zugedachte Brotkrumen, teilweise auf dem nächtlichen Boden angefroren, bediente sich Noah ohne Rücksicht, war ihm doch sein eigener Magen näher als die anderen Geschöpfe des Augartens.

Der nahe gelegene Flakturm, dessen alte Aufgabe als Hochbunker im Kriege längst zu einer verfallenden Ruine mutierte und stattdessen nun ungezählten Generationen an Tauben als Unterkunft diente, warf seinen Schatten in Richtung der Futterstelle.
Einen Blick in dessen Richtung werfend, von seinem Platz aus die Futterstelle gut einsehend, hüpfte Noah von seinem Hauptast weg, über andere Äste hinüber, bis er sich auf den nahe gelegenen Baum zu schwingen vermochte.
Dabei stets auf andere Vögel achtend, schwebte Noah beinahe zu Boden und hüpfte dabei vorsichtig näher an die Futterquelle. Einzelne Brotkrumen schnappend, sich diese in den Schnabel stopfend, dachte er das erste Mal seit Tagen nicht mehr an Soar.

Sich aufs Sammeln konzentrierend, fand er es gar nicht so einfach, möglichst viel des guten Futters, aufzusammeln, mangelte es doch an ausreichend Platz im Schnabel.
So pfiff der Wind durch die halbgeöffnete Futterluke. Doch auch nur einen einzigen Brocken davon abzugeben kam ihm nicht in den Sinn. Schließlich war es sein Magen, der knurrte und sich erneut bemerkbar machte. Überdies erbeutete er sich die Nahrung ehrlich. Wenn die Meisen zu lange Zeit benötigten, war es ja nicht sein, sondern deren Problem.
Wie viele Augen ihn beobachteten, wie viele Seelen wünschten, er möge doch verschwinden, es interessierte Noah nicht im Geringsten. Erst, als er keine weiteren Brocken mehr aufzunehmen in der Lage war, begann er damit, beiseite zu hüpfen, einen Flecken suchend zum Verzehr.

Beständig die Futterquelle im Auge behaltend, kehrte er mehrmals zurück, immer wieder Brotkrumen und Erdnüsse aufsammelnd, bis nichts mehr zu sehen war. Wütende Blicke von Eichhörnchen und Meisen gekonnt ignorierend, kehrte er zurück in sein windgeschütztes Nest, hoch über dem nach wie vor gefrorenen Erdboden.

*****

Part 1:

Es würde ein Frosttag werden.

Über dem Wiener Augarten lag angenehme Ruhe. An heißen Tagen überrannt, voller Erholungssuchender, schlief nun das Leben, schien die Zeit stillzustehen.
Der neue Tag brach an, eingetaucht in Violett und Orange, bis sich zartes Blau den Weg über das Firmament brach.
Nicht mehr als eine Handvoll Menschen mit ihren Vierbeinern hatten sich bereits in diesen frühen Morgenstunden hierher verirrt. Dick eingemummelt, zumeist gestrickte Hauben tief hinab gezogen, wären die meisten von ihnen lieber im warmen Bett geblieben.
Nur zwei Welpen nutzten die Gunst der Stunde und tobten über die hauchdünne Schneeschicht, die Nebelschwaden aus ihrem Maul ignorierend. Wirbelten im Spiel Schneeflocken auf, spürten in ihrem Überschwang nicht, wie diese sachte auf ihre schwarzen, felligen Körper herab rieselten.

Klirrende Kälte hatte den alten, barocken Park, der sich über mehr als einen halben Quadratkilometer erstreckte, in ein Schneemärchen verwandelt. Morgenfrost hielt die letzten, dünnen Grashalme fest im Griff, wo sich einzelne Schneekristalle in ihrer Schönheit zeigten.

Fast food einmal anders …

Einige meiner Bücher sind allein durch das Interesse entstanden, Neues auszuprobieren. Diesmal brachte mein Verlobter ein Gericht als Vorschlag, das ich jedem nur empfehlen kann (und ja – es gibt dieses Gericht auch in vegetarischer und sogar veganer Version).

Es handelt sich hier um das kanadische Nationalgericht „Poutine“ und wird wie der russische Präsident ausgesprochen.

Einziges „Problemchen“ dran ist, es gibt so viele verschiedene Variationen – also viel zum Ausprobieren. Ich hielt mich daher an eine recht einfache Variante.

Zutaten waren Pommes Frites, Pulled Pork, Cheddar und Bratensauce.

Das gefundene Rezept war für vier Personen. Anfänglich wirkte es nicht so, aber ich kann versichern, es ist sättigender, als es aussieht! Wer es probieren will, es ist kindgerecht, schmeckt unglaublich gut und deftig und binnen 15 Minuten war es fertig!

Was käme für dich in Frage bei diesem Rezept? Wenn du in Kanada lebst oder es mal besucht hast, welche Version würdest du als „typisch kanadisch“ bezeichnen?

das fertige Gericht – und typisch „kleines Kind – wer will probieren und klaut?“

take a little break – oder warum eine Pause gut sein kann …

Ein kurzer Spaziergang reicht meistens um an neue Ideen zu kommen und diese in die Geschichte integrieren zu können.

Ich möchte euch heute einen potentiellen, neuen Charakter vorstellen, der mir heute im Augarten über den Weg gelaufen ist:

In Anlehnung an eine alte Kinderserie sind die Eichhörnchen bei mir immer Puschel. Im Augarten gibt es einen kleinen, umzäunten Bereich, den die Tiere lieben. Es ist kein Wunder, werden sie doch bei jedem Wetter gefüttert.

Dementsprechend zahm verhalten sie sich, haben sie doch (abgesehen von Hunden) nichts zu fürchten.

Das Foto stammt von heute. Ich saß dabei im Gras und wartete nur darauf, dass es zu mir kam.
(Wer das ausprobieren will, braucht anfangs jedoch Geduld und kühles Wetter.)

Was hat dich schon zu einer Figur oder zu einem Charakter inspiriert?

Wenn die Muse Pause macht …

… dann sitzt mancher Schreiberling vor leeren Blättern und weissem Schirm.

Immer wieder lese ich, dass es Schreibblockaden gibt oder die Texte nicht fließen. Schreiben ist Handwerk, kreativ und manchmal braucht es eine Pause.

Frage dazu: Will der Schreibende das?
Wer schreibt, wünscht sich häufig, Ideen wie am Fließband zu produzieren, logisch betrachtet ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

Was macht jemand, der ansteht?

– > Pause machen

Dieser Weg ist nicht jedermanns Sache. Der Vorteil daran ist unbestritten, einmal die Gedanken in andere Bahnen zu lenken. Das erzeugt neue Ideen, die eine Geschichte wunderbar beleben können.

– > beiseitelegen und anderes schreiben

Dieser Weg kann ebenfalls wunderbar sein. Manchmal will eine Textstelle nicht geschrieben werden – zumindest nicht im Moment. Vielleicht will die Figur nicht, oder es fehlen passende Worte.
Hier findet sich der Vorteil daran, die Geschichte ruhen zu lassen und mit anderem weiter zu machen. Vielleicht befruchten sich die Texte gegenseitig oder verschmelzen zu einer einzigen, harmonischen Story.

– > Inspirieren lassen

»Sperr dich nicht immer ins Zimmer ein, sondern hole dir Inspiration.«
Das las ich letztens auf einem Blog.
Ja, die Idee ist gut, denn selbst ein kleiner Spaziergang vermag neue Ideen zu erwecken.

– > weiterschreiben

Stephen King praktizierte seine »Musen-freien-Tage« indem er weiter schrieb. Jeden Tag. Irgendwann kam sie wieder.
Wenn der Schreiberling nichts mehr weiß, dann schreibt er irgendetwas und seien es die Namen aus dem nächstbesten Telefonbuch.
Wegstreichen geht später immer noch.

– > und wenn das nichts hilft?

Dann gibt es Autoren, die eine andere Art der Ideenfindung praktizieren. In ihrem Kreativbereich liegt ein kleines Päckchen Tarot. Nicht, um Tarot zu legen, sondern um den nächsten Schritt der Geschichte zu finden.
Wenn derjenige nicht mehr weiterweiß, zieht er eine Karte, schlägt deren Bedeutung nach und schreibt weiter. Manchmal geht es ja »nur« um eine kleine Wendung und sonst nichts.

Die meisten Schreiberlinge kennen jene Tage oder Stunden, wenn die Muse sie im Stich lässt. Wie gehst du mit der Sache um?

eine reine Stilfrage ….

Unterschiedlichste Arten zu erzählen existieren in Romanen. Verschieden wie die Geschichten selbst, sind auch die Stile, in denen diese erzählt werden.
Bei mir kommt es auf die Geschichte an. Manchmal mag ich es kurz und knackig ausgeprägt, direkt auf den Punkt gebracht, dann wieder schätze ich ausschweifendere Texte mit langen Schachtelsätzen. Einen konkreten Stil, den ich bevorzuge habe ich nicht unbedingt.

Beim Schreiben selbst sieht es anders aus. Diese kurze Textpassage ist der Anfang der Geschichte um Noah.

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Über dem Wiener Augarten lag angenehme Ruhe. An heißen Tagen überrannt, voller Erholungssuchender, schlief nun das Leben, schien die Zeit stillzustehen.
Der neue Tag brach an, eingetaucht in Violett und Orange, bis sich zartes Blau den Weg über das Firmament brach.
Nicht mehr als eine Handvoll Menschen mit ihren Vierbeinern hatten sich bereits in diesen frühen Morgenstunden hierher verirrt. Dick eingemummelt, zumeist gestrickte Hauben tief hinab gezogen, wären die meisten von ihnen lieber im warmen Bett geblieben.
Nur zwei Welpen nutzten die Gunst der Stunde und tobten über die hauchdünne Schneeschicht, die Nebelschwaden aus ihrem Maul ignorierend. Wirbelten im Spiel Schneeflocken auf, spürten in ihrem Überschwang nicht, wie diese sachte auf ihre schwarzen, felligen Körper herab rieselten.

Klirrende Kälte hatte den alten, barocken Park, der sich über mehr als einen halben Quadratkilometer erstreckte, in ein Schneemärchen verwandelt. Morgenfrost hielt die letzten, dünnen Grashalme fest im Griff, wo sich einzelne Schneekristalle in ihrer Schönheit zeigten. Es würde ein Frosttag werden.

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Welchen Stil ziehst du vor – beim Lesen wie beim Schreiben?

Wenn ein Kind sich in ein Tier verliebt, ….

Ein weiterer, kleiner Textbaustein, welcher der Geschichte dienen sollte.
Jeder, der als Kind ein Haustier wollte oder als Elternteil einem Kind klarzumachen versuchte, warum nicht, wird diese Situation kennen.
Sie eignet sich hervorragend für den Part einer Story, einen kleinen Nebenhandlungsstrang, um einiges zu verdeutlichen. Betrachten wir uns selber in der Situation, wie würden wir darauf reagieren?

*****

»Komm, wir sollten los!«
Sein Haar zurückkämmend, die Schuhe anziehend und sich die alte, abgetragene, nichtsdestotrotz liebgewordene Jacke überwerfend, hatte er längst alles für den Spaziergang vorbereitet. Wartete nur noch auf seine Tochter.
Längst war sie fertig, hatte die Tür aufgestoßen und wartete bereits im hellen Sonnenlicht auf ihren Vater. Es war ein guter Tag fürs Rausgehen. Vielleicht ging es ja im Anschluss daran zu ihren Großeltern.
Graumeliert schimmerten die Schläfen im Sonnenlicht, das Alter war ihm kaum anzusehen, wirkte er doch älter, als er wirklich war. Die Ruhe des sonntäglichen Spazierens tat ihm und seiner Tochter ganz gut. Obwohl sie nicht miteinander sprachen, waren es die Vater-Tochter-Stunden, die ihm so wichtig waren.

Mehr schlendernd, als zügig vorwärts gehend, latschten sie an den Häusern vorbei, zogen in Richtung Kirche und von dort zur alten Burg, die inzwischen staatlichen Interessen diente. Lächelnd winkte der diensthabende Soldat dem Mann zu. Nicht das erste Mal war er mit seiner gerade einmal 5 jährigen Tochter in der Kaserne gewesen.

Während er nachdenklich die Wolken betrachtete, suchte sie auf der Wiese nach hübschen Blumen. Emsig darum bemüht, einen schönen Strauß für ihre Mutter zusammenzustellen. War sie sich doch sicher, dass bereits das Essen auf dem Tisch stünde, wenn sie zurückkämen.
Fasziniert betrachtete sie die unterschiedlichsten Farben und Blütenformen. Wo sich im sachten Wind die Gräser bewegten, schoben sie sich beiseite.
Einige Grasbüschel gaben den Blick auf etwas Schwarzes frei. Mitten zwischen den Gräsern hockte ein kleines, Kätzchen.
Ungläubig starrte das Kind das Tier an. Voll Entzücken näherte es sich, während das Kätzchen zurückwich. Versuchte scheu den Abstand zu wahren.
Doch nach einigen Minuten, in denen es sanft, sehr sanft, mit dem Tier sprach, fasste das Kätzchen Vertrauen und trat näher. Überaus vorsichtig näherte es sich dem Kind und ließ sich dann sogar von ihm streicheln.
Beinahe, als hätte es auf diese Zuneigungsbekundung gewartet.
Erstaunt, mehr noch erfreut, kniete das Kind vor dem Tier und strich sanft über dessen leicht strohiges Fell. Die leichte Glatze auf dem Kopf völlig ignorierend, wollte sie dem Tier einfach nur etwas Gutes tun.

»Komm steh auf, wir gehen!«
»Papa, schau mal!«
Seinen Blick vermochte das Kind nicht zu deuten.
»Komm schon!«
»Aber Papa, die Katze hier …«
»Lass sie.«
»Können wir sie nicht mitnehmen? Die gehört bestimmt keinem.«
»Nein. Komm jetzt!«
Strenge lag in der Stimme, als er seine Tochter aufforderte, endlich in die Gänge zu kommen und folgsam hinter ihm herzutraben.
Es sieht dem Kätzchen hinterher, das den Blick erwidert. Etwas ist in diesem Blick, das sie nicht zu deuten vermag.
»Papa, bitte.«
»Nein, komm jetzt.«

Traurig trabte das Kind hinter dem Vater her. Warum durfte sie kein Kätzchen haben?
Blickte mehrmals zurück und sah das Kätzchen ihnen folgen. Es versuchte, Schritt zu halten, aber dafür waren die kleinen Pfötchen zu kurz.
»Papa, schau mal, die will mit!«
Wortlos ging der Mann voran. Minutenlang schwieg er, während er das Drama erahnte.
An der Kreuzung zur Stadt blieb er stehen, sah seine Tochter und das Kätzchen an.
»Sie kommt nicht mit. Sorg dafür, dass sie dir nicht mehr folgt!«
»Warum?«
»Weil es so ist!«
Traurig blickte die Tochter dem Kätzchen in die Augen, wollte mit ihm spielen und es liebhaben. Doch was sollte sie tun? Also lief sie, zurück zur Wiese, bis das Kätzchen sie aus den Augen verloren hatte. Sie spürte, es war nicht richtig. Dennoch hatte ihr Vater das Sagen.
Hinter der Wiese langte sie erneut an die Straße, wo ihr Vater bereits auf sie wartete.
»Du bist alt genug. Es wird keine Katze geben!«
Während die Tochter schwieg und ihrem Vater nach Hause folgte, blickte sie immer wieder zurück zur Wiese, wo sie das Kätzchen vermutete.
Etwas in ihr war zerbrochen, Vertrauen, das sie in ihren Vater hatte, lag angeschlagen in einer Mulde aus Schmerz. Es würde lange dauern, bis sie darüber zu sprechen in der Lage war.

*****

Meinst du, sie finden im Endeffekt doch zueinander? Das Kind und das Kätzchen?

Verbesserungsvorschläge (by-the-way – für konstruktive Kritik und Verbesserungen bin ich immer zu haben):

von Ulrich Lucas:
Bei der Gelegenheit: Darf ich Dir für den ersten Satz einen Tip geben? Aktuell klingt er, als würde der Vater alles gleichzeitig machen, kämmen, Schuhe an, Jacke an. „Überwerfend“ beschreibt eine Tätigkeit, die gerade passiert. („Sich die Jacke im Hinausgehen überwerfend …“) Tatsächlich wartet er ja komplett fertig gemacht auf seine Tochter: „Sein Haar zurück gekämmt, die Schuhe angezogen und die alte, abgetragene, nichtsdestotrotz liebgewordene Jacke übergeworfen, hatte er längst alles für den Spaziergang vorbereitet. Nun wartete er nur noch auf seine Tochter.“

Wird beim Überarbeiten berücksichtigt. 🙂

Schreiben als Lernprozess …

Jeder Schreiberling arbeitet anders. Wo die einen das blühende Leben um sich herum brauchen, die nächsten Gerüche oder Düfte, ziehe ich die Stille vor. Für die einen ist es die Stimme eines besonderen Menschen, für den anderen ist es das Schnurren der Hauskatze.
Der Besuch in einem Wald oder die Natur um einen herum, manchmal laufen gehen und den Kopf auf dem Weg freizubekommen, viele schätzen diesen Aspekt um im Schreiben kreative Fortschritte zu machen.
Ideen kommen zu den unterschiedlichsten Momenten und auf die seltsamsten Wege zu einem und Inspiration vermag aus mehreren Bereichen des Lebens zu entstammen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Berufsautor oder einen Hobbyschreiber handelt.

Das Schreiben ist ein Lernprozess. Es erfordert Denken um die passenden Worte zu finden, lenkt vielfach die Gedanken in neue Wege und benötigt daher Offenheit. Kreativität und Phantasie können schon da sein oder entwickeln sich im Lauf der Zeit.
Überdies ist ein gewisses Maß Zugänglichkeit eine gute Sache, wenn der Text einmal partout nicht den Weg geht, der ihm zugedacht ist.
Mir erscheint das Schreiben inzwischen wie eine Art »kleines Leben«, in dem nicht klar ist, wohin es geht. Die Dinge entwickeln sich mit der Zeit, bauen auf bereits Vorhandenem auf und erfordern die Auseinandersetzung mit neuen Aspekten des Daseins und des Lebens.

Das Schreiben ist im Grund genommen somit eine Art der persönlichen Weiterentwicklung. Keiner von uns lebt um statisch an seinem Flecken zu verharren, sondern um sich zu entwickeln.
Es geht dabei nicht einmal um die Romanfiguren (ja, Noah überrascht mich immer wieder), sondern um den schreibenden Menschen dahinter und wie diese Person sich besser zu verstehen lernt.

Wie ist es dir in dieser Hinsicht bislang ergangen? Würdest du sagen, das Schreiben als »Lernprozess« hat dich bisher in deiner Entwicklung vorwärts gebracht?